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Wird ein Behinderten-Diskriminierer Jögi Löws neuer Assistenztrainer der Fußball-Nationalmannschaft?

Ausgerechnet Frank Wormuth gehört zu den Kandidaten auf die Nachfolge von Hansi Flick.

Frank Wormuth ist DFB-Chefausbilder und trainiert die U20

Frank Wormuth ist DFB-Chefausbilder und trainiert die U20 (Foto: Thomas Eisenhuth/dpa)

Wer wird Jögi Löws neuer Assistenztrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft? Ausgerechnet Frank Wormuth (53) gilt laut einem Bericht der „Bild“ neben Thomas Tuchel (flüchtete von Mainz), Thomas Schneider (floppte beim VfB Stuttgart) und Markus Sorg (scheiterte als Cheftrainer in Freiburg) zu den vier heißesten Kandidaten auf die Nachfolge von Hansi Flick, der DFB-Sportdirektor wird. Wormuth war schon einmal Löws Hilfskraft, und zwar 1998/99 bei Fenerbahce Istanbul.

ROLLINGPLANET zieht jetzt vorsorglich die rote Karte, bevor es heißt, niemand habe gewarnt: Wormuth? Genau der. Der DFB-Chefausbilder beleidigte den behinderten Teilnehmer Mohamad Yassine im Oktober 2012 bei einem Trainerlehrgang des Deutschen Fußball-Bundes mit einem Satz, der „für Entsetzen“ („Spiegel Online“) sorgte: „Du bist nur hier, weil Zwanziger keine Eier hat und einen Behindertenplatz geschaffen hat.“

„Er hat mir meine Würde genommen“

Dem 48-jährigen Libanesen waren als Zwölfjähriger nach einem Unfall beide Unterarme amputiert worden. Seit 2006 versucht Yassine, einen Ausbildungsplatz zum Lizenztrainer zu erhalten. 2009 wandte er sich schriftlich an den damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger. Dieser bescheinigte ihm, dass „ethnische Zugehörigkeit und körperliche Behinderungen keine Zulassungsbarrieren“ seien. Per Anwalt sicherte sich Yassine – ohne Eignungstest – als erster Behinderter einen Platz im Lehrgang 2012/2013. Bei der Abschlussprüfung fiel Yassine in Theorie und Praxis sowie in der Nachprüfung durch.

Nachdem im Januar dieses Jahres Wormuths verbale Entgleisung bekannt geworden war, räumte dieser ein: „Ich hätte diesen Satz nicht in dieser Fußballersprache formulieren dürfen. Da hab ich mich im Ton vergriffen, das tut mir leid.“ Yassine nahm die Entschuldigung nicht an: „Er hat mich ein Jahr gemobbt. Er hat mich diskriminiert, mir meine Würde genommen…Er hat mir übel genommen, dass ich es gegen seinen Willen in den Kurs geschafft habe. Er wollte mich von Anfang an da raus haben.“

Diametral abgekippter DFB-Chefausbilder

Inhaltliche Unterstützung bekam Yassine von Rüdiger Böhm, der seit einem Unfall im Jahr 1997 beidbeinig amputiert ist und trotzdem seit 2006 im Besitz der höchsten Stufe der Trainerscheine, der Uefa-Pro-Lizenz, ist. Der ehemaliger Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim Karlsruher SC und derzeitige U21-Trainer in der Schweiz sagte in einem Gespräch mit „Spiegel Online“: „Die Aussagen von Wormuth gehen in meinen Augen gar nicht. Wer es schafft, bei so einem einfachen Spiel wie Fußball von einer ,diametral abkippenden Sechs‘ zu reden, dem darf so etwas nicht passieren.“

Böhm weiter: „In der Politik mussten schon Leute wegen weniger zurücktreten. Zudem würde mich einmal interessieren, ob Herr Wormuth solch einen Satz auch zu einem gestandenen Trainerkollegen sagen würde, der durch einen tragischen Schicksalsschlag eine körperliche Behinderung erleidet.“

Wormuths Anspielung mit dem „Behindertenplatz“ findet Böhm deplatziert: „Ich halte die Behindertenquote für sehr fragwürdig. Ich weiß natürlich, was Herr Zwanziger bezwecken wollte, aber die Behindertenquote suggeriert, dass man als körperlich eingeschränkter Trainer weniger kann als andere. Sie stellt die Behinderung wieder einmal in den Fokus, viel mehr sollte aber die Qualität als Trainer und im Umgang mit Menschen im Vordergrund stehen. (…) Ich muss leider selber sagen, dass man als behinderter Trainer auf dem höchsten Niveau keine Chance hat, aber nur, weil die Gesellschaft noch nicht so weit ist. Das kann derzeit ja noch kein Verein in der Öffentlichkeit verkaufen.“

Erst Bewährung und dann Co-Nationaltrainer?

DFB-Generalsekretär Helmunt Sandrock hatte im Januar erklärt, dass sein Fußballtrainer-Ausbildungschef nun auf Bewährung arbeite: „Nachdem uns der Vorgang bekannt wurde, habe ich ein Gespräch mit Frank Wormuth geführt und ihm deutlich gemacht, dass ein solcher Satz absolut inakzeptabel ist und im Wiederholungsfall klare Konsequenzen nach sich ziehen würde.“ Und falls es keinen Widerholungsfall gibt, ist die klare Konsequenz, dass Wormuth aus der Bewährung heraus zum neuen Co-Nationaltrainer befördert wird? fragt sich ROLLINGPLANET und plädiert für: Ralf Bockstedte.

(RP)

Entwarnung: Wormuth sagt ab

 

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