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Wie viele Rollstühle Otto Bock wirklich verkauft: Wollen die Zuhälter werden?

Fabrikgelände: Otto Bocks Rollstuhlsparte in Königsee

Das Unternehmen ist in Sachen Rollstühlen international eine kleine Nummer. Das soll sich ändern. Verkaufsrenner ist ein Produkt, das man sich in Deutschland nicht zu verkaufen traut.

In einem Gespräch mit dem Göttinger Tageblatt hat Gunter Röper, Geschäftsführer der Otto Bock Mobility Solutions in Königsee, Verkaufszahlen seines Unternehmens genannt. Der in Deutschland bekannte „Avantgarde“, ein „medizinisch-technisch optimierter Rollstuhl für aktive Fahrer“, wurde weltweit bislang 5.500 mal verkauft, „Tendenz steigend“.

„Stahlschweine“ fürs Ausland

Zahlenmäßig erfolgreicher ist man mit den sogenannten „Stahlschweinen“, reinen Transportstühle unter 200 Euro. 10.000 Stück davon werden im Jahr verkauft – in Italien oder Lateinamerika, nicht in Deutschland.

Im Rollstuhlmarkt weltweit ist die Otto Bocks Rollstuhlsparte mit 70.000 vertriebenen Rollstühlen, Kinderbuggys, Reha-Kinderwagen, Laufhilfen und E-Rollstühlen eine kleine Nummer: Der internationale Marktanteil beträgt etwa fünf Prozent.

Senioren sollen die Kassen füllen

Dennoch sind die Ziele bis zum Jahr 2020 nicht bescheiden. Auf 200 Mio. Euro (heute 83 Mio. Euro) oder 200.000 verkaufte Reha-Hilfsmittel in der Rollstuhlsparte soll der Umsatz wachsen. Um eine geplante Internationalisierungs-Strategie zu stemmen, werde man die Mitarbeiterzahl von heute 270 mehr als verdoppeln.

Für das Umsatzwachstum will man vor allem ältere Kunden gewinnen – die Strategie lautet: „Silver-Mobility“. Jeder müsse mit eingeschränkter Mobilität im Alter rechnen, so Röper. Modelle wie der Super-Four (geländegängiges Fahrzeug) und Paragolfer (E-Rollstuhl mit Aufstehhilfe beim Golfen) sollen dabei Otto Bocks Trümpfe werden.

Zuhälterei in Berlin?

In der von Firmenchef Professor Hans Georg Näder in Berlin erworbenen Bötzow Brauerei soll es künftig eine Manufaktur geben, in der Rollstühle nach Maß gebaut, „auf den Körper geschneidert“ werden. Im historischen Brauerei-Ambiente soll das Entstehen von Rollstühlen erlebbar werden. Unikate werden dort gebaut und Rollstühle aller Art veredelt. Die Devise des Unternehmens: „Pimp my chair.“ Das ist mal wieder ein Werbe-Englisch, das ROLLINGPLANET nicht versteht. So viel sei verraten: „Pimp“ heißt auf Englisch Zuhälter. Aber wahrscheinlich meint Otto Bock „to pimp“ (aufmotzen). Nehmen wir jedenfalls mal an.

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1 Kommentar

  • Sammy

    *lach*, es geht schon uns aufmotzen, abgeleitet von der MTV-Show „pimp my ride“, in der alte Autos aufgemotzt wurden…
    der „Pimp“ lief ja auch aufgemotzt rum, Goldschmuck, (frueher) Pelzmaentel etc., von seinen Autos mal abgesehen 😉
    ich pers. „pimpe“ auch meine Rollis, man muss ja nicht unnoetig behindert aussehen trotz Rollstuhl, was dabei herauskommt, ist natuerlich Geschmackssache
    btw: tolles Forum, macht ja weiter so ;D

    3. Januar 2012 at 09:51

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