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Wissenschaftliches Stiefkind: Wie Menschen mit Behinderung sich individuell weiterentwickeln können

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) fordert mehr Empowerment-Forschung.

Barbara Vieweg, stellvertretende ISL-Geschäftsführerin  (Foto: ISL e.V.)

Barbara Vieweg, stellvertretende ISL-Geschäftsführerin (Foto: ISL e.V.)

Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat die Dokumentation ihrer Empowerment-Fachtagung veröffentlicht. Unter „Empowerment“ ist eine „Ermächtigung“ oder „Befähigung“ zu verstehen, die eigenen Stärken wieder zu entdecken und das Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

„Für viele Menschen mit Behinderungen steht Empowerment am Beginn einer individuellen Weiterentwicklung” betont die stellvertretende ISL-Geschäftsführerin Barbara Vieweg, die die Tagung organisiert und die Dokumentation zusammengestellt hat. „Im Kreis einer gleich betroffenen Gruppe erfahren behinderte Menschen dabei eine Unterstützung, wie sie im Verlauf der Behinderung oder chronischen Erkrankung verschüttet gegangene Ressourcen wieder neu entdecken können.”

Bisher kein Austausch

Bisher, so Vieweg, sei der Empowerment-Ansatz zwar auf unterschiedlichen Ebenen verfolgt worden, es habe aber kein Austausch stattgefunden. Diese unterschiedlichen Erfahrungen wurden auf der Fachkonferenz diskutiert. Damit war es erstmals möglich, sie in Beziehung zu einander zu setzen „und so neue wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Empowerment-Konzeptes zu ermöglichen. Durch diese Impulse konnte vor allem der Stellenwert bei der Weiterentwicklung von Selbsthilfe und Selbstvertretung klarer bestimmt werden.“

In der Dokumentation der Fachtagung wird zunächst ein Überblick zum Stand der Empowermentforschung gegeben. Danach befassen sich weitere Beiträge mit praktischen Erfahrungen von Empowerment-Trainings, zum Beispiel in Brandenburg, dem neuen Begriff „Ableism“ (Anm.d.Red.: hat mehrere Bedeutungen – Beurteilung von Körper und Geist anhand von Fähigkeiten, eine Form von Diskriminierung oder gesellschaftlicher Vorurteile gegen Menschen mit Behinderungen) und der Einordnung von Empowerment in die UN-Behindertenrechtskonvention.

“Mehr Forschung und Experten erforderlich“

Die Dokumentation benennt ferner zentrale Forderungen aus der abschließenden Diskussion: „Generell ist mehr Forschung und mehr Einbeziehung behinderter Expertinnen und Experten erforderlich”, so Vieweg. „Wir wissen noch viel zu wenig darüber, wie der Peer-Faktor genau wirkt und was man bei Trainings verbessern kann.” Außerdem seien mehr Trainingsangebote auf Grundlage erprobter Lehrpläne sowie eine verstärkte Ausbildung von TrainerInnen erforderlich.

Die Fachtagung „Zur Rolle des Empowerment-Ansatzes bei der Weiterentwicklung von Selbsthilfe und Selbstvertretung“ fand im Oktober 2012 in Berlin statt und wurde von der AOK gefördert. Die vollständige Dokumentation finden Sie in der eBibliothek der ISL.

(PM)

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