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Wenn Urlauber durch dick und dünn müssen

Das Böse muss raus. Ärzte warnen deshalb: Reisedurchfall sollten Betroffene nur ausnahmsweise mit Arznei stoppen.

(Foto: Jürgen Jotzo/pixelio.de)

(Foto: Jürgen Jotzo/pixelio.de)

Eine der schlimmsten Urlaubserinnerungen unseres ROLLINGPLANET-Kollegen Dirk Wessels (Querschnittlähmung) führt ihn gedanklich nach Stockholm. Weil das Flugzeug nicht an einem „Finger“ hielt, sondern mitten auf dem Flughafen, musste er herausgetragen werden.

Dummerweise hatte er fünf Minuten vor der Landung einen gewaltigen Durchfall – und „es hat derart gestunken, dass ich am liebsten auf der Stelle tot gewesen wäre“, erinnert sich Dirk, der sich unweigerlich dachte, dass jetzt Laufen können nicht schlecht wäre. Ein Entrinnen gab es nicht – weder für ihn noch für die Helfer, die ihn von seinem Platz aus dem Flieger die Stufen hinunter trugen, wo endlich der Rollstuhl wartete. Das war vor ungefähr 25 Jahren – aber Dirk bekommt heute noch einen roten Kopf, wenn er daran denkt.

Über eine seiner frühen Dienstreisen nach Japan und Indien schreibt Promi Udo Reiter (Ex-MDR-Intendant) in seinem vor kurzem erschienen Buch „Gestatten, dass ich sitzen bleibe“: „Ich hatte regelrecht Angst. Gab es da rollstuhlgeeignete Unterkünfte? Hatten die Inder Klos nach westlichem Standard? Und bekam in Indien nicht jeder Europäer Durchfall, eine Schreckensvision für Rollstuhlfahrer?“

Trotz Durchfalls möglichst keine Medikamente nehmen

Von dem nachfolgenden Tipp für „Normalos“ werden sich die meisten Rollis nicht beeindrucken lassen – sie werden wohl auch künftig lieber eine Packung Imodium einwerfen, als ein Risiko einzugehen: Reisedurchfall sollten Urlauber nur in Ausnahmefällen mit Medikamenten stoppen. Das gelte etwa, wenn sie mit akuten Beschwerden eine längere Busfahrt vor sich haben. Darauf wies der Reisemediziner Prof. Martin Haditsch anlässlich des Forums Reisen und Gesundheit im Rahmen der Reisemesse ITB in Berlin hin. Denn mit Durchfall wehrt sich der Körper gegen schädliche Keime, die auf diese Weise entsorgt werden.

Durchfallmedikamente mit dem Wirkstoff Loperamid setzen die Darmtätigkeit herab. Dadurch bleiben die Keime länger im Körper. Länger als einen Tag sollte solch eine Arznei daher nicht eingenommen werden. Ein Fall für den Arzt ist Durchfall, wenn er länger als fünf Tage anhält. Auch wenn Blut oder Schleim im Stuhl zu sehen sind oder es zu Fieber, Erbrechen, Schmerzen oder Kreislaufstörungen kommt, sollten Urlauber unbedingt zum Arzt gehen.

Die häufigste Reisekrankheit

Durchfall ist bei Touristen nach Angaben des Forumsveranstalters Centrum für Reisemedizin die häufigste Reisekrankheit – also nicht nur für Behinderte ein Horror. Vor allem in Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie auf Kreuzfahrtschiffen ist die Ansteckungsgefahr groß. Meist gelangen die Erreger wie Kolibakterien, Noroviren oder Salmonellen durch verunreinigte Speisen oder Getränke in den Körper.

Was sagt Dirk Wessels dazu? Nichts Elegantes, sondern nur Drastisches. Vor einem halben Jahr war er für zehn Tage in Bangkok – und hat sich prophylaktisch so viel Imodium einverleibt, dass „ich selbst nach vier Wochen noch nicht wieder richtig kacken konnte.“

(RP/dpa)

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