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Zu gesund zum Sterben, zu krank zum Arbeiten

Lärm, Staub und Hitze, Nachtschichten und Akkord – bei vielen Beschäftigten ruiniert das die Gesundheit. Gewerkschaften fordern flexiblere Übergänge in die Rente.

Achtung, Gesundheit! In vielen Branchen – wie in der Bauindustrie – sind Arbeitnehmer bereits vor der geplanten Rente körperlich am Ende. (Foto:: Karsten Dittmann/pixelio.de

Achtung, Gesundheit! In vielen Branchen – wie in der Bauindustrie – sind Arbeitnehmer bereits vor der geplanten Rente körperlich am Ende. (Foto:: Karsten Dittmann/pixelio.de)

Wirtschaft und Politik müssen aus Sicht der Gewerkschaften mehr tun, damit ältere Beschäftigte bis zur Rente fit bleiben.

Kürzere Arbeitszeiten, weniger Schichtdienste und altersgerechte Arbeitsplätze sind nur einige der Forderungen, mit denen die Arbeitnehmervertreter im Bundestagswahlkampf für flexiblere Übergänge in die Rente kämpfen wollen.

Vorschläge fürs Altersflexi-Geld

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) legte am Mittwoch ein Konzept vor, das Bau-Beschäftigte vor dem Abrutschen in Hartz IV bewahren, wenn sie aus Gesundheitsgründen nicht mehr voll arbeitsfähig sind.

Das sogenannte Altersflexi-Geld orientiert sich am Saison-Kurzarbeitergeld und soll Verdienstausfälle auffangen, wenn der Arbeitnehmer im Alter von 58 bis 63 Jahren kürzer tritt. Von diesen maximal fünf Jahren soll die Leistung ein Jahr lang über eine tarifliche Branchenumlage finanziert werden, der Rest aus Steuermitteln und Beiträgen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Manche sind schon mit 45 am Ende

Der IG-BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel verwies auf eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation, derzufolge die Beschäftigten am Bau von allen Branchen am häufigsten vor der Rente langzeitarbeitslos sind: Manche von ihnen scheiden schon zwischen 45 und 50 Jahren aus der Erwerbsarbeit aus.

Aus Sicht der Gewerkschaft sind sie „zu jung für die Altersrente, zu gesund für die Erwerbsminderungsrente – aber zu krank für ihren bisherigen Job“.

Weniger Einbußen gefordert

Auch in der Metall- und Elektroindustrie sinke die Quote derer, die noch arbeiten, je näher das Rentenalter rücke, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban. „Die schöne neue Arbeitswelt für die Alten ist und bleibt ein Mythos.“ Die Gewerkschaft forderte eine neue öffentlich geförderte Alterszeit und weniger Einbußen beim vorzeitigen Ruhestand.

Die Politik dürfe sich nicht raushalten und das Thema nur den Tarifparteien überlassen, sagte Urban. Die Altersversorgung sei für 79 Prozent der Deutschen bei der Wahlentscheidung wichtig oder sehr wichtig, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der IG Metall ergeben habe.

Kaum einer glaubt an die sichere Rente

Nur 17 Prozent glauben demnach, dass ihre Rente sicher ist und dass die Bundesregierung den richtigen Kurs fährt. TNS Infratest hatte Anfang April 1031 zufällig ausgewählte erwachsene Bundesbürger telefonisch befragt.

Aus Sicht der Gewerkschaft müssen auch Selbstständige, Freiberufler und Beamte in die Rentenversicherung einzahlen. Die IG Metall geht davon aus, dass der Beitrag bis 2025 von heute 18,9 Prozent auf 22 Prozent steigt. Nach 2030 sei ein weiterer Anstieg um bis zu 1,5 Prozentpunkte möglich, sagte Urban.

(dpa)

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