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Wer Behinderte feuert, bekommt Extrapunkte

Milliardenverluste, kollabierende Banken, Massenarbeitslosigkeit und unter der Schuldenlast zusammenbrechende Eurostaaten. Was hilft? Behinderte raus!

Paris/Hergiswil (pte)- Die verheerendste Wirtschaftskrise seit über 65 Jahren hat die französische Spielzeugfirma Arplay zum Thema ihres neuen Spiels „Plan Social“ gewählt.

Wer als Manager die meisten Menschen entlässt, gewinnt. Brisantes Detail: Wer Behinderte, Schwangere oder Gewerkschafter rauswirft, kassiert Extrapunkte.

„Die mit dem Spiel einhergehende Verhöhnung der Wirtschaft verwundert kaum, da sich namhafte Teile der Wirtschaft an menschenfreundlichen Prinzipien, die eine Marktwirtschaft eigentlich ausmachen sollen, vergangen haben“, sagt Thomas Otte, Inhaber des gleichnamigen Beratungsunternehmens. „Sozialplan“ sei daher als Reaktion auf das entstandene Wertevakuum zu verstehen.

Mit dem Kartenspiel hat das Unternehmen für heftige Kritik in Frankreich gesorgt und damit seine Popularität ungemein gesteigert. Dass das Spiel nicht nur für Empörung sorgt, sondern auch große Nachfrage bewirkt hat, zeigt sich in den Absatzzahlen. Die Erstauflage von 3.000 Exemplaren war nach wenigen Tagen ausverkauft. Arplay hat darauf bereits hat reagiert. 10.000 weitere Exemplare sind am Markt. Das Spiel wird bereits „Dallas auf französisch“ genannt.

Wecken von Raubtierinstinkten

Angefacht vom medialen Echo und öffentlicher Empörung setzt das bretonische Unternehmen inzwischen auf die internationale Vermarktung. Seinen Verkaufsschlager gibt es bald auch in Belgien, der Schweiz und in Kanada. Die Nachfrage ist groß. Auch aus Spanien gibt es bereits Anfragen. „Unglücklicherweise leben wir in der Krise. Sonst würde das Spiel nie so laufen“, so Arplay-Chef Stéphane Daniel. Die Firma wirbt mit dem „Wecken der Raubtierinstinkte“.

Das Spiel besticht durch seine einfache Handhabung, denn alle Spieler sind Aktionäre. Jede Karte stellt einen Angestellten dar. Wer so schnell wie möglich alle Karten loswird, gewinnt und hat das Recht, seinen Betrieb in ein „totalitäres Land zu verlagern, wo die Arbeitskräfte billig sind“, heißt es in der Spielanleitung. „Der mit dem Spiel geschürte Spott über die Not der anderen resultiert aus einem pervertierten Wertekanon“, so Otte gegenüber pressetext.

Verleger Daniel will mit dem Spiel eigenen Angaben nach bewusst provozieren. Damit solle zum Ausdruck gebracht werden, dass „Frankreich die Nase voll hat von Firmenverlagerungen und Sozialplänen“. Neben Kritik erhielt Daniel sogar Zuspruch von einem Gewerkschafter. Dieser schlug vor, dass Spiel im Unterricht der Wirtschaftsschulen zu verwenden. Das Spiel wird laut Arplay nicht in China und zudem aus umweltfreundlichen Materialien hergestellt.

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