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Wir stellen die Top-Jury von MISS ANGEL 2012 vor (2): Petra Springer

Sie entscheidet, welche Fashiontrends und Models bei „Joy“ und „Shape“ rein dürfen. ROLLINGPLANET freut sich, dass eine der einflussreichsten Modechefinnen Deutschlands unseren Wettbewerb tatkräftig unterstützt.

Petra Springer

Petra Springer in ihrem Münchner Büro

Bis zum 1. April 2012, wenn das Voting beginnt, stellen wir die Jurymitglieder unseres Modelwettbewerbs MISS ANGEL 2012 vor. Begonnen haben wir mit der wunderbaren Sängerin Joana Zimmer. Heute stellen wir mit einem großen Interview die zweite Jurorin vor: Petra Springer

Bis Ende Oktober 2012 werden ROLLINGPLANET-Nutzer ihre zehn Favoritinnen wählen – anschließend entscheidet eine mehrköpfige Jury über die Siegerin.

Joy Cover

Aktuelle Ausgabe der "Joy"

Wer ist Petra Springer? Sie lernte nach ihrem Abitur Modeillustration an den Eliteeinrichtungen der Meisterschule für Mode München und FIT New York. Sie war für internationale Fernsehproduktionsfirmen und Medienunternehmen in den USA, Brasilien und Asien tätig.

Heute arbeitet sie für einen der größten Schweizer Verlage, der weltberühmte Frauen-Bibeln wie „Cosmopolitan“ herausgibt.

In Deutschland ist Springer die am längsten amtierende Modechefin eines Magazins – und mächtig wie kaum eine andere Journalistin in ihrem Bereich: Ohne ihren Segen haben es junge Labels, Fashiontrends und Models schwer. Sie ist für mehrer Zeitschriften zuständig: „Joy“, „Shape“ und als Beraterin für neue Publikationen.

In unserem Interview mit Petra Springer sprechen wir nur kurz über behinderte Menschen – weil wir es viel spannender fanden, etwas über das „große“ Fashion- und Model-Business zu erfahren. Das dürfte auch die Kandidaten interessieren, die noch keine Erfahrungen vor der Kamera haben und denen ROLLINGPLANET einen großen Traum erfüllen möchte.

ROLLINGPLANET-Interview: “Ich wäre beinahe aus dem Bett gefallen“

Warum engagieren Sie sich bei MISS ANGEL 2012 nicht nur als Jurymitglied, sondern auch organisatorisch?

Ich finde die ROLLINGPLANET-Idee wichtig und richtig, ein soziales Thema mit Glamour zu verbinden. Anders geht das in der heutigen Mediengesellschaft auch kaum. Man sollte Engagement nicht nur fordern, sondern mit gutem Beispiel vorangehen: Ich will Ihr Projekt deshalb nicht nur mit Worten unterstützen, sondern helfe auch gerne tatkräftig dabei, wenn mit Kandidaten gesprochen werden soll oder das Siegershooting organisiert werden muss.

Was ist Ihr Bezug zu behinderten Menschen?

Als Studentin, da war ich noch Single, hatte ich eine ungewöhnlich leidenschaftliche Erfahrung mit einem Rollstuhlfahrer. Er hat mich in einer Kneipe recht eindeutig und anzüglich angesprochen, aber auf eine sehr charmante Art und Weise. Ich war zunächst verdutzt, weil ich bis dahin noch nie einem Rollstuhlfahrer privat näher gekommen war. Ich war ehrlicherweise völlig verschüchtert und habe mich gefühlt wie eine Jungfrau, weil ich dachte, was passiert, wenn der einfach aus dem Bett fällt, wie muss ich ihn anfassen, darf ich ihn überall streicheln undsoweiter.

Und ist er aus dem Bett gefallen?

(lacht). Nein, der war so stürmisch, dass eher ich aus dem Bett gefallen wäre…

Sie sind aber nicht länger zusammen geblieben?

Nein. Leider stand er dann wohl doch eher auf blonde Frauen.

Sie haben noch Kontakt?

Vor zwei Jahren haben wir uns zufällig auf dem Flughafen in München getroffen. Er war in Begleitung seiner Ehefrau, die 20 Jahre jünger als er ist. Eine sehr hübsche Blondine übrigens.

Über Models und Castings

Wechseln wir das Thema. Wie finden Sie für Ihre Zeitschriften Ihre Models?

Über Castings, die wir in unserer Bildredaktion organisieren.

Haben bei Ihnen auch Models eine Chance, die noch nie vor der Kamera standen, aber Talent mitbringen?

Auf jeden Fall – vorausgesetzt, ein Nachwuchsmodel bewirbt sich professionell mit den vollständigen Unterlagen. Also mit Portrait und Ganzkörper in Farbe, außerdem sollte es Körper- und Schuhgröße sowie das Alter angeben. Falls diese Angaben nicht komplett sind, ist die Chance gering, dass wir solch eine Bewerbung überhaupt beantworten. Falls aber der erste Eindruck gut ist, laden wir auch gern eine Anfängerin zu unseren Castings ein.

Bei MISS ANGEL 2012 gelten solche Kriterien natürlich nur bedingt – hier sollte es ja auch um den Engelfaktor der Kandidatinnen gehen. Nicht nur Aussehen entscheidet bei MISS ANGEL 2012, sondern vor allem das Engagement, wie intensiv und authentisch sich jemand als Engel präsentiert. Deswegen würde ich mich freuen, wenn die Kandidatinnen ihre Profile auf ROLLINGPLANET dazu nutzen, mit den Nutzern zu kommunizieren.

Model mit Petra Springer

Ein Model präsentiert Petra Springer sein Book – und hofft auf einen Auftrag

Wie läuft solch ein Casting in Ihrer Redaktion ab?

In der Regel dauert der Termin zwei bis vier Stunden. Nach der Begrüßung schauen wir uns zunächst das Modelbook an. Während des Gesprächs achtet der Booker darauf, welche Ausstrahlung das Model hat, ob es lachen kann und gepflegt ist. Wichtig ist auch, zu welcher der von uns geplanten Fotostrecken das Mädchen am besten passen könnte. Danach machen wir noch mal ein Portrait- und Körperbild.

In welchem Outfit sollte eine Bewerberin zu Ihrem Casting erscheinen?

Es sollte modisch bis klassisch-elegant sein. Der ganz persönliche Stil sollte jedoch noch zu erkennen sein. Höhere Schuhe sind immer empfehlenswert, allein deshalb, weil man dadurch selbstbewusster auftritt.

Nur wenige werden genommen

Unter durchschnittlich wie vielen Kanditatinnen wählen Sie Ihr Model aus?

Für ein Mode-Shooting schauen wir uns ungefähr acht bis 14 Mädchen an.

Gibt es einen Typ Model, der bei Ihnen besonders gefragt ist und sich deshalb bessere Chancen ausrechnen kann?

Models, die sich gut bewegen können sowie unterschiedliche Mimik und ein natürliches Lachen beherrschen.

Woran erkennen Sie bei einem Nachwuchsmodel, dass Sie tatsächlich die richtige Wahl getroffen haben?

Wenn es nicht nur beim Casting, sondern am Set eine offene, selbstbewusste Ausstrahlung hat. Schauspielerisches Talent ist von Vorteil, denn das Set ist die Bühne des Models.

Wie sieht solch ein schauspielerisches Talent denn aus? Welche Posen muss ein Model beherrschen?

Das hängt auch von der Moderichtung ab. Für Abendmode beispielsweise ist elegantes Posing, auch mit verführerischen Varianten, gefragt.

Bei Alltagsmode ist es besonders wichtig, dass das Mädchen eine große Bandbreite an „different faces“, also an verschiedenen Gesichtern, mitbringt.

Bei Jeansmode dagegen ist cooles, lässiges Posing, wie man es etwa von den Werbestrecken für CK Jeans kennt, unabdingbar.

Sportmode wiederum verlangt ganz andere Aspekte. Das Model sollte selbst Sport treiben, um ein gutes Körpergefühl zu entwickeln. Idealerweise praktiziert es sogar mehrere Sportarten. Dann wirken die Bewegungsabläufe – etwa bei Snowboardfotos – immer viel authentischer als bei Nichtsportlern. Für Sportmode werden meistens Models gebucht, die eine gewisse Muskulatur vorzuweisen haben – zu dünn und abgehungert fällt durch. Grundsätzlich sollte sich jedes Model schon vor dem Shooting in das geforderte Thema hineinversetzen.

Über Schönheitsideale

Das Profimodel Beata begeisterte Springer...

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...ebenso wie Marina

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Apropos abgemagert. Auf den Laufstegen und in vielen Magazinen sieht man fast nur noch flachbrüstige Models. Haben Sie bei Ihren Kandidatinnen diesbezüglich bestimmte Präferenzen?

In der Regel sind 75B oder 75C ideal – das ist nicht zu wenig und nicht zu viel. Das ist auch vorteilhaft, damit die Fashion-samples richtig sitzen. Aber wie gesagt, all diese „klassischen Kriterien“ sollten bei MISS ANGEL 2012 keine so wichtige Rolle spielen.

Oberstes Gebot für ein „Joy“-Cover ist: das Model muss ein sympathisches Lachen haben. Manche Model-Agenturen lassen ihre Mädchen auf den Sedcards grundsätzlich nicht lachen, damit es nicht zu „commercial“ erscheint. Bin ich mit solch einer Sedcard bei Ihnen aus dem Rennen?

Nein. Die meisten Bilder auf den Sedcards sind in der Regel künstlerisch gehalten und sollten die Vielfalt und Wandlungsfähigkeit eines Models aufzeigen.

Wenn wir grundsätzlich an einem Model interessiert sind, werden wir – wie auch andere Kunden – bei der Agentur spezielle Bilder nachfordern, auf denen die von uns erwarteten Posen oder Mimiken zu sehen sind.

Das werde ich auch bei MISS ANGEL 2012 machen, wenn die zehn Favoritinnen der ROLLINGPLANET-Nutzer feststehen, und die Jury dann die Siegerin bestimmt.

Falls ich mir nicht sicher sein sollte, welche Kandidatin ich aufgrund des Engelfaktors und des vorliegenden Bildmaterials bevorzuge, würde ich zum Telefon greifen und um weiteres Bildmaterial bitten.

Das gilt auch für Models mit Behinderungen, die sich als Shootingpartner/in von MISS ANGEL 2012 bewerben. Das müssen ja keine Profifotos sein, genauso wenig wie die allerwenigsten Teilnehmer von MISS ANGEL 2012 eine Sedcard haben werden. Das ist auch nicht notwendig.

Jammern und Zusammenbrechen nicht erlaubt

Was sind während einer Produktion die größten Probleme am Set?

Wie gesagt, ein Model sollte beim Shooting ohne große Anlaufzeit in eine bestimmte Rolle schlüpfen können. Es kommt leider erstaunlich häufig vor, dass ein Model nicht weiß, wie es als Akteur die vorgegebenen Motive der Modestory umsetzen soll und sich einfach nicht in die Thematik einfühlen kann. Und es gibt Models, die kein Durchhaltevermögen besitzen. Man hat ja oft Shootings unter schwierigen Bedingungen und fast immer unter enormem Zeitdruck. Wenn Sie mit einem Mädchen für eine Strandaufnahme nach Südafrika fliegen und es wegen der Hitze jammert und zusammenbricht, dann sind auch schon mal mehrere Zehntausend Euro Produktionskosten verloren. Ich achte deshalb sehr genau darauf, ob ein Model schnell arbeiten kann und belastbar ist.

Das könnte einige abschrecken, die bei MISS ANGEL 2012 mitmachen wollen…

Beim Siegershooting für MISS ANGEL 2012 wird der Rahmen für die Produktion natürlich völlig anders sein. Wir werden es mit nichtbehinderten oder behinderten Models zu tun haben, die vielleicht noch nie professionell vor einer Kamera agiert haben. Wir werden uns besonders viel Zeit nehmen, um in aller Ruhe sicherlich tolle Fotos machen zu können. Mit Philipp Nemenz hat MISS ANGEL 2012 einen fantastischen, lockeren Starfotografen gefunden, mit dem ich auch schon zusammengearbeitet habe.

Zurück zu Ihren Zeitschriften: Mit wie viel Honorar kann ein Model rechnen?

Das Honorar bei uns beträgt je nach Thema zwischen 380 und 500 Euro für einen Tag. Das sind in der Regel acht Stunden, für jede weitere Stunde Overtime zahlen wir 40 bis 50 Euro.

Andere Länder, andere Mentalitäten

Sie haben schon in Amerika, Brasilien und Asien gearbeitet. Wie unterscheidet sich in diesen Regionen die Mentalität der Menschen? Sieht die Arbeit in den dortigen Ländern anders aus?

Auch in unserem Business „swingt“ natürlich immer die Mentalität „mit rein“. Es gibt stets kulturrelevante Merkmale und Unterschiede, die man nicht unterschätzen darf. In Amerika ist das Arbeiten extrem erfolgsorientiert, da braucht man niemand zu erklären, dass guter Wille allein nicht zählt, sondern nur das Ergebnis. Gut gemeint ist eben nicht gleichbedeutend mit gut gemacht.

In Brasilien sind die Leute sehr viel teamorientierter und -fähiger. Hier lässt kaum einer den Star heraushängen oder seine Launen an anderen aus. In Asien dagegen gibt es eine hohe Lern- und Begeisterungsfähigkeit. Es ist schon toll zu sehen, wie hier die Menschen mit einfachsten Mitteln, aber großer Energie und oft sehr erfolgreich an die Aufgaben herangehen.

Diese Unterschiede gelten übrigens nicht nur im Modelbereich, sondern auch, wie Menschen ihre persönlichen Herausforderungen meistern. Ich bin immer sehr beeindruckt, wenn ich beispielsweise in Brasilien oder Asien sehe, wie behinderte Menschen ihr Leben meistern müssen, meist ohne die staatliche Unterstützung, die Betroffene in Deutschland glücklicherweise doch größtenteils bekommen.

Wie MISS ANGEL 2012-Kandidaten sein sollten

An welche Produktion erinnern Sie sich besonders gern?

Zwei meiner bisher schönsten Produktionen fanden letztes Jahr in Venedig statt. Themen waren „Wie ein Traum – sinnliche Mode mit Rüschen, Volants, fließenden Stoffen“ und „Heiße Affäre – Looks in Schwarz & Weiß mit geometrischen Prints“.

Welches Model der jüngeren Vergangenheit hat Sie besonders beeindruckt?

Das waren zwei Models, Beata und Marina. Beata kommt aus Polen, wirkte im ersten Moment sehr ruhig und unscheinbar, hat sich aber am Set als sehr professionell herausgestellt – bis in die Haarspitzen motiviert und mitdenkend. Sie hat sich schnell in die Thematik eingefühlt und wunderschöne Posen geliefert. Die werden ja oft vorgegeben vom Thema und dem Fotografen – aber Top-Models wissen einem Foto mit einer vielleicht ganz kleinen, aber entscheidenden Änderung in der Pose das gewisse Etwas zu verleihen.

Genauso beeindruckt hat mich Marina Almeida, ein brasilianisches Mädchen, das selbstständig tolle Ideen hatte, mit ihrem Körper perfekt gearbeitet hat, mit den Accessoires zu spielen wusste. Sie ist ausdrucksstark, vielseitig in Bewegung und Mimik und agierte wirklich wie eine Schauspielerin.

Wie müssen die Models sein, die Sie bei ROLLINGPLANET und MISS ANGEL 2012 beeindrucken?

Einerseits genauso, wie eben beschrieben – und andererseits vielleicht auch genau das Gegenteil: Nämlich authentisch sein.

Petra Springer, vielen Dank für dieses Interview.


[szb color=blue link=http://rollingplanet.net/miss-angel-2012-die-jury]Die Jury auf einen Blick[/szb]
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2 Kommentare

  • Christian

    Hallo Frau Springer, Sie machen einen sehr sympathischen Eindruck. Schade, dass ich Ihnen damals nicht in der Kneipe begegnet bin. Vermutlich hätte ich aber wahrscheinlich nicht den Mut gehabt Sie so direkt anzusprechen.

    19. März 2012 at 16:43
  • Pablo

    Sie sehen auch aus wie ein Engel, auch wenn Sie nicht blond sind!

    21. März 2012 at 13:06

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