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Willkommen im Café, wo „unten ohne“ serviert wird

Neuerscheinung: Arakis Fotos zeigen Tokios Amüsierlokalen in den frühen 1980ern.

4 Bilder aus dem Cafe mit leichtbekleideten Damen

Eindeutig nicht barrierefrei!

Es begann 1978 in einem Coffee-Shop in der Nähe von Kyoto: Die Kellnerinnen ließen den Slip unter ihren Miniröcken weg und trugen nur durchsichtige Strumpfhosen. Die Neuheit verbreitete sich schnell, im ganzen Land eröffneten ähnliche Etablissements. Männer standen Schlange und zahlten drei Mal so viel für ihren Kaffee, in der Hoffnung auf einen glücklichen Zufall, der die Kellnerin zum Vornüberbeugen veranlassen würde.

Eine Dame mit dem Fotografen

Eine Dame mit dem Fotografen

Nach wenigen Jahren entstand eine neue Mode: der „Massagesalon“ unten ohne. Wobei der Wettbewerb um Kunden zu immer bizarreren Dienstleistungen führte – so konnten sich Männer durch Löcher in einem Sarg befummeln lassen, während sie nackt darin lagen und sich tot stellten; andere Lokale richteten Räume für Pendlerzug-Fetischisten ein oder luden zum „Ich bin noch Jungfrau“-Rollenspiel.

Simple Geschäftsidee

Einer dieser Clubs in Tokio hieß Lucky Hole. Seine Geschäftsidee war mehr als simpel: Die Kunden standen in einem Kämmerlein vor einer Wand, auf der anderen Seite eine Hostess, und in der Wand zwischen ihnen war ein Loch, gerade groß genug für ein gewisses männliches Körperteil.

Der Fotokünstler Nobuyoshi Araki war Stammgast in den Clubs des Shinjuku-Viertels in Tokio. Er fotografierte dort ausgiebig, bis das goldene Zeitalter der japanischen Sex-Industrie durch das neue Sittengesetz im Februar 1985 ein jähes Ende fand. In über 800 frühen Araki-Bildern dokumentiert „Tokyo Lucky Hole“ (Taschen Verlag, 14 x 19,5 cm, 704 Seiten, ISBN 978-3-8365-3672-1, € 9,99) die freizügige „Jedem das Seine“-Atmosphäre dieser Epoche.

cover

Nobuyoshi Araki wurde 1940 in Tokio geboren. Im Alter von zwölf Jahren bekam er von seinem Vater eine Kamera geschenkt und ist seither der Fotografie verfallen.

Er studierte Fotografie und Film an der Chiba-Universität und machte bald darauf seine ersten kommerziellen Bilder.

1970 stellte er seine berühmten „Xeroxed Photo Albums“ her, die er in limitierter Auflage produzierte und an Freunde, Kunstkritiker und Fremde verschickte, die er willkürlich aus dem Telefonbuch aussuchte.

Mit seinen kühnen, unerschrockenen Fotos sorgte Araki immer wieder für öffentliche Empörung und Zensur, besonders in seiner japanischen Heimat. Doch weder ließ er sich davon beirren noch konnte dies seinen Einfluss schmälern. Sein imposantes Werk umfasst bereits über 350 Fotobände.

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