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Wenn Rollstuhlbasketball ein Aushängeschild und politisches Thema wird

Weil die hessische Regierung ihre Sportpolitik zur Selbstdarstellung nutzt, findet die Opposition vieles daran auszusetzen.

Hessens Innenminister Boris Rhein (Foto: Frank Rumpenhorst dpa/)

Hessens Innenminister Boris Rhein (Foto: Frank Rumpenhorst dpa/)

Die schwarz-gelbe Landesregierung in Hessen will den Sport trotz knapper Kassen weiter umfassend fördern. Das erklärte Innenminister Boris Rhein (CDU) am Dienstag bei einer Regierungserklärung im Wiesbadener Landtag an – und verwies unter anderem auf die Rollstuhlbasketball-Europameisterschaft, die vom 28. Juni bis 7. Juli in Frankfurt stattfindet. Und so geriet heute plötzlich auch der Behindertensport in eine politische Debatte.

Rhein betonte, Sport sei wichtig für die Gesellschaft: Er lehre Fairness und Toleranz, fördere Integration und Gesundheitsfürsorge. Die Opposition kritisierte, die Regierung untergrabe mit ihrer Schul- und Finanzpolitik den Sport.

Ausgaben für Sport vervierfacht

Rhein sagte, die Regierung habe seit 1999 die Ausgaben für den Sport vervierfacht. Zwischen 2002 und 2012 seien 133 Millionen Euro allein in die Infrastruktur geflossen, in gute Sporthallen, moderne Plätze, sanierte Hallenbäder. „Das Ende des Sports ist eine marode Infrastruktur“, betonte der Minister.

In Hessen gibt es 7800 Sportvereine und 53 Sport-Fachverbände, die zusammen etwa 2,1 Millionen Mitglieder zählen. Ein Verein dürfte sportlich interessierten ROLLINGPLANET-Lesern besonders bekannt sein: Der RSV Lahn-Dill ist trotz einer derzeit noch durchwachsenen Saison das Aushängeschild nicht nur des deutschen Rollstuhlbasketballs – sondern auch eines von Hessen.

Auch die SPD findet Sport wichtig, aber…

Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl macht die Regierung in einer Aktionswoche auf ihr Engagement in der Sportförderung aufmerksam. Am Vortag hatte das Kabinett den Landessportbund Hessen besucht. Einzelne Minister wagten sich dort an die Tischtennisplatte oder auf das Badmintonfeld und maßen sich mit hessischen Spitzensportlern.

Im Landtag bezeichnete auch die SPD-Opposition den Sport als unverzichtbares Element in der Gesellschaft. Der SPD-Abgeordnete Günter Rudolph warf der CDU/FDP-Landesregierung aber vor, durch das Turboabitur G8 Sport für viele Jugendliche unmöglich gemacht zu haben. Sie hätten durch die schulische Beanspruchung schlicht keine Zeit mehr dafür.

Kein Geld mehr für Hallen- und Freibäder

Außerdem habe die Regierung den Kommunen Geld gestrichen: Diese müssten nun Hallen- und Freibäder schließen, könnten Vereine nicht mehr fördern. „Damit wird ehrenamtliches Engagement in den Sportvereinen deutlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht“, sagte Rudolph. „Rhein hat kein Wort darüber verloren, wie die Betriebskosten der Sportstätten weiterhin von den Kommunen getragen werden sollen“, kritisierte auch Hermann Schaus von der Linken.

Die Verschulung der Bachelor-Studiengänge mache es für Studenten schwieriger, Sport zu treiben, sagte der Grünen-Abgeordnete Daniel Mack. Es werde im Sport zu wenig für Integration getan. Dem widersprach der CDU-Abgeordnete Horst Klee, selbst Vorsitzender eines Sportvereins. Klee forderte, dass Ganztagsschulen nachmittags Zeit für musische Hobbys oder Sport lassen müssen.

Behindertensport als Errungenschaft

Sport lebe davon, dass er klare Regeln habe, sagte Helmut von Zech (FDP). Zu diesen klaren Regeln gehöre es von Seiten des Staates, Doping ebenso wie die Gewalt in Stadien zu bekämpfen.

Rhein betonte nicht nur die Ausgaben für die Infrastruktur. Es gehe auch darum, Menschen zu fördern als Trainer oder ehrenamtliche Helfer. Wichtig sei auch der Behindertensport. In Hessen werde im Juli die EM der Rollstuhlbasketballer stattfinden. Das Land habe eine eigene Sportfördergruppe für Behindertensportler. ROLLINGPLANET findet: Wenn das mal keine Pluspunkte bringt.

(RP/dpa)

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