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Wenn Schnitzel und Menschen mit Behinderung glücklich machen

ARD-Komödie: Das Chaoten-Duo Armin Rohde und Ludger Pistor begegnet einem Rollifahrer, einem Autisten und einem Mädchen mit Down-Snydrom.

Günther Kuballa (gespielt von Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor) machen sich erneut auf die Suche nach dem Glück (Foto: DasErste)

Günther Kuballa (gespielt von Armin Rohde) und Wolfgang Krettek (Ludger Pistor) machen sich erneut auf die Suche nach dem Glück (Foto: DasErste)

Glück – das ist der rote Faden der derzeit aktuellen ARD-Themenwoche. Um das Thema soll es auch im Mittwochsfilm „Ein Schnitzel für alle“ gehen (20. November, 20.15 Uhr). In der Ruhrgebietskomödie bedeutet Glück erstmal Geld – jedenfalls für den arbeitslosen Tierpfleger Günther (Armin Rohde) und den naiven Anlageberater Wolfgang (Ludger Pistor). Am Ende haben die beiden Chaoten schließlich mehr Glück als Geld. Okay, und auch ein paar Kröten mehr.

„Glück ist die Abwesenheit von Unglück“, hat Schauspieler Armin Rohde der ARD gesagt und wahrscheinlich beschreibt dieser Satz den Charakter des Films „Ein Schnitzel für alle“, in dem er die Hauptrolle spielt, ganz gut. Der speckige Tierpfleger Günther jedenfalls – der nichts lieber tun würde als Robben in Kanada retten, aber der Dame auf dem Arbeitsamt dazu nur ein müdes Lächeln entlocken kann – hat vor allem erstmal Pech: kein Job, keine Frau, keine gute Figur – und einen daueroptimistischen Freund. „Joggen kostet doch nix, da geht der Speck runter wie Butter“, erklärt Wolfgang jedenfalls ungefragt.

Drei Halbstarke mit Behinderung

Drei Menschen mit Behinderung in einer WG (V.l.n.r).: Daniel Michel als Rollstuhlfahrer Robert, Anna Lange als Tina mit Down-Syndrom und Rick Ozon als Autist Hans. (Foto: DasErste)

Drei Menschen mit Behinderung in einer WG (V.l.n.r).: Daniel Michel als Rollstuhlfahrer Robert, Anna Lange als Tina mit Down-Syndrom und Rick Ozon als Autist Hans. (Foto: DasErste)

Das mit dem Sport lässt Günther aber bleiben und lässt sich stattdessen den nächsten ungeliebten Job vom Arbeitsamt aufdrücken: Fahrerservice für drei Kinder mit Behinderung. Weil deren Mutter krank wird, entpuppt sich die Aufgabe als Ganztagsbetreuung. So steht Günther da schließlich mit dem Autisten Hans, mit Robert, der im Rollstuhl sitzt und mit Tina, die das Down-Syndrom hat. Dass das etwas turbulent werden könnte, merkt er nicht erst, als Robert ihm erklärt: „Wir sind zu dritt, und wir sind gut drauf.“

Günther ist also schon froh, wenn er es schafft, abends alle wieder heil am Küchentisch beim Schnitzel zu haben. Denn die Halbstarken machen ihr eigenes Ding: Tina liebt es, Brautkleider anzuprobieren, Robert daddelt in der Spielhalle, und Hans sagt gerne Zahlenreihen vorher – im Casino.

Hier geht's zum Glück: Wolfgang gibt Robert und Tina Instruktionen (Foto: DasErste)

Hier geht’s zum Glück: Wolfgang gibt Robert und Tina Instruktionen (Foto: DasErste)

Genau da wittern der klamme Günther und der – nach der Pleite seiner Firma – gar nicht mehr dauergrinsende Wolfgang ihre Chance: Können sie mit Hilfe des zahlenverrückten Autisten den Jackpot knacken? Seit „Rain Man“ weiß man ja: Das müsste klappen. „Weltmeere, Sonne, Strand“, träumt Wolfgang schon, während Günther befindet: «Nie wieder Scheiße fressen, endlich Überbezahlung.“

Fangemeinde für ein Chaoten-Duo

Glücksspiel also gleich Glück? So einfach wird es natürlich nicht, doch die kurzweilige Komödie nimmt an Fahrt auf. Das liegt vor allem an dem ungleichen Chaoten-Duo Rohde und Pistor, die schon nach dem ersten Teil „Ein Schnitzel für drei“ (2010) eine Fangemeinde hatten. Wo Rohde grummelt, grinst Pistor, und wo Pistor duscht, macht Rohde, nun ja, sein Geschäft.

Anna Lange


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„Die Mongolettes“ (v.l.n.r.): Die Schauspieler Max von Thun, Anna Lange und Katharina Wackernagel (Foto: Sat.1.)

Die 22-jährige Schauspielerin mit Down-Syndrom (Trisomie 21) lebt in Berlin-Pankow. Sie spielte zuletzt in dem Sat.1-Film „Die Mongolettes – wir wollen rocken!“. Katharina Wackernagel schwärmt von ihr: „Sie ist sehr herzlich und innig.” Seit fünf Jahren ist Lange Artistin im „Circus Sonnenstich“, einem Berliner Zirkus für Menschen mit Behinderung. Ihre Hobbies: Vulkane, die Eiszeiten, das alte Ägypten und Mode. Bei den Dreharbeiten zu „Ein Schnitzel für alle“ (ursprünglich geplanter Titel: „Ein Schnitzel für vier“) wurde Lang von der „Sonnenstich“-Projektleiterin und Trainerin Anna-Katharina Andrees begleitet.

Neben dem Ruhrpottlern macht die junge Bande den Film sehenswert: Anna Lange mimt die übermütige und lebensfrohe Tina genauso überzeugend wie Daniel Michel den lakonischen Rollstuhl-Fahrer Robert. Einzig Hans, der Autist, den Rick Okon spielt, wirkt überzeichnet und stellenweise fast als Karikatur eines Autisten.

Unterm Strich hat die ARD mit diesem Film (Regie: Manfred Stelzer) aber nichts falsch gemacht. Und Glück – für Fernsehmacher – ist ja auch, wenn der Zuschauer einen Mittwochsfilm mal zu Ende sehen möchte.

Sendetermine: ARD, 21.11.2013, 00:20 Uhr; Eins Festival, 23.11.2013, 20:15 Uhr; Eins Festival, 24.11.2013, 11:50 Uhr; Eins Festival, 27.11.2013, 18:30 Uhr.

(RP/dpa)

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2 Kommentare

  • Susanne Pohlmann

    wir (meine Familie und ich)fanden den Film toll und es ist immer gut zu sehen das Behinderung und normales Leben zusammen gehören. Der sozialkritische Unterton auch ganz wichtig. Der Rollifahrer würde aber normalerweise selbsständiger agieren als im Film gezeigt;)

    24. November 2013 at 19:22
  • Andrea Bröker

    Ich fand den Asperger-Autisten gut dargestellt. Sicher, es wurde ein wenig übertrieben hinsichtlich Savant-Eigenschaft bzw. bei Rain-Man kopiert, denn nur die wenigsten Autisten sind zugleich auch Savants. Aber um verstanden zu werden, muss man in dieser neurotypisch geprägten Welt eben übertreiben, zumal ja auch die beiden anderen Protagonisten übertrieben bzw. etwas klischeehaft dargestellt wurden. Lustig war der Film allemahl und ich als Autistin konnte bei den Szenen mit dem Asperger auch über mich selbst lachen. 😉

    4. Dezember 2013 at 12:23

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