""

Yardım! Hilfe!

Den Hausnotruf für Ältere und Behinderte gibt es in Deutschland jetzt auch auf Türkisch. Das Angebot ist drei Monate in Frankfurt am Main getestet worden – andere Regionen haben auch schon Interesse. Von Ira Schaible

Hatice Özdemir schaut sich eine Broschüre des Hausnotrufs Deutschland an. (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Hatice Özdemir lebt seit mehr als 40 Jahren in Deutschland und kann sich einigermaßen auf Deutsch verständigen. Aber im Notfall? Sie kennt viele Türken in Frankfurt, die gar kein Deutsch sprechen. Mit dem Hausnotruf auf Türkisch fühlt sie sich in ihrer Wohnung viel sicherer. Der 70-jährige Mustafa Agcadag freut sich ebenfalls, dass er jetzt im Notfall über ein Rufgerät genau schildern kann, wo sein Problem liegt – und er sich so ohne Sprachbarriere passender Hilfe gewiss sein kann.

Özdemir und Agcadag gehören zu den 50 Haushalten türkischsprechender Menschen in Frankfurt, die bei dem Modellprojekt mitgemacht haben. Jetzt soll das Angebot ausgebaut werden: Aus Berlin und dem Ruhrgebiet gebe es bereits Interesse, berichtet der Geschäftsführer des Frankfurter Verbandes für Alten- und Behindertenhilfe, Frédéric Lauscher, am Freitag. Das Potenzial ist groß: Von den rund 1,6 Millionen Türken in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt etwa 194.000 über 65 Jahre alt. Der Verband bietet bundesweit derzeit rund 25 000 Hausnotrufanschlüsse an.

Auch soziale Notrufe kommen an

Wenn es in der Frankfurter Zentrale auf dem Bildschirm in der Farbe Lila blinkt, geht zum Beispiel der 30-Jährige Ferhat Yilmaz dran. Die Farbe verrät den Mitarbeitern in der Zentrale, dass ein türkisch sprechender Mensch Hilfe braucht. Dann geht die Hilfskette los: Je nachdem, was passiert ist, werden ein Rettungswagen oder die Feuerwehr gerufen oder Mitarbeiter des Verbands in die Wohnung des Hilferufenden geschickt.

„Die meisten Notrufe kommen, weil jemand gestürzt ist“, berichtet die Leiterin des Hausnotrufs, Mehtap Duru. Manchmal melden sich aber auch Nachbarn und Verwandte, weil sie sich Sorgen machen. „Die echten Notrufe sind nur ein Bruchteil“, ergänzt Lauscher. Oft kämen auch „soziale Rufe zu Fragen, die allein stehende ältere Menschen nicht mehr so einfach lösen können“.

Sprachprobleme sind fatal bei Notsituationen

„Alle Bürger wollen möglichst lange zu Hause wohnen bleiben“, sagt Frankfurts Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die zugleich Vorsitzende des Verbands ist. Von den rund 110.000 Frankfurtern über 65 Jahren hätten etwa 15.000 keinen deutschen Pass. Dazu kämen viele Eingebürgerte mit ausländischen Wurzeln. Ältere Zuwanderer beherrschten die deutsche Sprache oft nicht so gut, gerade in Notsituationen könne es große Sprachprobleme geben. Der Frankfurter Verband helfe mit seinem neuen Angebot nun zunächst der größten Migrantengruppe, diese Barrieren zu überwinden.

Agcadag hat den Notruf in der Testphase schon einmal gebraucht: Der Rauchmelder ging los, weil etwas angebrannt war. Özdemir ist der Rauchmelder auch wichtig: „Falls ich mal was auf dem Herd vergessen sollte.“ Das ganze System sei für sie ohnehin die Voraussetzung, weiter eigenständig leben zu können. „Und mein Sohn ist auch beruhigt.“

Webseite: Hausnotruf des Frankfurter Verbands

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Willi Schroeder

    Im Grunde genommen eine gute Idee, aber wer vierzig Jahre lang in Deutschland lebt und sich immer noch nicht verständlich ausdrücken kann, hat hier nichts verloren … Dann hat das auch nichts mehr mit Integration zu tun sondern mit Staubzucker hinten rein blasen ..

    17. November 2012 at 00:21

KOMMENTAR SCHREIBEN