Zahl der Geschlechtsumwandlungen hat sich verdreißigfacht

Ein Blick nach England: Bis zu vier Jahre Wartezeit – ein oftmals lebensgefährlicher Umstand.

Der Begriff Transgender  setzt sich aus dem lateinischen „trans“ (jenseitig, darüber hinaus) und dem englischen „gender“ („soziales Geschlecht“) zusammen. (Foto: Shutterstock)

Der Begriff Transgender setzt sich aus dem lateinischen „trans“ (jenseitig, darüber hinaus) und dem englischen „gender“ („soziales Geschlecht“) zusammen. (Foto: Shutterstock)

Britische Kliniken für Geschlechtsumwandlungen sind dem massiven Ansturm der vergangenen zehn Jahre nicht mehr gewachsen und müssen Patienten mit Wartezeiten von bis zu vier Jahren vertrösten. Damit gefährden sie laut einem Bericht des britischen „Guardian“ Menschenleben.

Hormone aus dem Web

Alle 14 auf Geschlechtsumwandlungen spezialisierten Kliniken in Großbritannien vermerken einen signifikanten Anstieg der ärztlichen Überweisungen innerhalb der vergangenen zehn Jahre. In der Tavistock Clinic in London hat sich die Zahl der Patienten innerhalb eines einzigen Jahres verdoppelt. Eine Klinik in Nottingham verzeichnete sogar einen 28-fachen Anstieg seit 2008.

Laut Experten gibt es noch lange keine Anzeichen für einen Rückgang. „Die langen Wartezeiten sind gefährlich, denn durch den Mangel an Betreuung verschärfen sich bei Patienten Depressionen“, erklärt Louie Stafford von der LGBT Foundation. Andere bestellen sich in ihrer Verzweiflung fragwürdige Hormontherapien aus dem Internet, während sie noch auf der Warteliste einer Klinik stehen.

Ausbau dringend notwendig

Heute vergehen im schlechtesten Fall bis zu vier Jahre nach einem ersten Termin und die Tendenz ist sogar steigend, denn die britischen Kliniken sind mit den rasant wachsenden Anfragen völlig überlastet. „Die Menschen sind drei Jahre lang völlig auf sich allein gestellt und werden mit Problematiken konfrontiert, die potenziell lebensgefährlich sind“, resümiert Stafford. Ein umfassender Ausbau des Gesundheitssektors in diesem Bereich müsse stattfinden.

Transgender oder transidente Menschen – so die bevorzugte Bezeichnung vieler Selbsthilfevereine – nehmen ihre Geschlechtsidentität anders wahr, als sie im Pass steht und ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde. Es sind Menschen, die das Gefühl haben, im falschen Körper zur Welt gekommen zu sein. Sie können sich nicht mit ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen identifizieren. Wie viele Transgender in Deutschland leben, dazu gibt es keine genauen Zahlen. Patricia Metzer von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) schätzt, dass zwischen 20.000 und 80.000 Menschen in Deutschland transsexuell sind.

(RP/pte)

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