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Zu viele Hürden: Zum Beispiel in Bahnen und Bussen und bei Veranstaltungen

Es gibt noch jede Menge zu tun, um Menschen mit Behinderung den Alltag zu erleichtern, beklagt Baden-Württembergs Behindertenbeauftragte.

S6 am Hauptbahnhof Stuttgart. (Foto: Wikipedia/Sinan Cetin, CC BY-SA 3.0)

S6 am Hauptbahnhof Stuttgart. (Foto: Wikipedia/Sinan Cetin, CC BY-SA 3.0)

Menschen mit Behinderung müssen überall noch zahlreiche Hürden überwinden – auch in den Bahnen und Bussen des öffentlichen Nahverkehrs. Das beklagt die Behindertenbeauftragte von Baden-Württemberg, Stephanie Aeffner, anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung an diesem Samstag (3. Dezember). Sie geht dabei auf die Situation ihres Bundeslandes ein – die so oder ähnlich aber auch bundesweit zutreffen dürfte.

Es gehe nicht nur um bauliche Barrieren, die die ÖPNV-Nutzung erschwere. Nötig seien auch eine verständliche Sprache bei Infos für Fahrgäste sowie die Beachtung des „Zwei-Sinne-Prinzips“. Nach dem müssen mindestens zwei der drei Sinne „Hören, Sehen und Tasten“ angesprochen werden. Auch müssten Mitarbeiter besser im Umgang mit Behinderten geschult werden. „Barrierefreiheit ist auch eine Frage von Einstellungen“, betonte Aeffner am Freitag.

Eine gleichberechtigte und diskriminierungsfreie Teilhabe sei ein unteilbares Grund- und Menschenrecht. Aeffner wies zugleich darauf hin, dass nach der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bereits die Versagung angemessener Vorkehrungen eine Form der Diskriminierung sei. Es gebe „noch viel zu tun“.Stadt- und Landkreise müssten bis 2022 für einen barrierefreien ÖPNV sorgen und die notwendigen Mittel bereitstellen und Bund sowie Land dazu flankierende Förderprogramme auflegen.

Barrierefreie Kommunikation

Baden-Württembergs Paritätischer Wohlfahrtsverband und Städtetag präsentierten indessen einen „Leitfaden barrierefreie Kommunikation bei Veranstaltungen“. Die von IT-Studenten entwickelten Richtlinien zeigen technische Lösungen auf, die Gehörlosen, Sehgeschädigten und Blinden sowie Menschen mit kognitiven und körperlichen Einschränkungen helfen. Angebote wie ein Schriftdolmetscher oder induktive Höranlagen – sie ermöglichen Hörgeräteträgern, störungsfrei Musik oder Worte bei Veranstaltungen drahtlos über das Hörgerät zu empfangen – seien auch für ältere Menschen hilfreich.

Künftig könnten demnach Redner-Beiträge bei Veranstaltungen live als Text auf dem Smartphone der Anwesenden erscheinen, übersetzt in die Sprache des Teilnehmers oder in Gebärdensprache durch einen übers Web verbundenen Gebärdensprachdolmetscher. „Und man wird über Webkonferenz-Technologien auch von zuhause aus aktiv an einer Veranstaltung teilnehmen und mitwählen können“, erläuterte Professor Gottfried Zimmermann vom Studiengang Mobile Medien an der Hochschule der Medien Stuttgart.

(dpa)

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