Wie man Menschen und Spiele gewinnt und vielleicht eines Tages ALS besiegt

Von Carlo Ancelotti bis Ronaldo: Fußball-Stars unterstützen die Ursachenforschung der bisher unheilbaren Nervenkrankheit.

Carlo Ancelotti (Foto: Juan Carlos Hidalgo/dpa)

Carlo Ancelotti (Foto: Juan Carlos Hidalgo/dpa)

„Quiet Leadership – Wie man Menschen und Spiele gewinnt“ heißt die Autobiografie von Carlo Ancelotti, die bereits im Mai erschien und die der neue Bayern-Trainer gestern in München vorstellte. Das Buch habe er vor allem für seinen verstorbenen Freund Stefano Borgonovo geschrieben, sagte Ancelotti.

Borgonovo gehört zu den tragischen Helden des Fußballs. 1989 gewann er mit dem AC Mailand den Europapokal der Landesmeister, wie die Champions League damals noch hieß. Nach dem Ende seiner Karriere erkrankte Borgonovo an Amyotropher Lateralsklerose (ALS).

ALS ist eine nach wie vor unheilbare Krankheit. Über ihre genauen Ursachen und Mechanismen ist bislang wenig bekannt. Klar ist: Die Betroffenen können sich in der Folge nicht mehr bewegen und haben Schwierigkeiten beim Schlucken, Sprechen und Atmen. Das Bewusstsein und der Intellekt bleiben aber in der Regel intakt. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre, meist an Atemlähmung. Die meisten Fälle treten spontan auf. Am häufigsten sind Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren betroffen, Männer etwas häufiger als Frauen.

Borgonovo gründete 2008 die Stiftung Stefano Borgonovo, welche die Ursachenforschung der Krankheit unterstützt. Trotz seiner schweren Behinderung schaffte Borgonovo es, seine Lebenserinnerungen mit dem Titel „Attacante nato“ (Der geborene Stürmer) zu schreiben, indem er mit seinen Augen einen Computer bediente. Am 27. Juni 2013 starb er mit 49 Jahren. Seit seinem Tod leiten seine Frau Chantal und seine älteste Tochter Alessandra die Stiftung.

Ancelotti will die Erlöse aus seiner Biografie für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS spenden – und ist nicht der einzige Fußball-Promi, der sich dafür einsetzt. Auch Vorgänger Pep Guardiola gehört zu den Unterstützern. Und der portugiesische Superstar Ronaldo erzählt: „Ich habe die Geschichte von Stefano Borgonovo durch Carlo Ancelotti kennengelernt, der ein guter Freund von ihm war. Stefano war ein großartiger Stürmer und ein echter Kämpfer – auf und neben dem Platz. Er liebte den Fußball genau so, wie er das Leben liebte. Darum habe ich beschlossen, die Borgonovo Stiftung zu unterstützen und ALS zu bekämpfen, und ich lade alle dazu ein, dasselbe zu tun.“

(RP)

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