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Wie Journalisten plötzlich entdeckten, dass Karin Keuter „Miss Deaf 2011“ ist

Offiziell Deutschlands schönste Gehörlose 2011: Karin Keuter

Die 16 Finalistinnen vor dem Berliner Fernsehturm

Festlicher Rahmen für die Veranstaltung im Berliner Hotel Andel's

Die Entscheidung fiel nach der dritten Runde

Komisch: Kurz vor dem Weihnachtswochenende meldeten eine Nachrichtenagentur und Zeitungen brandaktuell, dass die „Miss Deaf Germany 2011“ (deaf = taub) gekürt wurde. Dabei fand die Wahl bereits im September statt.

Eine brandaktuelle News mit dreimonatiger Verzögerung: Karin Keuter aus Meppen ist Deutschlands schönste Gehörlose – das meldete am Samstag die Nachrichtenagentur dapd. Zahlreiche Zeitungen übernahmen diese nette Geschichte, und kaum verwunderlich ist da die Schlagzeile der „Bild“: „Diese Miss hört Komplimente nicht“.

„Diese Miss“ ist 19 Jahre alt und seit Geburt an hochgradig hörbehindert, ebenso wie ihre Großmutter und Mutter. Ihr Zwillingsbruder hingegen kann hören. Durch ihren Sieg bei „Miss Deaf Germany“ qualifizierte sie sich automatisch für die Wahlen zur „Miss Deaf Europe“ und „Miss Deaf World“ im März 2012 in Prag.

Journalisten interessieren sich spät dafür

Keuter besucht derzeit ein Berufskolleg in Essen und steht kurz vor ihrem Abschluss. Sie benützt ein Hörgerät, lernte aber parallel zur Schule die Gebärdensprache. Sie hat bereits einen dualen Studienplatz (Ausbildung mit zwei Lernorten) beim Landschaftsverband Rheinland in Köln sicher.

Was die Gebärdensprache betrifft, vermeidet es die 19-jährige oft, sie zu verwenden. Sie müsse sich eben aufgrund ihres kleinen Handicaps mehr anstrengen als andere, erzählt sie.

Dass die Wahl bereits am 24. September stattfand, scheint die vor Weihnachten diensthabenden Redakteure der Nachrichtenagentur dapd offensichtlich nicht gestört zu haben. „Irgendetwas Fröhliches müssen wir zu dieser Zeit rausschicken“, mögen die sich gedacht haben. Die Veranstalter wundern sich und sind enttäuscht. Gegenüber ROLLINGPLANET äußern sie sich: „Wir fragen uns auch, warum die Nachricht so spät berichtet wurde. Und das, obwohl wir im Sommer die Presse angeschrieben und gebeten haben, dass die vorbei kommen sollen“.

Zwei Brüder wollen „lautlos die Welt erobern“

Wieder belebt wurde der Wettbewerb nach einer sechsjährigen Pause von den Brüdern Björn und Arne Blumeier: „Was wir hier machen, ist keine Konkurrenz, sondern wir sind wie eine Familie. Wir helfen einander und haben gemeinsam Spaß.“ Ihr erklärtes Motto: „Lautlos die Welt erobern.“

Die Ziele beschreibt Arne Blumeier so: „Es ist an der Zeit, hörgeschädigten Talenten eine Plattform zu geben und die breite hörende Masse darauf aufmerksam zu machen. Einen guten Anfang hat der taube Tänzer Tobiz in der Supertalent-Staffel 2010 gemacht, wo er unter die Top 3 gekommen ist. Von diesem Kaliber gibt es aber noch viel mehr Hörgeschädigte in Deutschland. Bieten wir ihnen gemeinsam eine Chance, holen wir Hörgeschädigte aus ihrer Isolation in der Gesellschaft und machen in Verbindung damit Hörende auf die Probleme hörgeschädigter Menschen aufmerksam.“

Hauptsponsor war das Andel’s Hotel in Berlin.

Zum Themenschwerpunkt Gehörlose Menschen

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4 Kommentare

  • Lukas

    Eine sehr schöne Frau!

    27. Dezember 2011 at 19:05
  • Maxi

    Die Frau könnte doch an jedem normalen Schönheitswettbewerb teilnehmen!

    27. Dezember 2011 at 19:19
  • Nele

    Schon erstaunlich was Journalisten als neueste Nachricht präsentieren

    27. Dezember 2011 at 19:24
  • Arnd

    Süße Frau

    1. Januar 2012 at 19:54

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