Wird Alzey demnächst in Alzheimery umbenannt?

Weg frei für Deutschlands erstes Demenz-Dorf: In Alzey sollen 120 demente Menschen leben und von Pflegekräften betreut werden – falls der Investor mitmacht.

Das Vorbild in Hogewey (Pressefoto)

„Fast zu schön, um wahr zu sein“, schrieb ROLLINGPLANET über das Alzheimer-Dorf, das 2009 im niederländischen Hogewey seine ersten Bewohner begrüßte. Ein Lebensmodell, das viel Lob auslöste. Kaum sind drei Jahre vergangen, schon gibt es im innovationsfreudigen Deutschland Bestrebungen, die Idee aufzugreifen: Im rheinhessischen Alzey (18.000 Einwohner) ist der Weg frei für ein ähnliches Projekt.

Der Stadtrat habe mit großer Mehrheit entschieden, dass das vorgesehene Grundstück bis Ende 2013 für einen Investor freigehalten werde, sagte ein Sprecher der Stadt, damit dieser dort ein Demenz-Dorf nach niederländischem Vorbild errichte. Nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums wäre es bundesweit die erste Einrichtung dieser Art.

Der Investor muss aber erst noch wollen

Rund 120 demente Menschen sollen in dem Dorf leben und von Pflegekräften betreut werden. Den Plänen zufolge sollen auf rund 12.000 Quadratmetern ein- und zweigeschossige Häuser entstehen, sowie unter anderem Arzt- und Physiotherapiepraxen, ein Friseur und ein Supermarkt.

„Der Ball wurde dem Investor zugespielt“, sagte der Stadtsprecher. Ihm sei die Kaufoption für das vorgesehene Grundstück eingeräumt worden. Nun könne dieser prüfen, ob das Projekt für ihn wirtschaftlich umsetzbar sei. Zahlen müsse der Investor erst, wenn feststehe, ob er das Projekt auch umsetze. Also: Nichts wie ran an Excel und mal kalkulieren – bis Ende 2013 sollte das gelingen. Und Fördergelder wird der Investor doch sicherlich auch kriegen, glaubt ROLLINGPLANET.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

3 Kommentare

  • gast

    Demenz ist ein Riesengeschäft, die Diagnosen sind äußerst fragwürdig und werden oft mißbraucht (z.B. um an Pflege-Zuschüsse oder ans Erbe zu kommen). Jeder Hausarzt schreibt einen Zweizeiler,wenn Angehörige oder Pflegepersonal es brauchen. Wer den Stempel erst mal hat, hat kaum noch etwas mitzubestimmen. Wer sogenannte „Dementenstationen“ in Altersheimen kennt, weiß daß die Realität anders ist, als Bücher über prominente Eltern à la Jens u.ä. Der Trend, sogenannte Demenzkranke in Ghettos abzuschieben, ist gefährlich u. widerspricht dem Inklusionsgedanken der Behindertenrechtskonvention. Was daran lobenswert sein soll, ist schleierhaft. Es ist eine neue Geschäftsform, weiter nichts.

    5. Juli 2012 at 00:39
  • Prescher

    Was ist denn das für eine schwachsinnige Bemerkung?

    4. Juli 2012 at 11:02
  • gast

    Ob „die Dementen“ das auch wollen? Warum nicht gleich Reservate mit Fotosafari oder Konzentrationslager? Manchmal fragt man sich, ob die Forderung nach mehr Mitwirkung Lernbehinderter in der Politik nicht schon lange erfüllt ist. Hatten wir nicht schon mal Ghettos?

    4. Juli 2012 at 02:46

KOMMENTAR SCHREIBEN