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Wie Jens die Welt sieht (Folge 14)

Mensch, wenn das der Rudi wüsste…Plus Kommentar


Cartoon Assauer

Gastkommentar

[spoiler show=“Aus Westfalen-Blatt“] So schnell kann’s kommen: Vorgestern noch ganz dicke Hose – heute Alzheimer. Rudi Assauer, Big-Boss in der Bundesliga, keine Angst vor großen Sprüchen. Entscheider, Angreifer, Frauenaufreißer. Immer eine Zigarre im Mund, immer eine Kiste Bier im Kühlschrank. Und nun fürchtet er den Moment, in dem er nicht mehr nach Hause findet. Im Dunklen wegdämmert, nicht nur, weil er den Lichtschalter nicht mehr erkennt. Und die Medizin weiß: Dieser Moment wird kommen.

Zum letzten Mal hatte der Mann ganz große Schlagzeilen in der Zeitung mit den ganz großen Schlagzeilen, als er auf der Promi-Insel Sylt gegen seine Ex-Lebensgefährtin, die Schauspielerin Simone Thomalla, tätlich wurde und ein Teleobjektiv die hässliche Szene druckreif belegte. Das war im Sommer 2009. Es könnte – nach dem, was heute die Schlagzeilen um Assauer bestimmt – bereits ein Hinweis auf die beginnende Krankheit gewesen sein. Wobei damals natürlich noch jeder dachte, beim Supermacho Stumpen-Rudi, tja, bei so einem kann eben auch mal die Hand ausrutschen. Das passte irgendwie noch ins Bild… Oder nicht?

Demenzerkrankungen verändern Persönlichkeiten. Zunächst ganz langsam. Und bis es einer ernst nimmt, sind ein paar Jahre vergangen. Wer jetzt in die Versuchung gerät, so’n bisschen« Schadenfreude über das Schicksal eines Mannes zu empfinden, der in seinen aktiven Jahren oft genug ausgeteilt und schon gar nichts anbrennen lassen hat, der sollte vorsichtig sein. Schon aus Selbstschutzgründen: Alzheimer und andere Demenzformen gehören längst zu den Volkskrankheiten. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Kopf letztlich nicht mehr dabei ist, wächst ebenso beharrlich, wie unsere durchschnittliche Lebenserwartung auf die 100 zuschreitet. Deshalb muss es heißen: Hut ab vor Rudi Assauer!

Wie dieser Mann sich nun zu der Krankheit bekennt, die er ein Leben lang am ärgsten gefürchtet hat, verdient Hochachtung. Zumal er mit seinen 67 Jahren nach heute vorherrschender Gefühlslage ja noch jung ist, ein „Best-Ager“, ein „Gold-Ager“ gar.

Demenzen können nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bis zu 100 verschiedene Ursachen haben. Der unter dem Sammelbegriff verstandene Verlust der geistigen Selbstbestimmung kann schleichend mit Parkinson einhergehen oder als Multi-Infarkt-Demenz die Folge zahlreicher kleiner Schlaganfälle sein. Oder eben, wie bei Rudi Assauer diagnostiziert, der klassische Alzheimer, bei dem Eiweiß-Plaque auf bisher unerforschte Art die Denkzellen frisst.

Auf einen wie Assauer hat die Welt gehört und geschaut. Diese Popularität nutzt der einstige Macher jetzt noch einmal, so klar vielleicht zum letzten Mal. Er hat die Tür hinter sich noch nicht geschlossen, schießt wie in besten Zeiten medial aus allen Rohren und verkündet: Alzheimer ist kein Privatproblem, auch keines, das sich hinter Heimtüren wegschließen lässt. Und schon gar kein Grund, sich zu schämen. Nicht mit 80, nicht mit 50, nicht mit 67. Nein, Demenz kann jeden treffen. Sogar einen Kerl wie Rudi Assauer. Gut, dass er darüber spricht!

Zum Themenschwerpunkt Alzheimer/Demenz

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Jens Heise


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