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ZDFneo startet „Ziemlich starke Frauen“

Mit ROLLINGPLANET-Leserinnen – Doku-Soap über Rollstuhlfahrerinnen: Am Donnerstag zeigt der Sender die erste von sechs Folgen. Von Anna Ringle-Brändli

"Ziemlich starke Frauen" auf ZDFneo: Michi, Dunja, Anna, Carolin und Ina; nicht auf dem Foto: Josie (Foto: ZDF)

„Ziemlich starke Frauen“ auf ZDFneo: Michi, Dunja, Anna, Carolin und Ina; nicht auf dem Foto: Josie (Foto: ZDF)

Gold in Sotschi holen, ein Baby bekommen, Goldschmiedin werden, einen Felsen erklimmen, Mr. Right finden, die eigene Wohnung beziehen: Sechs Frauen mit sechs Wünschen. Was sie eint? Sie alle sitzen im Rollstuhl. Wie sie versuchen, ihre Träume zu verwirklichen, zeigt die neue Doku-Soap „Ziemlich starke Frauen“. Ein Casting-Aufruf war auf ROLLINGPLANET veröffentlicht worden.

Die Reihe über ihr Leben mit dem Rollstuhl trifft den richtigen Ton: Sie ist unverblümt, sie berührt – und sie unterhält. ZDFneo zeigt die beiden ersten von sechs Folgen am Donnerstag (30. Januar, ab 20.15 Uhr).

Die Frauen zwischen 21 und 34 Jahren aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Thüringen und dem Saarland zeigen viel von ihrem Alltag. In der Kletterhalle beim Sport, im Büro beim Arbeiten, im Nagelstudio beim Relaxen oder beim Autofahren. Die Macher der Soap haben die Frauen über mehrere Monate begleitet und Familienangehörige, Freunde und Arbeitskollegen von ihnen getroffen. Die Lebensgeschichten werden parallel erzählt.

Das Leben ist eben eine Kletterpartie

Dunja

Dunja (Foto: ZDF) aus dem Saarland etwa liebt klettern. Weil ihre Beine aber gelähmt sind, hat die 34-Jährige eine eigene Kletterhilfe konstruiert, damit sie ihre Knie mit den Händen kontrollieren kann. Sie baute sie sich aus Hundehalsbändern, wie sie berichtet. Ihr Freund steht beeindruckt vor der Wand, die Dunja hochklettert: „Ich habe vergessen, dass Du eine Behinderung hast“, sagt er, als sie wieder unten ist.

Berührend wird die Soap, wenn die Frauen erzählen, warum sie im Rollstuhl sitzen. Kinderfotos zeigen, dass sie teilweise früher einmal laufen konnten. Modebloggerin Ina etwa hatte einen Unfall: Ein Auto erfasste sie – seitdem ist sie gelähmt. Ihren Rollstuhl bezeichnet sie immer als „Rolli“.

Wie ist das Leben als Rollstuhlfahrerin? Die 25-Jährige sagt ganz klar: „Die Welt ist für Fußgänger gemacht, nicht für Rollstuhlfahrer.“ Sie müsse deshalb auch um Hilfe bitten, wenn man sein „Ding durchziehen“ wolle – etwa bei einer Treppe. Sonst müsste sie auf viele Sachen verzichten, sagt die quirlige Frau. In der Doku beginnt sie mit einen Tanzkurs.

„Eigentlich ändert sich alles“

ROLLINGPLANET-Leserin Caroline aus Thüringen, die neben ihrer Arbeit modelt, beschreibt, dass sie nach ihrem Unfall ein neues Leben beginnen musste. „Eigentlich ändert sich alles.“ 2002 fiel sie als 13-Jährige sieben Meter in die Tiefe, als sie von einem schwingenden Seil, das an einem Baum befestigt war, fiel – seither ist sie gelähmt. „Du musst sofort erwachsen werden.“

Monoskifahrerin Anna, die mit einer seltenen Krankheit auf die Welt kam und die Lähmungen immer stärker wurden, sagt über das Leben im Rollstuhl: „Ich habe damit jetzt keine Probleme, es ist so, wie es ist.“ Für sie wäre die Vorstellung eher „komisch“, jetzt laufen zu können. „Ich denke, das ist eine Einstellungssache.“ In Sotschi will sie jetzt Gold holen und hat dafür hart trainiert.

ZDFneo zeigt die 45-minütigen Sendungen immer donnerstags als Doppelfolge. Die Soap beschönigt nicht, ist aber ein unterhaltsamer und zugleich hintergründiger Zugang zum Thema Behinderung. Über das Ziel der Soap sagte Dunja im Interview des Senders: „Wir wollen mit dem Bild aufräumen, das immer noch durch einige Medien geistert: Der Mensch, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Wenn sie jemanden sehen, der an den Rollstuhl gefesselt ist, rufen Sie die Polizei und binden Sie ihn los!“

(RP/dpa)

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8 Kommentare

  • Raimund Wagener

    Das ist typisch, bei einer Sendung über Männer hätte es geheißen, die wäre frauenfeindlich, aber Frauen zu bevorzugen ist in unserer PI-Gesellschaft okay?

    28. Januar 2014 at 16:58
  • Dani

    Vielleicht kommt ja dann 2015 eine zweite Reihe: Ziemlich starke Männer – fände ich super.

    Ich hätte es übrigens viel besser gefunden, wenn man eine Doku-Reihe mit verschiedenen Arten von Behinderung macht. Rollifahrer, Sehbehinderte od. Blinde, Gehörlose etc.

    Aber der Rollstuhl ist halt scheinbar am medienwirksamsten, es ist sowieso gerade groß in Mode, etwas über Rollifahrer zu machen und er ist der Inbegriff, das Symbol von Behinderung…

    28. Januar 2014 at 23:01
  • Handbiker

    Über Behinderungen ohne Rollstuhl wie Blindheit, Amputation, Gehörlosigkeit, etc. berichten die Fernsehansalten oft genug so, als könne man mit diesen Behinderungen ganz gut leben. Es wird gezeigt wie moderne Hilfsmittel und ein gutes Training die Betroffenen relativ unabhängig von Hilfe macht und ein relativ normales Leben ermöglichen kann. Rollifahrer werden anders dargestellt. Wir sind angeblich immer arm dran, hilflos und an den Rolli gefesselt. Doch auch wir können dank moderner Rollstühle lernen in dieser für Fußgänger gemachten Welt relativ gut zurecht zu kommen. Wenn diese neue Sendung ohne Mitleidsgedanken über Rollifahrer berichtet und zeigt das auch wir ganz viel Lebensqualität haben können, nehme ich gerne in kauf, das die Darsteller alle Mädels sind. So wie die Push Girls auf Sixx.

    29. Januar 2014 at 07:35
  • Manfred Böhm

    Grundsätzlich hat mir die Idee und die Geschichten gefallen, jedoch hätte ich es mit ein weniger Tränendrüse auch gereicht. Bin selbst Paralympian und TV Produzent, das war von der Endumsetzung her redaktionell eher schwach.

    8. Februar 2014 at 10:55
  • Handbiker

    Ich bin auch enttäuscht. Ich hatte auch eine positiver Umsetzung erwartet. Aber anscheinend kann man sich im deutschen Fernsehen nicht vorstellen, daß sowohl Rollstuhlfahrer als auch Fußgänger, von einer positiveren Berichterstattung mehr profitieren, als von diesen ständigen Mitleid und Selbstmitleid Darstellungen über das Leben als Rollstuhlfahrer.

    11. Februar 2014 at 09:09
  • Monica Ocker-Brune

    ..diese hübschen Mädels im Rolli wären auch für Zweibeiner recht attraktiv, ds zudem j u n g ! Ich finde es sehr bedauerlich, dass sie keine älteren! Frauen in die Sendung eingebracht haben. Kritisch wird es nämlich für Frauen im Rolli erst ab 45-50, wenn manche Träume zerplatzt sind und die Energie für neue Wege schneller verbraucht ist.. Männer haben es da ungleich besser: Die finden immer noch eine Frau die sie betüddelt.
    Schlage vor, Sie bringen mal Frauen so ab 45 bis 70 Jahre im Rolli– fürchte aber, dass die ZUschauerquote gleich 0 ist…. Traurig aber wahr.. ich bin übrigens 68 und sehr fit. auf zwei Beinen….

    16. Februar 2014 at 18:56
  • Heidi

    Es liegt nicht am Rollstuhl und auch nicht am Alter, wie aktiv eine Rollstuhlfrau ist.  Es ist vielmehr eine Typfrage und eine Frage der Beratung und Schulung. Ich bin 52 Jahre alt und war 44, als ich meinen ersten Rollstuhl bekam. Auch ich mache sehr viel Sport und genauso verückte Sachen wie Dunja Fuhrmann. Rollifahrerinnen wie mir macht einfach Spaß neue Herausforderungen an zu nehmen und unbekannte Ziele zu erreichen. Darum geht es auch in dieser neuen Serie. Egal wie alt sie sind, ziemlich starke Frauen gibt es viele in Deutschland. Nur gezeigt wurden s7ecin den Medien bisher kaum. Man muß nur an sich glauben, sich den richtigen Rollstuhl verschreiben lassen und seine noch vorhandenen Fähigkeiten trainieren, dann kommt das Selbstbewußtsein von ganz alleine.

    18. Februar 2014 at 09:45
  • Carmen

    Ich würde mir wünschen das Menschen mit Behinderungen allen Altersgruppen gezeigt würden ausserdem sind die Folgen schon einmal auf einem anderen Sender gelaufen

    6. Mai 2016 at 21:38

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