Werder Bremen spielt für mehr Inklusion

Gebärdensprache, Junge mit Down-Syndrom, Blindenreporter: Am 7. Spieltag geht es gegen Bayer 04 Leverkusen – und um Menschen mit Behinderung.

Am Samstag soll es nicht nur Beifall für Werder-Rückkehrer Claudio Pizarro geben, sondern auch für das Thema Inklusion. (Foto: dpa)

Am Samstag soll es nicht nur Beifall für Werder-Rückkehrer Claudio Pizarro geben, sondern auch für das Thema Inklusion. (Foto: dpa)

Vor zwei Jahren fragte ROLLINGPLANET: Wer ist deutscher Fußball-Meister? Bayern München? Nein, urteilten wir und vergaben den Titel an Werder Bremen. Anlass war unter anderem die Tatsache, dass die Grün-Weißen ein Fußball-Training für blinde und stark sehbehinderte Kinder organisierten und dass von allen deutschen Elite-Kicker-Übungsleitern nur der damalige Werder-Coach Thomas Schaaf live die Paralympics 2012 in London anschaute.

Werder Bremen verteidigt nun seinen Titel, auch wenn man derzeit mit 7 Punkten nur auf Platz 13 der Tabelle steht. Der Verein veranstaltet gemeinsam mit der Aktion Mensch und der Bundesliga-Stiftung am 7. Spieltag (26. September) im Weser-Stadion erstmalig einen Bundesliga-Spieltag unter dem Motto „Gemeinsam für Inklusion“. Die Begegnung am kommenden Samstag gegen Bayer 04 Leverkusen (9 Punkte, Tabellenelfter), wirbt für ein selbstverständliches Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald

Dr. Hubertus Hess-Grunewald

„Der Spieltag trägt dazu bei, Berührungsängste und Vorurteile auf dem Platz und am Rande des Spielfeldes abzubauen“, sagt Dr. Hubertus Hess-Grunewald, der seit November Geschäftsführer und Präsident des SV Werder Bremen ist.

Der Fachanwalt für Arbeitsrecht erklärt: „Wir stellen diese Bühne gern zur Verfügung. Dieser Aktionstag ist ein Höhepunkt in unserem langjährigen Engagement für Inklusion, Toleranz und gegen Diskriminierung.“

Das steht auf dem Programm

Kinder mit und ohne Behinderung laufen an diesem Tag mit den Spielern ein, Gebärdensprachdolmetscher übersetzen die Stadionansagen und ein 19-Jähriger mit Down-Syndrom steht den Stadionsprechern zur Seite. Wie an jedem Spieltag im Weser-Stadion kommentiert auch der Blindenreporter das Spiel für sehbehinderte Besucher. Vor dem Stadion steht unter anderem ein Rollstuhlparcours: Dort kann jeder selbst testen, wie Barrieren den Alltag vieler Menschen erschweren.

So kündigt Werder Bremen auf seiner Webseite den 7. Spieltag an.

So kündigt Werder Bremen auf seiner Webseite den 7. Spieltag an.

Der SV Werder Bremen ermöglicht schon seit längerem Menschen mit Behinderung den Zugang zum Sport. In den inklusiven Gruppen spielen Jung wie Alt Fußball und Handball; es gibt eine Leichtathletikgruppe sowie die integrative Ballschule, bei der Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einfachen Übungen an die unterschiedlichen Ballsportarten herangeführt werden. Das Angebot umfasst Ferienspiele, Bundesliga-Erlebnisfahrten sowie zahlreiche Turniere.

Werder eröffnet Menschen mit Behinderung aber auch Möglichkeiten, sich aktiv in den Verein einzubringen, etwa als Trainer oder über ein Praktikum. Daneben gibt es die „Young Coach“- Ausbildung, bei der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in Ausbildungstandems zu FußballtrainerInnen im Behindertensport ausgebildet werden. Für seine Arbeit auf dem Gebiet der Inklusion wurde der SV Werder Bremen aktuell mit dem PHINEO Wirkt-Siegel ausgezeichnet.

(RP/PM)

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