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ZDF-Reihe „37°“: Das zweite Leben des Samuel Koch

Filmemacherin Doro Plutte begleitete ihn ein Jahr lang mit der Kamera. ROLLINGPLANET zeigt vorab die besten Bilder.

Bei der Ergotherapie – Samuel Koch führt selbstständig einen Becher zum Mund

Bei der Ergotherapie – Samuel Koch führt selbstständig einen Becher zum Mund

Bei der Ergotherapie: Koch trainiert Motorik und Sensorik

Bei der Ergotherapie: Koch trainiert Motorik und Sensorik

In der Kneipe, in der sich der Student oft mit Freunden trifft.

In der Kneipe, in der sich der Student oft mit Freunden trifft.

Bei seinem ersten Gleitschirm-Flug.

Bei seinem ersten Gleitschirm-Flug.

Gleitschirmflug – der große Traum geht in Erfüllung.

Gleitschirmflug – der große Traum geht in Erfüllung.

Ausruf nach der Landung: "Ich bin ganz selig!"

Ausruf nach der Landung: „Ich bin ganz selig!“

Samuel Koch sitzt oft auf einem Spielplatz neben dem Haus, in dem er wohnt. Mit Kindern zu toben,  vermisst er sehr, wie er in dem Film berichtet.

Samuel Koch sitzt oft auf einem Spielplatz neben dem Haus, in dem er wohnt. Mit Kindern zu toben, vermisst er sehr, wie er in dem Film berichtet.

Alle Fotos: ZDF/Lutz Brée und Enrico Mock (Gleitschirmflug)

„Das zweite Leben“ ist kein besonders origineller Titel, wenn es um Menschen mit Behinderung geht. Viele von uns haben das auch. Was ein Grund sein mag, dass Samuel Koch (26), prominent und im Rampenlicht, von einer bestimmten Seite – von Menschen mit Behinderung – nicht selten Häme („was interessiert der uns?“) bekommt. Möglicherweise auch, weil viele annehmen, dass Koch in Geld schwimmt und ein Behindertenleben de luxe führt. Ein hässlicher Irrtum (siehe Kasten unten).

Seit fast drei Jahren und einem vierfachen Genickbruch bei dem „Wetten, dass…-“-Unfall ist Samuel Koch vom Hals abwärts gelähmt und Deutschlands bekanntester Rollstuhlfahrer. Für die „37°“-Dokumentation hat ihn Autorin Doro Plutte ein Jahr lang begleitet. Der Film zeigt seinen Kampf um Normalität und das Leben hinter den Kulissen – inklusive den Zeiten des Alleinseins.

Doro Plutte (Foto: Katja Kuhl)

Doro Plutte (Foto: Katja Kuhl)

Plutte ist Moderatorin, Romanschriftstellerin („Im System“) und Trainerin. Bekannt wurde sie vor allem als als Moderatorin beim ZDF („sonntags – TV für’s Leben“, „37°plus“, „Die Mutmacher“) und bei Hit-Radio ANTENNE 1. Für die 33-jährige Wahl-Mainzerin ist die Samuel-Koch-Doku der erste Beitrag für die Reihe „37°“.

Sein Wille geschehe – ohne Hilfe geht es nicht

Aus dem leidenschaftlichen Sportler Koch wurde ein fast bewegungsunfähiger Mann. „Wenn ich verbalisiere und kommuniziere, was ich möchte, können andere für mich meine selbstbestimmten Wünsche ausführen“, so der Niedersachse. „Aber in der Ausführung selbst bin ich aktuell machtlos.“

Bei allen Einschränkungen und obwohl alles viel langsamer voran geht, als der Schauspielstudent das gerne hätte, erlebt der Zuschauer erstaunliche Entwicklungen. Die „37°“-Dokumentation beobachtet, wie Samuel Koch das erste Mal als Schauspieler im Rollstuhl auf der Bühne agiert. Wie er übt, frei zu sitzen, einen Becher zum Mund zu führen, selbstständig zu essen und sogar – mit Unterstützung einer Therapeutin – Schritte zu machen. Und wie er sich seinen Traum vom Fliegen mit einem Gleitschirm verwirklicht.

ZDF-Reihe „37°“: Das zweite Leben des Samuel Koch, Dienstag, 26. November 2013, 22.15 Uhr

Was Samuel Koch über das Glück sagt


SamuelKoch
Vor einer Woche war Samuel Koch (26) im Rahmen der ARD-Themenwoche „Glück“ bei Günther Jauch zu sehen, der sich bei ihm erkundigte: „Würden Sie sich heute als glücklichen Mensch bezeichnen?“ Der seufzte: „Die Frage gleich am Anfang.“ Kochs wichtigsten Aussagen:

„Einmal die der Momentaufnahme Glück, des Glücksmoments und des Glücksgefühls und da kann ich bestätigen: das habe ich, das kann ich haben.“

„Dann das langfristige Glück, das zufrieden sein, was nicht unbedingt an eine Emotion gebunden ist: da bin ich noch am Arbeiten“.

„Ich glaube, es hängt bei allen von anderen ab. Es ist wichtig, dass ich mich auch mal aus meinem Wohlfühlbereich heraus begebe, in meinen eigenen vier Wänden ist alles so schön ebenerdig und für alles gesorgt.“

Manchmal müsse sich Samuel allerdings einen Ruck geben, um seinen „Wohlfühlbereich“ zu verlassen, „auch wenn das vielleicht demütigend ist und ich mich in den 6. Stock der WG-Party tragen lasse und dabei die Hose verliere. Ich weiß im Nachhinein trotzdem: es hat sich gelohnt, ich hatte viel Spaß und Freude.“

„Ich habe gerade nach meinem Unfall traurigerweise feststellen müssen: Ich brauch‘ echt Kohle, um mobil zu sein und so einen Rollstuhl fahren zu dürfen.“

„Ich hatte vor kurzem schon wieder einen kleinen Autounfall und wusste nicht, ob meine Beine gebrochen waren.“

(RP/PM)


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11 Kommentare

  • Stephan Kindler

    Als ich Weintrauben mit der Gabel essen sollte, war keine Kamera dabei… und was wären das für tolle Bilder geworden 3:)

    25. November 2013 at 14:55
  • Martin Schlusenbach

    eigentlich kommts nur drauf an an welchem ort man auf die fresse fällt

    25. November 2013 at 15:05
  • Mi Ke

    wenn ich den Vogel sehe rollen sich meine Fußnägel auf…Junge, Junge…anderen gehts dreckiger…nur die waren nicht bei „Wetten dass“ !

    25. November 2013 at 15:23
  • Stephan Kindler

    Na er kann ja nix dafür, dass bei jedem Furz von ihm eine Kamera dabei ist bzw dabei sein möchte

    25. November 2013 at 15:25
  • Mi Ke

    Die müsste mal dabei sein wenn er die Anfindung zählt die er vom ZDF bekommen hat…geschweige denn von dem ganzen anderen Kleingeld. Glaub er das es eine Sache der Medien ist…WWir brauchen mal wieder nen Behindi im Tv…“…“Nimm den Koch…den kennt mittlerweile jeder…

    25. November 2013 at 15:25
  • Andy

    @Mi Ke endlich sieht das auch ein anderer so. Wenn sich keiner mehr für den interessiert, scheibt er dann ne fortsetzung?
    Er ist absolut selber schuld, das er den Unfall hatte. Er hat abkassiert und jetzt muss mal gut sein. Ich bin selber Rollifahrer aber so was hab ich in 16 Jahren Querschnitt noch nicht erlebt

    25. November 2013 at 16:16
  • Roland

    Tut mir leid, aber als Rollstuhlfahrer schäme ich mich für die bisherigen Kommentare.

    26. November 2013 at 23:30
    • Stephan K.

      Warum für alle?

      27. November 2013 at 13:14
  • Ruth Reeken

    Danke Roland!! Ist mir aus der Seele gesprochen.

    27. November 2013 at 07:41
  • Heidi

    @ Roland, ich schäme mich auch!

    Dieser Sozialneid und diese Schuldzuweisungen Samuel Koch und anderen Promibehinderten gegenüber, haben mich vor langer Zeit bewogen nicht mehr in den einschlägigen Foren für Menschen mit Behinderung zu diskutieren. Ich finde diese Äußerungen unfaßbar. Samuel Koch weiß genau das er einige Vorteile durch seine Prominenz hat. Aber er profiliert sich nicht damit. Samuel Koch leidet sehr unter seiner schweren Behinderung. Aber er jammert nicht. Er macht deutlich das sein Leben, trotz Prominenz, kein Zuckerschlecken ist. Trotzdem ist er dankbar und kämpft. Er ist bescheiden. Auch wenn ich nicht so viel Geld und Aufmerksamkeit habe wie er, ich hasse ihn nicht, ich bewundere Samuel Koch..

    27. November 2013 at 07:53
  • frank

    Ihr könnt mir glaubem, dass es mir dreckiger als Samuel Koch geht. (E-Rolli, kein Geld.) Aber wie verbittert und neidisch muss man sein, wenn man als Behinderter auf Samuel losgeht? Kopfschüttel.

    27. November 2013 at 14:27

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