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Wie sicher sind Einrichtungen für behinderte Menschen?

Nach dem verheerenden Brand in Titisee-Neustadt: Polizei setzt Spezialermittler ein. Feuerwehrverband fordert spezielle Sicherheitskonzepte.

Ein Leichenwagen steht in Titisee-Neustadt (Baden-Württemberg) nach dem Brand in der Caritas-Behindertenwerkstatt an der Einsatzstelle. (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Nach dem Feuer mit 14 Toten und acht Schwerverletzten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald (ROLLINGPLANET berichtete: Fassungslosigkeit über Brandkatastrophe in Titisee-Neustadt und Tote bei Feuer in Behindertenwerkstatt im Schwarzwald) hat die Polizei eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Der Großbrand ist die bislang folgenschwerste Katastrophe in einer Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die ganze Nacht über werde nach der Brandursache gesucht, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Im Einsatz seien Brandsachverständige und Spezialermittler. Wegen des Feuers und des Rauches habe es im Inneren des Gebäudes in Titisee-Neustadt große Schäden gegeben. Die Spurensuche sei daher schwierig. Auch wenn aufgrund von Zeugenaussagen über eine Explosion in einem Lagerraum mit Chemikalien für die Holzverarbeitung spekuliert wird: Ursache und Schadenshöhe seien noch unbekannt. Letzteres ist für ROLLINGPLANET allerdings aufgrund der Todesunfälle ohnehin keine wirklich wichtige Frage.

Feuerwehr bleibt über Nacht

Die Feuerwehr bleibe die Nacht am Brandort, um ein erneutes Aufflammen des Feuers zu verhindern, sagte ein Sprecher. Zudem werde sie für Aufräumarbeiten eingesetzt. Unterstützt werde die Feuerwehr dabei von Spezialisten des Technischen Hilfswerks (THW).

Das Feuer war am Montag in einer Werkstatt ausgebrochen. Für 120 Behinderte und Betreuer wurde die Werkstatt zur Falle. Unter den Opfern sind den Angaben zufolge ausschließlich Erwachsene. Die Behindertenwerkstatt, die von der Caritas betrieben wird, wurde vorläufig geschlossen. Angehörige und auch die Rettungskräfte sollen in den kommenden Tagen psychologisch betreut werden.

DFV verlangt spezielle Sicherheitskonzepte

Etwa 300 Feuerwehrleute, Sanitäter und Polizisten waren am Brandort in Titisee-Neustadt im Einsatz.

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) hat inzwischen spezielle Sicherheitskonzepte für Einrichtungen wie Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gefordert.

„Menschen mit Behinderungen haben verlängerte Reaktionszeiten und können in Gefahrsituationen unberechenbar handeln“, betonte DFV-Vizepräsident Hartmut Ziebs in einer Mitteilung. „Dem müssen vernetzte Sicherheitskonzepte Rechnung tragen“, sagte er und nannte als Beispiel das Zusammenspiel von baulichem Brandschutz, Einsatzplänen und den Abläufen in den Betrieben.

Anteilnahme von vielen Seiten

Nachdem sich bereits der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor Ort zutiefst erschüttert zeigte und die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) informierte, löste das Unglück sowohl im In- und Ausland große Anteilnahme aus, unter anderem von Bundespräsident Joachim Gauck: „Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben“, sagte Gauck am Abend. Er habe mit Kretschmann telefoniert und sein Beileid ausgedrückt, sagte Gauck.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ließ mitteilen: „Die Neuigkeiten von dem Feuer in der Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt erfüllen mich mit Kummer und Trauer“.

Bei einem Abendgottesdienst im Freiburger Münster ist am Montag der Opfer der Brandkatastrophe in einer Behinderteneinrichtung in Titisee-Neustadt gedacht worden. „Wir beten für die Opfer, ihre Angehörigen und Freunde sowie für alle Rettungskräfte. Auch den Menschen, die bei der Feuerkatastrophe verletzt wurden, gelten unsere mitfühlenden Gedanken“, sagte Erzbischof Robert Zollitsch. Auch der evangelische Landesbischof von Baden, Ulrich Fischer, zeigte sich betroffen: „Ich bete für die Opfer und ihre Angehörigen.“

„Die Caritas in Deutschland trauert“, erklärte der Präsident des Deutschen Caritasverband, Peter Neher in einer Stellungnahme. Die Mitarbeitenden in den vielen Einrichtungen und Diensten der Caritas seien in Gedanken bei den Verstorbenen und ihren Angehörigen.

(dpa/dapd)


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