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Willkommen im Erdgeschoss: Wie sich Amelie Ebner mit 17 im Rollstuhl wiederfand

Die Querschnittgelähmte hat ein Buch geschrieben und beantwortet unter anderem die Frage, die wohl alle Rollstuhlfahrer kennen: Kannst du Sex haben?

Amelie Ebner (Foto: Knaur Verlag)

Amelie Ebner (Foto: Knaur Verlag)

„Vielleicht ist es jemandem aufgefallen: ich sitze im Rollstuhl. Das, weil ich mit 17 einen schweren Skiunfall (oohh) hatte und mir dabei den sechsten Halswirbel gebrochen und das Rückenmark durchtrennt habe. shit happens.“

So stellt sich Amelie Ebner, heute 24 und Jura-Studentin in München, auf ihrem Blog Zweiterfebruar vor. Darin finden sich auch herrlich sarkastische und wahre Sätze wie:

Querschnitt ist, wenn du beim waxing keine Miene verziehst

Bitte nicht. Wenn Menschen nur auf die barrierefreien Toilette gehen, um alles voll zu scheißen.

Zwei Sachen, die sich einfach nicht vertragen: Rollstuhl und Schnee.

Ich bin eine Frau, so what? Ich sitze im Rollstuhl, so what? Heißt nicht, dass ich euch nicht in den Arsch treten kann.

Ich schätze, ich darf jetzt endgültig als Behinderte bezeichnet werden. Amazon schlägt mir jetzt schon Gesundheitsschuhe vor. Diese schönen fetten mit Klett. Also sorry, echt nichts gegen Behinderte, aber man kanns auch übertreiben.

Mehr über Amelie Ebners Leben als Rollstuhlfahrerin gibt es nun als Buch, das sie gemeinsam mit dem SZ-Redakteur Matthias Kohlmaier geschrieben hat: „Willkommen im Erdgeschoss: Wie ich mich mit 17 im Rollstuhl wiederfand“ (Knaur TB, 280 Seiten, 12,99 EUR).

Ebner ist 17 Jahre alt und eine begeisterte Sportlerin: Sie reitet, tanzt und spielt Fußball. Während eines Ski-Ausflugs mit Freunden verunglückt sie schwer. Als sie im Schnee liegt, weiß sie schon, dass sie nie wieder gehen wird. Querschnittlähmung ab dem sechsten Halswirbel. In acht Monaten Krankenhaus und Reha-Zentrum muss Ebner feststellen, dass der Ski-Unfall Veränderungen in ihrem Leben mit sich bringt, die weit über das Sitzen im Rollstuhl hinausgehen. Nicht nur ihr Körper verhält sich anders, als sie gewohnt ist. Als sie endlich nach Hause kommt, wird ihr zusätzlich klar, dass alle ihre Freunde weg sind. Obwohl ihr der Alltag im Rollstuhl schwer fällt, kämpft sie sich ins Leben zurück, kämpft sich in der Schule bis zum Abi und ins Studium.

Und wenn ihr Fragen habt…

„Trotzig, wild und brutal ehrlich,“ so heißt es im Pressetext zum Buch, „erzählt Amelie Ebner in diesem berührenden Bericht über das Leben einer Jugendlichen mit Behinderung. Sie zeigt, was passiert, wenn sich mit einem Moment alles ändert und ein neues Leben beginnt. Eine bewegende Geschichte über das Erwachsenwerden einer jungen Frau mit Behinderung.“ Dazu gehört auch diese Erfahrung:

„Ich will nicht weinerlich klingen, man gewöhnt sich schließlich an alles. Naja, an fast alles, denn an die Blicke vieler Menschen werde ich mich wohl nie gewöhnen. Bitte hört auf, uns wie Aussätzige zu behandeln! Ich bin Mensch. Ich möchte so behandelt werden. Ich hab Spaß, Freunde, neue Freunde, weil die alten Freunde mich nach dem Unfall alle fallengelassen haben. Also bitte kein Mitleid. Ich braucht auch keine Sorge haben, etwas Falsches zu sagen. Wie gehts?, Geh mal her, Bleib sitzen, Du stehst auf dem Schlauch: alles Sätze, vor denen ihr keine Angst haben müsst, wir Rollstuhlfahrer nehmen das nicht persönlich.

Und wenn ihr Fragen habt, fragt bitte einfach, alles kein Thema. Um euch das etwas einfacher zu machen, beantworte ich die Top 2 der Fragen aus meinem Alltag gleich mal vorab: Ja, ich kann alleine zur Toilette gehen, jedenfalls wenn die Toilettentür breit genug ist. Und ja, Sex kann ich auch noch haben – bloß nicht mehr im Stehen.“

Wer das Buch lesen will, findet es ab heute in den Buchläden oder unter anderem bei Amazon.

(RP/PM)

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