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Wenn Exklusion statt Inklusion eine Kuh ist

Die „Süddeutsche Zeitung“ zeigt heute anhand eines ROLLINGPLANET-Berichts, warum sich Empörung lohnen kann.

Aus der "Afrika, Afrika!"-Show (Foto: AFRIKA! Zirkus- und Veranstaltungs-GmbH & Co. KG)

Aus der „Afrika, Afrika!“-Show (Foto: AFRIKA! Zirkus- und Veranstaltungs-GmbH & Co. KG)

Der ROLLINGPLANET-Aufreger „München lässt Rollstuhlfahrer nicht nach Afrika“ vom Donnerstag hat schnell gewirkt: Nachdem ursprünglich zu den Aufführungen der „Afrika, Afrika!“-Show in der bayerischen Landeshauptstadt Rollstuhlfahrer verboten waren, gibt es für sie/uns aufgrund unseres Artikels plötzlich doch „ausnahmsweise“ neun Plätze pro Abend in der Olympiahalle. Wie wir gestern ankündigten, greift die „Süddeutsche Zeitung“ den Fall heute auf (ROLLINGPLANET bedankt sich für die solidarische Berichterstattung). Das schreibt die SZ:

Bericht in der heutigen "Süddeutschen" (Münchner Ausgabe)

Bericht in der heutigen „Süddeutschen“ (Münchner Ausgabe)

Ausnahmsweise

Nach einiger Empörung dürfen Rollstuhlfahrer nun doch in die Afrika-Show in der Olympiahalle

München – Afrika ist weit weg und deshalb kommt Afrika nach München. Im März, in Form von André Hellers Show „Afrika! Afrika“. Für viele Münchner aber wäre der Zirkus in der Olympiahalle, wollen sie denn hingehen, beinahe unerreichbar geblieben: Rollstuhlfahrer müssen draußen bleiben. Wer ein entsprechendes Ticket bestellen wollte, erhielt noch am Freitagmittag die Auskunft: Tut uns leid, nach Rücksprache mit dem Olympiapark ist dies nicht möglich. Ein paar Stunden später dann aber doch.

Es war „Rolling Planet“, ein ehrenamtliches Internetportal für Behinderte, das über diese Art der Exklusion zuerst berichtete. Wolfgang Klauke, Sprecher der Veranstalter, nennt dies „extrem bedauerlich“. Man sei „sehr überrascht“ davon gewesen, dass Rollstuhlfahrer keinen Plätz fänden. Erfahren habe man davon erst, als die Olympiahalle schon fix gewesen wäre. Die Hallenbetreiber hätten auch nicht signalisiert, dass es eine Lösung geben könnte, sondern nur auf feuerpolizeiliche Vorgaben verwiesen.

Bei der Olympiapark GmbH läst die Frage nach den Rollstuhlfahrern spürbare Betriebsamkeit aus. Zunächst betont ihr Sprecher Arno Hartung, dass dies eine Ausnahme sei; in 99 Prozent der Veranstaltungen in der Halle gebe es feste Plätze für Rollstuhlfahrer. Bei Hellers Spektakel aber sei die Bühne so platziert, dass die üblichen Plätze dahinter lägen. In die Arena, also auf die Ebene der Spielfläche, aber dürften Rollstuhlfahrer nicht, das verbiete die Branddirektion aus Sorge vor Behinderung im Katastrophenfall. Das habe man dem Veranstalter auch mitgeteilt, noch vor Vertragsschluss.

Keiner also will schuld sein. Womöglich haben entweder Veranstalter oder Hallenbetreiber oder beide die Rollstuhlfahrer einfach vergessen. Und das in einer Halle, mit der sich die Stadt nicht nur um Olympia 2022 bewerben will, sondern zugleich um die Paralympischen Spiele. Hartung verspricht noch, alles zu versuchen, um „die Kuh irgendwie vom Eis zu kriegen“, sprich eine Ausnahmegenehmigung von der Branddirektion zu bekommen, so dass die Rollstuhlfahrer doch unten in die Arena dürfen.

Das will auch Oswald Utz, der städtische Behindertenbeauftragte. Er ist empört: „Ich will wissen, wie so etwas passieren kann.“ Auf „rollingplanet.net“ findet sich dazu dieser Kommentar: „ Liebe rollstuhlfahrende Minderheit aus München, regt Euch jetzt nicht auf. Bitte verweist nicht auf die UN-Behindertenrechtskonvention und die darin vorgeschriebene Inklusion. Hier könnt Ihr tolle Bilder von der Veranstaltung angucken, das muss reichen.“ Nicht weniger zynisch ließe sich auch darauf hinweisen, dass Hellers Show in 38 weiteren Städten gastiert. Dort, betonen die Veranstalter, sei der Zugang für Rollstuhlfahrer selbstverständlich möglich.

Und jetzt auch in München, was nicht so selbstverständlich war. Man habe die Ausnahmegenehmigung, verkündet Hartung, am Freitgnachmittag das Ergebnis anscheinend olympischer Anstrengungen: Neun Plätze gehören nun Rollstuhlfahrer, nun von 3220.

(SZ-Autor: Bernd Kastner)

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2 Kommentare

  • Rosé

    Verstehe die Überschrift nicht.

    9. November 2013 at 16:41
    • ROLLINGPLANET
      Rollingplanet

      Die Überschrift bezieht sich auf zwei Textstellen aus der „Süddeutschen“. Die SZ schreibt:

      „Es war ,Rolling Planet‘, ein ehrenamtliches Internetportal für Behinderte, das über diese Art der Exklusion zuerst berichtete.“

      „Hartung verspricht noch, alles zu versuchen, um ,die Kuh irgendwie vom Eis zu kriegen‘, sprich eine Ausnahmegenehmigung von der Branddirektion zu bekommen, so dass die Rollstuhlfahrer doch unten in die Arena dürfen.“

      9. November 2013 at 17:12

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