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Wheelchairica – Alles inklusive: Inklusion fängt bei mir selber an

Sensationelle Kulisse und ein Hauch von Broadway: Über 600 Zuschauer feierten das Rollstuhl-Musical.

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Fotos: Thomas Weinsheimer

Über 600 Zuschauer sorgten vergangenes Wochenende bei der Vor-Premiere des neu einstudierten Rollstuhl-Musicals „Wheelchairica – Alles inklusive“ im Bürgerhaus von Viernheim für tolle Stimmung. Acht Jahre nach der Aufführung des ersten Wheelchairica-Stücks löste die Neuauflage große Begeisterung aus.

„Die könnten auch locker am Broadway auftreten“, sprudelte es aus einer älteren Zuschauerin heraus. Zuvor hatte sie tolle schauspielerische und tänzerische Einlagen einer perfekt inszenierten Playbackshow zu Megahits wie „They Don’t Care About Us“ von Michael Jackson und weiteren bekannten Songs miterlebt.

„Inklusion fängt bei mir selber an“

Die Kostümauswahl für die Schauspieler der abwechslungsreichen Vorstellung war farbenfroh und vielfältig. Vom Vampir bis zur Table-Dancerin war alles dabei. Mit viel Witz, provokanten Aussagen und einer Portion Selbstironie machten 14 RollstuhlfahrerInnen das Thema Inklusion greifbar. „Inklusion fängt bei mir selber an“ lautete ihre Botschaft.

Das Zusammenspiel mit den jungen Turnerinnen des Turnerbundes Oppau und den Leiterinnen des Musicals, Jule Heil und Sonja Pinter, als Teufel und Engel machte den inklusiven Charakter von Wheelchairica perfekt.

Die Chancen und Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer vollständigen Inklusion verdeutlichten die Schauspieler exemplarisch. Einerseits nahmen RollstuhlfahrerInnen bei einer Casting-Show teil oder traten als Table-Dancerinnen auf. Andererseits kamen menschliche Charakterschwächen wie bei der größenwahnsinnigen und egoistischen Professorin Agathe Allmacht und dem korrupten Rollstuhlfahrer Jacko (Dieter Busam) zum Vorschein. Als er ins Gefängnis kommt, wird schnell klar, dass diese öffentliche Einrichtung gar nicht barrierefrei ist…

Kleine Panne trübt die Freude nicht

Es ist möglich, aus jeder Situation etwas Positives herauszuziehen. Dies zu zeigen, war für einige Darsteller Motivation genug, während dem Auftritt das Beste zu geben. Nora Welsch war nach den beiden Auftritten sehr erleichtert: „Die Nervosität war deutlich spürbar! Umso glücklicher bin ich, dass alles geklappt hat.“ Naja, fast alles: Ein kompletter Ausfall der Musikbegleitung bescherte dem Publikum am Sonntag eine unerwartete a-capella-Version der Eröffnungsnummer. „Aber davon haben wir uns zum Glück nicht aus dem Konzept bringen lassen, alle haben einfach ihr Ding durchgezogen“, gab die stolze Jule Heil zu Protokoll.

Das Presseecho war durchweg positiv. Beispielsweise hob der Südhessen Morgen hervor, dass die Schauspieler im Rollstuhl teilweise Profianforderungen erfüllten und bewiesen, wie ästhetisch sich tänzerischer Ausdruck selbst in einem Rollstuhl realisieren lässt. Die Eltern eines schwerbehinderten Rollstuhlfahrers zeigten sich beeindruckt: „Dieser begeisternde Auftritt gibt richtig Mut für die Zukunft.“ Der Kolumnist des Selbsthilfevereins Mobil mit Behinderung (MMB) sah auch einen politischen Zweck erfüllt, da es die Protagonisten an diesem Abend geschafft hätten, die Behindertenrechtskonvention sehr anschaulich in die Köpfe der Menschen zu bringen.

Spende für Projekt der Paralympics-Siegerin Hanne Brenner

Dass „Wheelcharica – Alles Inklusive“ ein in allen Facetten inklusives Projekt ist, machte Jule Heil in ihrer Laudatio deutlich. Sie lobte den Einsatz vieler einsatzfreudiger Helfer und das Engagement der Stadt Viernheim. Obwohl das Bürgerhaus nicht komplett barrierefrei war, machte die Stadt es unkompliziert möglich, das Musical aufzuführen. Einen Teil der Einnahmen des Kooperationsprojekts von Rehabillity und der Kultur- und Sportgruppe für Behinderte (KSG) Rhein-Neckar bekommt der Verein „Kleine Glücksritter“, eine Initiative von Dressurreiterin und Paralympics-Siegerin Hanne Brenner, die schwer kranken Kindern den Umgang mit Pferden ermöglicht.

(PM/Der Beitrag stammt von unserem Sponsor Rehability).

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