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WM der Sportschützen mit Behinderung: Fünf Team-Medaillen, aber nur ein Rio-Ticket

Heute sind in Suhl die neuntägigen Wettkämpfe zu Ende gegangen. Von Uwe Jentzsch

Jüngste und erfolgreichste deutsche Schützin: Natascha Hiltrop (Foto: DFB)

Jüngste und erfolgreichste deutsche Schützin: Natascha Hiltrop (Foto: DFB)

Zum WM-Abschluss der Sportschützen mit Behinderung in Suhl gab’s die einzige Einzelmedaille für das deutsche Team. Der 44 Jahre alte Frank Heitmeyer aus Bad Essen-Brockhausen wurde Zweiter im Luftpistolen-Wettkampf auf Klappscheiben, der nicht zum paralympischen Programm gehört. In den zwölf Disziplinen, die auch in zwei Jahren bei den Spielen der Behinderten in Rio de Janeiro ausgetragen werden, holten die deutschen Gewehr-Spezialisten fünfmal Edelmetall in den Mannschafts-Entscheidungen, dreimal Silber und zweimal Bronze.

Erfolgreichste des deutschen Aufgebots war mit Natascha Hiltrop die Jüngste. Die 22-Jährige aus dem hessischen Heringen/Werra gehörte viermal zu den Medaillen-Trios, eroberte zudem den einzigen Quotenplatz für Rio. Im Dreistellungskampf-Finale mit dem KK-Gewehr lag sie lange auf Medaillenkurs, rutschte erst durch einige Unkonzentriertheiten auf den fünften Platz ab. „Ich bin aber trotzdem zufrieden mit meiner zweiten WM“, sagte Hiltrop, die als „Gesicht der WM“ von unzähligen Plakaten gelächelt hat und so ungewohnten zusätzlichen Druck zu verkraften hatte. „Sie kann in Rio ganz weit vorn einkommen“, schätzte Cheftrainer Rudi Krenn ein.

Mit den fünf Mannschafts-Plaketten haben die deutsche Starter nachgewiesen, dass sie zur Weltelite gehören. Allerdings blieben sie ohne Einzelmedaille in den zwölf paralympischen Disziplinen und konnten sich nur einen statt der erhofften sechs von den 63 in Suhl vergebenen Startplätzen für die Paralympics sichern. „Uns fehlt noch das letzte halbe Prozent. Wir müssen einen Tick abgebrühter und präziser werden“, stellte der 55-jährige Diplomtrainer Krenn fest.

„Wir wissen, was wir zu tun haben“

Obwohl sich die deutsche Mannschaft mit fünf sehr guten Trainings-Lehrgängen auf dem Friedberg auf die WM vorbereitet hat, würden etliche andere Nationen noch professioneller trainieren und wettkampfhärter sein. „Wir wissen, was wir auf dem Weg nach Rio zu tun haben. Wir brauchen mehr Wettkämpfe auf hohem Niveau“, sagte Krenn. Im kommenden Jahr werden bei drei Weltcups in Amerika, Australien und Europa noch 81 Tickets für Rio de Janeiro vergeben. „Da müssen wir nun weitere Startplätze erkämpfen“, gab Krenn als Aufgabe für 2015 aus.

Erfolgreichstes Land der Weltmeisterschaften, die mit 267 Startern aus 54 Nationen so viele Behinderten-Sportschützen wie niemals zuvor in der WM-Geschichte auf dem Friedberg vereinte, war Korea. Die Asiaten gewannen in den zwölf paralympischen Entscheidungen drei Titel, zwei Silber- und vier Bronzemedaillen. Dahinter rangiert Schweden (3/1/0). Insgesamt gingen die Podestplätze an 17 Länder.

(dpa)

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