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Wie kriegt man den Mittelstand dazu, behinderte Fachkräfte einzustellen?

Vorkämpferin Susan Scott-Parker

Firmen sollten nicht die möglichen Defizite der Bewerber sehen, sondern deren Potenziale. Dies war das Fazit einer gemeinsamen Fachtagung der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) und des British Council Deutschland bei einem Treffen in Berlin. Die ISL spricht von einer „allgemein verbreiteten Defizit-Sichtweise“

(ILS/RP) – Behinderte Menschen als wertvolle Fachkräfte? Unvorstellbar? Nein, widerspricht unter anderem Susan Scott-Parker vehement. Sie war eine der Hauptreferentinnen des Fachgesprächs „Neue Wege in Zeiten des Fachkräftemangels – Die Initiative Job-Win-Win“ am 8. Dezember in Berlin.

Über Abschaffung der Quote nachdenken

Scott-Parker ist die Gründerin und Geschäftsführerin des „Employers’ Forum on Disability“, einem britischen Arbeitgebernetzwerk. Es arbeitet bereits seit 1986 erfolgreich und hat derzeit 400 Mitglieder. Scott-Parker legte in eindrucksvoller Weise dar, wie es seit Mitte der 90er Jahre in Großbritannien zu einer Neuorientierung auf dem Arbeitsmarkt für behinderte Menschen gekommen ist. Sie sprach sich gegen eine generelle Beschäftigungsquote für Unternehmen aus, da diese eine medizinische Defizitsicht festschreibe.

Nach Abschaffung der Quote sei die Arbeitslosigkeit behinderter Menschen nicht gestiegen, vielmehr sei es durch einen Ansatz der „Guten Praxis“ zu einer geänderten Einstellung der Unternehmen gekommen. Diese seien durch Schulungen und praktische Unterstützung zu „in Behinderung kompetenten Unternehmen“ geworden.

Initiative „Job-Win-Win“

Dr. Sigrid Arnade (Foto: ISL)

Dr. Sigrid Arnade (Foto: ISL)

ISL-Geschäftsführerin Dr. Sigrid Arnade stellte anschließend „Job-Win-Win“ vor. Diese Initiative hat sich sich die Bildung eines Mentoren-Netzwerkes zur Schaffung von mehr Vielfalt in kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) zum Ziel gesetzt.

„Job-Win-Win“ wird über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mit Mitteln aus dem Ausgleichsfonds gefördert. Hintergrund der Initiative ist, dass 38.000 der 135.500 beschäftigungspflichtigen Betriebe, davon viele KMUs, derzeit keinen einzigen schwerbehinderten Menschen beschäftigen.

„Unternehmen, die bereits gute Erfahrungen mit der Einstellung behinderter Kräfte gemacht haben, sollen andere Unternehmen davon überzeugen, wie sinnvoll eine solche Personalpolitik ist“, betonte Arnade. Im Gegensatz zu Scott-Parker ist sie jedoch nicht der Ansicht, dass eine Abschaffung der Beschäftigungsquote hilfreich sei.

Behinderte Bewerber sollen selbstbewusst sein

Dr. Peter Mozet

Dr. Peter Mozet

Olaf Guttzeit (Foto: ISL)

Die Bedeutung eines Mentoren-Ansatzes wurde auch in der abschließenden Talk-Runde deutlich: Dr. Peter Mozet vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales führte aus, dass dieser Effekt am besten zu nutzen sei, wenn die entsprechenden Unternehmensprofile gut zueinander passen.

Olaf Guttzeit, Vorsitzender des UnternehmensForum, hob ebenfalls hervor, dass es wichtig sei, nicht auf angebliche Mängel der Arbeitskräfte zu schauen, die aufgrund einer Beeinträchtigung vorhanden sind, sondern die Fähigkeiten zu betonen.

Michael Heil (Foto: ISL)

Michael Heil, selbst rollstuhlnutzender Geschäftsführer von Rehability, stellte klar, dass es sich für Unternehmen rechnen müsse, behinderte Fachkräfte einzustellen. Er appellierte an behinderte BewerberInnen, sich selbstbewusst mit ihren Fähigkeiten einzubringen.

„Meiner Meinung nach ist es am sinnvollsten, in einem ersten Schritt das Sozialgesetzbuch III (SGB III) zur Arbeitsförderung zu ändern“, zog Arnade eine Bilanz der gut besuchten Veranstaltung in den Räumen des British Council am Alexanderplatz. „Denn hier wird immer noch die Grundlage dafür gelegt, dass einstellungswillige Unternehmen zunächst ausführlich die Defizite ihrer neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auflisten müssen, um einen Eingliederungszuschuss zu erhalten.“

Auf diese Weise, so Arnade, werde den Unternehmen ein falsches Bild von behinderten Beschäftigten vermittelt.

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