Werden verzweifelte ALS-Kranke erpresst?

Vorwurf in Tschechien: Stammzellen gibt es nur gegen Zwangsspende. Oder war alles nur ein „Kommunikationsproblem“?

Im Zentrum des Skandals: die Medizinerin Eva Sykova (Foto: IWN)

Im Zentrum des Skandals: die Medizinerin Eva Sykova (Foto: IWN)

Schwerkranke Patienten sollen einem Medienbericht zufolge in Tschechien zu Spenden von jeweils mehr als 5000 Euro gedrängt worden sein, um eine experimentelle Therapie für die Nervenerkrankung ALS zu erhalten. Die Medizinerin Eva Sykova trat nun in Folge der Affäre als stellvertretende Vorsitzende des tschechischen Wissenschaftsrats zurück, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen CT am Donnerstag berichtete. „Wir haben keine Familie getroffen, die nicht den gleichen Verlauf beschrieben hat: Gebt eine Spende, wenn ihr Stammzellen wollt“, sagte eine CT-Reporterin.

Das Forscherteam um Sykova bestritt indes einen kausalen Zusammenhang und sprach von einem Kommunikationsproblem. „Diese Patienten wollten unter keinen Umständen warten und baten um die Anwendung von Stammzellen um jeden Preis“, hieß es in einer Stellungnahme.

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine sehr ernste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie äußert sich als eine fortschreitende Muskelschwäche. Vor knapp zwei Jahren hatte die Spendenaktion „Ice Bucket Challenge“ weltweit Schlagzeilen gemacht und die Aufmerksamkeit auf die seltene Erkrankung gelenkt. Dabei ließen sich Prominente einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf gießen.

(dpa)

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