Wird ein Behindertensprecher Österreichs neuer Bundespräsident?

Norbert Hofer hat seit einem schweren Paraglider-Unfall ein inkomplettes Querschnittsyndrom.

Am 24. April wählen die Österreicher ihren neuen Bundespräsidenten, der Nachfolger des seit 2004 amtierenden Heinz Fischer wird. Keiner der drei aussichtsreichsten Kandidaten stammt aus den Volksparteien SPÖ und ÖVP – und einer engagiert sich seit einem schweren Unfall in der Behindertenpolitik: Norbert Hofer.

Grün, Blau oder unabhängig – ROLLINGPLANET nennt die drei wichtigsten Bewerber um das höchste Amt:

Alexander van der Bellen

Alexander van der Bellen
Der 72-jährige Wirtschaftsprofessor stieg erst nach seiner Karriere an der Universität in die Politik ein. Mit seinem ruhigen, sachlichen Auftreten punktet der gebürtige Wiener, der in Tirol aufgewachsen ist, weit über die grüne Kernwählerschaft hinaus. Der passionierte Raucher war bis 2008 elf Jahre lang Chef der Grünen. Bei der Wahl tritt er als Unabhängiger mit starker Unterstützung der Grünen an, was seine Gegner als „Etikettenschwindel“ kritisieren. Der Vater zweier Söhne hat kurz vor Bekanntgabe seiner Kandidatur seine zweite Frau geheiratet.

Norbert Hofer

Norbert Hofer
Der 45-jährige ist gelernter Flugzeugtechniker und seit mehr als 20 Jahren in der rechten FPÖ, die seit Jörg Haider weit über die Grenzen hinaus bekannt ist. Von der Regionalpolitik in seiner Heimat Burgenland schaffte er es in den Nationalrat bis zum stellvertretenden Parlamentspräsidenten. Er gilt als das „freundliche Gesicht“ der FPÖ, deren Behinderten- und Pflegesprecher er ist. Aufregung um markige Sprüche gab es im Vergleich zu vielen seiner Parteikollegen nie. Trotzdem ist er maßgeblich für das als fremdenfeindlich geltende Programm zuständig. Hofer hat mit seiner Frau vier Kinder.

Im Jahr 2003 stürzte Hofer mit dem Paraglider in Stubenberg am See ab und zog sich schwere Wirbelsäulenverletzungen zu. Diese Verletzung führte bei ihm zu einem inkompletten Querschnittsyndrom. Seither ist er auf einen Gehstock angewiesen. Er selbst sagt dazu: „Beeinflusst durch meinen schweren Unfall engagiere ich mich stark in der Behindertenpolitik und bin Mitglied des Bundesbehindertenbeirates und des Österreichischen Rates für Freiwilligenarbeit.“ Da passt doch sein Werbeslogan: „Aufstehen für Österreich“!

Irmgard Griss

Irmgard Griss
Die 69-jährige Topjuristin steigt als unabhängige Kandidatin in den Ring. Ihren Wahlkampf finanziert sich die Steirerin ausschließlich durch Spenden, die sie alle offenlegt. Sie steht für eine politische Alternative außerhalb des als verfilzt angesehenen Parteienapparats. Respekt bei allen Fraktionen bekam Griss 2014 mit ihrem kritischen Untersuchungsbericht zur Kärntner Skandalbank Hypo Alpe Adria. Die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes ist eine Freundin klarer und präziser Formulierungen. Damit wirkt sie aber auch etwas abgehoben. Griss ist verheiratet und Mutter zweier Söhne.

(RP/mit Materialien von dpa)

So ist die Wahl ausgegangen
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