„Wunderlicht“: Hollywood verfilmt Brian Selznicks Kinderbuch über zwei gehörlose Kinder

„Bezaubernd gute“ Geschichte: Oscar-Preisträgerin Julianne Moore wird eine der Hauptrollen spielen.

Für ihre Darstellung einer an Alzheimer erkrankten Frau in dem Filmdrama „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ (2014) wurde Julianne Moore unter anderem mit einem Oscar als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. (Foto: Paul Buck/dpa)

Für ihre Darstellung einer an Alzheimer erkrankten Frau in dem Filmdrama „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ (2014) wurde Julianne Moore unter anderem mit einem Oscar als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. (Foto: Paul Buck/dpa)

Oscar-Preisträgerin und dreifache Golden Globe Award-Gewinnerin Julianne Moore (54, „Still Alice“) will erneut mit Todd Haynes (54) zusammenarbeiten. Bereits 2003 trat sie für den amerikanischen Regisseur in dem Gesellschaftsdrama „Dem Himmel so fern“ vor die Kamera und holte damals eine Oscar-Nominierung als beste Darstellerin.

Wie der „Hollywood Reporter“ berichtet, geht es nun um das Projekt „Wonderstruck“ nach einem Kinderbuch von US-Autor Brian Selznick (49). In Deutschland ist es vor drei Jahren mit dem Titel „Wunderlicht“ im Cbj-Verlag erschienen (640 Seiten, 19,90 Euro). Es erzählt die verwobene Geschichte von zwei gehörlosen Kindern aus den Jahren 1927 und 1977:

Ben lebt im Jahre 1977 in Minnesota, bis er nach dem mysteriösen Tod seiner Mutter eine Nachricht entdeckt und nach New York wegläuft. Fünfzig Jahre zuvor ist die kleine Rosie in einem Haus in New Jersey eingesperrt, doch um ihr Idol, die Schauspielerin Lillian Mayhew kennenzulernen, flieht auch sie nach New York.

Als „bezaubernd gut“ empfahl „Bild am Sonntag“ das Buch. Und die Kritikerin Lena Bopp lobte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“:

Wunderlicht

Wie es gelingt, diese beiden zeitlich versetzten Erzählstränge zu einer glaubhaften Geschichte zusammenzuführen, das ist folglich die eine, nicht geringzuschätzende Leistung von Brian Selznick. Die andere, noch größere, aber liegt in der Art, wie er die Lebensreisen der Kinder zwar getrennt erzählt, sie aber doch von Anfang an miteinander kommunizieren lässt. Er widmet sich abwechselnd dem Jungen und dem Mädchen, wobei er die Mittel der Darstellung immer wechselt: Bens Geschichte erzählt Selznick in Worten, Roses Geschichte aber ausschließlich in Bildern, mithin in einem Medium, das dem Kind selbst zur Verfügung steht. Sehr oft lässt sich dabei beobachten, wie die in schwarz-weißer Schraffur gehaltenen Zeichnungen, die sich meist großzügig über zwei Seiten erstrecken, nicht nur von Rose berichten, sondern gleichzeitig als Illustrierung dessen fungieren, was wir zuvor über Ben gelesen haben. Und das gilt auch umgekehrt: Auch Bens Geschichte liest sich zuweilen wie eine Beschreibung der Bilder, die man bereits gesehen hat.

In diesem ausgezeichnet ausbalancierten Wechselspiel zwischen Text und Bild liegt der größte Reiz dieses Buches. Selznick zeigt hier einen Mut zur Irreführung seiner Leser, mit dessen Hilfe eine feine, vom inhaltlichen Verlauf der Geschichten völlig unabhängige Spannung entsteht. Dass er die Grenze zur Unverständlichkeit dabei nie überschreitet, ist das eine. Dass er damit ein mehr als sechshundert Seiten umfassendes Werk geschaffen hat, in dem nicht nur Kinder immer wieder staunend vor- und zurückblättern dürften, das andere.

Selznick schrieb zuvor das Buch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ (2008), es war die Vorlage für Martin Scorseses Film „Hugo“. Selznick, geboren 1966 in New Jersey, ist ein vielfach preisgekrönter Illustrator und New York Times Bestsellerautor. Er arbeitete nach seinem Designstudium als Dekorateur in einer Kinderbuchhandlung und fand hier die Inspiration, um selbst zu Zeichenstift und Feder zu greifen. Er lebt in New York und San Diego.

Noch ist nicht bekannt, welche Rolle Moore, die als nächstes im letzten Teil der „Tribute von Panem“-Saga auf der Leinwand zu sehen sein wird, in „Wunderlicht“ übernehmen wird. Die US-amerikanisch-britische Schauspielerin ging übrigens drei Jahre in Frankfurt zur Schule. Ihr Vater war Militärrichter der in der hessischen Metropole stationierten US-Soldaten.

(RP/mit Materialien von dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN