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Wie gefährlich kann die Ebola-Epidemie für uns werden?

Warum das Virus in Westafrika kaum zu stoppen ist, welche drei Länder akut betroffen sind, worauf Touristen achten müssen.

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist außer Kontrolle: Weil das Virus hochansteckend ist, müssen Ärzte bei der Behandlung von Patienten Schutzanzüge tragen. (Quelle: dpa)

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist außer Kontrolle: Weil das Virus hochansteckend ist, müssen Ärzte bei der Behandlung von Patienten Schutzanzüge tragen. (Quelle: dpa)

Westafrika kämpft derzeit gegen das Ebola-Virus. Doch die Epidemie einzudämmen, ist in der politisch zerrütteten Region mit seinen Mythen und Traditionen schwierig. Dazu 9 Fragen und Antworten:

1. Was genau ist Ebola?

Ebola wird von Viren verursacht. Im frühen Stadium leiden Infizierte unter Fieber und Schmerzen, später kommen Durchfall, Übelkeit und Blutungen hinzu. Es gibt keine zugelassene Impfung und kein Heilmittel. Je nach Virusart sterben bis zu 90 Prozent der Erkrankten. In Westafrika liegt die Sterblichkeitsrate bei den registrierten Fällen derzeit bei weit über 50 Prozent. Es handelt sich um die erste Epidemie in Westafrika mit dem Zaire-Ebolavirus, das 1976 im heutigen Kongo entdeckt wurde.

2. Wie wird das Virus übertragen?

Ursprung einer Ansteckung sind meist Organe, Blut oder andere Körperflüssigkeiten von infizierten Tieren wie Flughunden und Affen. Das Virus wird dann von Mensch zu Mensch übertragen – über Speichel, Schweiß, Blut oder Urin. Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben bis zu drei Wochen. Nach Ende der Krankheit können Männer das Virus noch bis zu sieben Wochen über ihr Sperma weitergeben, zeigten Analysen.

3. Wann hat die Epidemie begonnen?

Im März wurden aus Guinea erste Fälle bekannt, die Epidemie begann aber wohl schon im Jahr zuvor: Ein Forscherteam kam zu dem vorläufigen Ergebnis, dass ein zweijähriges Kind aus einem Dorf im Süden Guineas der Ursprung der Epidemie war. Es war Anfang Dezember an Ebola gestorben. Eine Krankenpflegerin, die das Kind betreut hatte, steckte sich demnach an und trug das Virus in andere Dörfer. Als wahrscheinlichste Virenquelle sehen viele Experten in diesem Fall infizierte Flughunde an.

4. Welche drei afrikanischen Länder sind akut betroffen?

Mehr als 700 Menschen sind der bisher schwersten bekannten Ebola-Epidemie in Westafrika bereits zum Opfer gefallen. In Nigeria wurden jetzt weitere Verdachtsfälle bekannt. Die am stärksten betroffenen Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia leiden ohnehin unter Armut und den Folgen langer Bürgerkriege. Ein Überblick:

GUINEA hat zwar reiche Vorkommen an Bodenschätzen wie Gold, Diamanten oder Bauxit. Korruption, verwahrloste Infrastruktur und politische Unsicherheit verhindern jedoch bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung. Auch angesichts der hohen Arbeitslosigkeit ist die wirtschaftliche Lage der etwa 11,5 Millionen Einwohner vor allem in ländlichen Gebieten katastrophal. Die Lebenserwartung in der ehemaligen französischen Kolonie liegt bei knapp 60 Jahren. In dem 246.000 Quadratkilometer großen Land gibt es außerhalb der Hauptstadt Conakry nur wenige geteerte Straßen. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Bergbau.

LIBERIA ist das erste afrikanische Land mit einer demokratisch gewählten Präsidentin. Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson-Sirleaf ist seit Januar 2006 im Amt. Der Bürgerkrieg von 1989 bis 2003 hat die Infrastruktur des 111 000 Quadratkilometer großen Landes weitgehend zerstört. Mittlerweile ist es der neuen Regierung gelungen, die Armut der gut vier Millionen überwiegend christlichen Einwohner durch wirtschaftliche Reformen zu mindern. Eine Herausforderung bleibt die hohe Arbeitslosigkeit, vor allen unter Jugendlichen. Zu den reichen Rohstoffvorkommen gehören Gummi, Gold und Tropenholz.

SIERRA LEONE ist mit fast 72 000 Quadratkilometern rund doppelt so groß wie Baden-Württemberg. Es exportiert vor allem Diamanten, Kaffee und Kakao, muss aber Industriegüter und Nahrungsmittel einführen. Trotz großer wirtschaftlicher Fortschritte seit dem Ende des Bürgerkrieges 2002 zählen Jugendarbeitslosigkeit sowie die Sterblichkeit von Kindern und Müttern weiter zu den drängendsten Problemen in dem kleinen westafrikanischen Staat. Die Lebenserwartung der rund 5,7 Millionen überwiegend muslimischen Einwohner liegt bei nur gut 57 Jahren. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Analphabeten.

5. Warum wurde aus einzelnen Erkrankungen eine Epidemie?

Die instabile politische Lage und Armut in den betroffenen Ländern trägt Experten zufolge einen großen Teil dazu bei. Die Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone litten in der Vergangenheit unter schweren Unruhen, die Armut ist groß. Um an Nahrung zu kommen, gehen viele Menschen immer tiefer in die Wälder zum Jagen, das Risiko für Kontakte mit infiziertem Wild steigt. Außerdem mangelt es an medizinischer Ausrüstung, um die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen. Als dritter Faktor kommen mangelhafte Koordinations- und Überwachungsmechanismen der Regierungen und Behörden hinzu.

6. Warum ist die Aufklärung der Bevölkerung schwierig?

Viele Straßen sind schlecht und die Wege weit. Einheimische Helfer müssen Analphabeten erklären, wie ein Virus wirkt, und Müttern klarmachen, warum sie ihr Kind vorsorglich mitnehmen. Hinzu kommen kulturelle Faktoren: In den Dörfern ist es häufig Tradition, die Toten zu berühren und zu waschen. Viele Trauernde haben sich bereits so angesteckt.

7. Was für Maßnahmen gibt es?

Die WHO hat ein 100-Millionen-Dollar-Programm angekündigt. Mehr Ärzte und Helfer sollen in die Region geschickt und die Aufklärungsarbeit vorangetrieben werden. Angehörigen von Infizierten und Krankenpflegern wird geraten, Handschuhe und lange Kleidung zu tragen und häufig die Hände zu waschen. Stirbt ein Patient, soll er so schnell wie möglich beerdigt werden. Da sich Flughunde und Affen auch auf Farmen herumtreiben, muss jede Art von Fleisch gut durchgebraten werden.

8. Wie groß ist die Gefahr, dass das Virus nach Europa gelangt?

Experten sehen kaum ein Risiko, dass sich Westafrika-Touristen mit Ebola anstecken und das Virus nach Europa bringen. Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zufolge müssten Reisende mit den Körperflüssigkeiten oder Organen eines Patienten oder eines infizierten Tieres in Berührung kommen. „Unwahrscheinliche Kontakte für einen durchschnittlichen Touristen“, resümiert das ECDC in einer Risikoeinschätzung. Dennoch rät das Auswärtige Amt „von nicht notwendigen Reisen“ zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Wegen der Ebola-Epidemie hat die Fluggesellschaft Emirates heute alle Flüge nach Guinea gestrichen. Wie das Unternehmen ankündigte, gibt es von Samstag an keine Verbindungen mehr in die Hauptstadt des Landes, Conakry. In Abstimmung mit internationalen Gesundheitsbehörden werde es aber weiter Flüge nach Dakar im benachbarten Senegal geben. Die Sicherheit von Passagieren und Besatzung stehe an erster Stelle, begründete die Airline den Schritt.

9. Wie lange wird die Epidemie noch dauern?

Experten gehen nicht davon aus, dass sich die zunehmend außer Kontrolle geratene Epidemie rasch stoppen lässt. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen rechnet derzeit mit weiteren zwei bis sechs Monaten Einsatz in den betroffenen Ländern.

(dpa)

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1 Kommentar

  • Scharik

    Nach Expertenmeinung ist es also unwahrscheinlich, dass Ebola ( auch alle Erreger von Hämorrhagischem Fieber? ) nach Europa gelangt.
    Ich bin zwar kein sogenannter Experte, aber wenn ich mir so die Übertragungswege ansehe und wenn ich mir dann auch noch die geschichtlichen Verbreitungswege der „alten Seuchen“ betrachte und wenn letztendlich noch das Wissen um menschliche Verhaltenweisen und menschliche Dummheit hinzu kommt, dann bin ich alles andere als entspannt.
    Ich denke schon, dass es eine reale Gefahr für „uns“ gibt. zumal ja auch die WHO die Epidemie als „außer Kontrolle geraten“ erklärt hat.
    Was kommt also nach einer aus der Kontrolle geratenen Epidemie?
    Gab es da nicht mal den Begriff der Pandemie?

    Und noch etwas: Auch Ende der 70er Jahre, als das HIV (Aids) nach Europa kam, haben solche Experten zuerst auch so etwas gesagt wie „keine Gefahr, kriegen nur Neger, weil die mit Affen und anderen Praktiken zu tun haben usw“.
    Als das nicht stimmte:: „Keine Angst, kriegen nur Schwule“.
    Als das nicht stimmte: „Keine Angst, kriegen nur Fixer“.
    Als auch das nicht stimmte, schwiegen sie.

    3. August 2014 at 19:49

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