Wie viel Medizin überlebt der Mensch?

Wenn Rumdoktorei zur lebensumfassenden Geschäftsidee wird: Buchautor Loewit plädiert für Patientengespräche statt Gehirnwäsche durch Pharmakonzerne.

Günther Loewit, Buchautor und Arzt

„Die moderne Medizin rettet und tötet gleichzeitig so viele Menschen wie noch nie“, sagt Günther Loewit, österreichischer Arzt und Schriftsteller, anlässlich der Präsentation seines neuesten Buches „Wie viel Medizin überlebt der Mensch?“. Seine Kritik: Der lebenslange Patient werde als Geschäftsidee missbraucht. Der in Eigendefinition aber „begeisterte Schulmediziner“ plädiert für mehr Patientengespräche und weniger Gehirnwäsche durch Pharmakonzerne.

Die Medizin sei nach Ansicht Loewits zu einer Art Religion geworden, welche die Menschen verunsichere. „Kinder werden heutzutage wiederholt untersucht und fragen sich dann zu recht, ob sie überhaupt jemals gesund waren“, erregt sich der Mediziner. „Und natürlich findet jeder Arzt, der was auf sich hält, auch etwas.“ Die Menschen sollten zuerst einmal richtig leben, rät Loewit, und erst ab 40 mit Vorsorgeuntersuchungen beginnen.

Jungärzte völlig kritiklos

Jungärzte würden, so Loewit, von der Pharmaindustrie völlig kritiklos erzogen. Eine weit bessere Methode seien aber Gespräche mit den Patienten, um zu eruieren, wo die genauen Probleme liegen. „Die heutige Medizin erkennt lediglich pharmakologisch therapierbare Erkrankungen an“, findet der Arzt. Die übrigen Leiden würden den Psychologen überlassen. „Immer mehr Menschen sterben aber nicht an der Krankheit, sondern an der ihnen angetanen Therapie“, glaubt Loewit.

So sei auch Burnout eher eine Krankheit des Systems und nicht des jeweils Einzelnen. „Aber in einer Zeit, in der für Gespräche immer weniger Zeit bleibt, bekommt Krankheit als Kommunikationsmittel immer größere Bedeutung“, meint der Buchautor und fordert weniger Werbung für Nahrungsmittel. „Einst überlebte, wer am meisten zu essen bekam. Heute stirbt, wer am meisten zu essen bekommt.“ Wohlstand müsse chirurgisch behandelt werden, was in den vergangenen sechs Lebensmonaten eines Menschen so viel kostet wie die gesamte Zeit davor.

Fundamentalkritik auch aus Deutschland

Mit seiner Fundamentalkritik am Gesundheitswesen folgt Loewit bekannten Vorreitern wie Peter D’Adamo oder Ulrich Strunz. Beiden gemein sind Heilungsmethoden, die auf der Analyse des Blutes der Patienten beruhen. Während laut US-Naturmediziner D’Adamo viele Nahrungsmittel eine schädliche Lektinreaktion im Blut hervorrufen und daher zu vermeiden wären, schwört der deutsche „Laufpapst“ Strunz auf Eiweiß statt Kohlenhydrate – Frohmedizin statt Resignationsmedizin. „Wir messen und wissen dann, raten also nicht“, so Strunz.

(pte)

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