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Zugunsten von jungen Behindertensportlern: Katarina Witt gibt Startschuss zum 20. Frankfurter Firmenlauf

Aktuell werden zwölf Projekte gefördert. In den vergangenen sechs Jahren kamen 1,27 Millionen Euro zusammen.

Archivfoto vom Firmenlauf des vergangenen Jahres (Foto: JPM)

Eiskunstlauf-Star Katarina Witt gibt den Startschuss zum 20. JP Morgan Corporate Challenge-Lauf (JPMCC) in Frankfurt. An dem größtem Firmenlauf in Europa beteiligen sich am 14. Juni 68.586 Läufer aus 2.761 Betrieben, wie die Veranstalter gestern in Frankfurt mitteilten. Das sind 132 mehr als im Vorjahr, aber auch 4155 weniger als 2010.

Die Laufstrecke in der City ist 5,6 Kilometer lang. Die Teilnehmer reisen aus 328 Städten an, ein Drittel sind Frauen. Unter den Firmen sind die Deutsche Bank, Lufthansa und Continental mit je mehr als 1.000 Teilnehmern.

Die Läufer spenden mit ihrer Teilnahme etwas Geld für einen guten Zweck, die US-Bank JP Morgan gibt noch einmal so viel dazu. Mehr als 1,27 Millionen Euro kamen so laut Veranstalter in den vergangenen sechs Jahren für junge Behindertensportler zusammen. Das Startgeld beträgt 1,80 Euro – in diesem Jahr wird sich die Summe auf rund 247.000 Euro belaufen.

Die elf von den Einnahmen profitierenden Projekte werden zusammen mit der Deutschen Sporthilfe ausgewählt. In diesem Jahr kommt noch ein Projekt dazu, das zusammen mit der Katarina Witt-Stiftung unterstützt wird. Es will beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen Bewegung und Sport ermöglichen.

Der JPMCC-Lauf wird weltweit in 13 Städten auf fünf Kontinenten ausgetragen. Am Main ging es 1993 mit 527 Läufern aus 57 Firmen los. Nach Darstellung der Veranstalter bringt kein anderer Lauf in Europa so viele Menschen auf die Straße wie der durch Frankfurt, auch nicht der Berlin- und der London-Marathon.

Die zwölf Benefizprojekte im Überblick

Zusammenarbeit mit der Katarina Witt-Stiftung
Die 2005 gegründete Katarina Witt-Stiftung fördert die Hilfe für kranke und verletzte Kinder und engagiert sich schwerpunktmäßig im Behindertensport. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, kontinuierliche Aufbauarbeit zu unterstützen. Sportbegeisterte Kinder und Jugendliche sollen mit Hilfe der Stiftung ihr Potenzial ausschöpfen können. Mit dem Förderkreis Behindertensport e.V. besteht eine Kooperation, und mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe hat die Katarina Witt-Stiftung bereits erfolgreich und eng zusammen gearbeitet. Als Schwerpunkt der Zusammenarbeit zwischen J.P. Morgan, Stiftung Deutsche Sporthilfe und Katarina Witt-Stiftung wurde das Jugendlager der Deutschen Behindertensportjugend bei den Paralympics London 2012 ausgewählt.

Trampolinprojekt „Begeistern – bewegen – belohnen“ in Frankfurter Kindergärten
Das Frankfurter Trampolin-Show-Team „Flying Bananas“ (ehemalige Vizeweltmeister im Trampolinspringen) wird ein Pilotprojekt im Rhein-Main-Gebiet initiieren, bei dem behinderte Kinder an das Trampolinspringen herangeführt werden. Die Idee: An vier Tagen in der Woche sollen zwischen Montag und Donnerstag zwölf ausgewählte, integrierte Frankfurter Kindergärten mit einer Trampolin-Show besucht werden. Die „Flying Bananas“ möchten die Kinder zum Springen animieren, mit den Kindern gemeinsam springen und insbesondere behinderte Kinder (körperlich und geistig) in die Kindergartengruppen integrieren. Zum Abschluss wird ein aufblasbares Kindertrampolin ohne Ecken und Kanten überreicht, das im Besitz des Kindergartens verbleibt. Die Erzieherinnen und Erzieher erhalten eine Schulung zur richtigen Handhabung. Das Team „Flying Bananas“ wird zur Projekt-Konsolidierung jeden Kindergarten einige Wochen später noch mindestens einmal besuchen.

Hallenboccia in der Landesschule für Körperbehinderte Neubrandenburg
Hallenboccia ist eine Sportart für Menschen mit schwersten Behinderungen. Die Startklassen BC1 – BC3 sind paralympisch. Aufgrund der sehr schweren Behinderungen ist in der Regel ein zusätzlicher Betreuungsaufwand im Wettkampf erforderlich. Die Landesschule für Körperbehinderte in Neubrandenburg sichtet im Verbund „Förderschule-Leistungssport“ mit einer Nachwuchstrainerin Kinder frühzeitig. Mit dem Fördertraining erhalten junge Nachwuchssportlerinnen und -sportler erstmalig die Möglichkeit für ein leistungssportlich ausgerichtetes Training. Mit dem bewilligten Betrag werden Rampen, Spielsets, Lehrgänge und Training finanziert.

Schwimm-Talentförderung im Mecklenburgischen Förderzentrum für Körperbehinderte
Neben Segeln gehört Schwimmen zu den geförderten Sportarten im Mecklenburgischen Förderzentrum für Körperbehinderte in Schwerin. Sie sollen zusätzlich zur Förderung in der Schule ein- bis dreimal pro Woche im Stützpunktverein trainieren. Schwerin wurde bereits zum vierten Mal in Folge Sieger beim Carl-von-Linné-Cup in Berlin, bei dem in diesem Jahr 14 Schulen für Köperbehinderte aus ganz Deutschland am Start waren. 2011 gewann Schwerin auch das Bundesfinale „Jugend trainiert für Paralympics“ in der Sportart Schwimmen.

Segeln in Schwerin
„Segeln mit behinderten Jugendlichen“ in Schwerin und Stralsund, das vom Verband Behinderten- und Rehasport Mecklenburg-Vorpommern betreut wird, wurde mit Mitteln aus dem JPMorganCC 2009 erstmalig unterstützt und wird weitergeführt.

Leichtathletiksichtung in Leverkusen
Der TSV Bayer 04 Leverkusen ist in Nordrhein-Westfallen auch im Behindertensport führend in der Nachwuchssichtung. Zahlreiche Aktivitäten existieren bereits (Flyer in Kindergärten, an Schulen, bei Ärzten und in Orthopädiehäusern). Jährlich werden zwei Schnupperkurse durchgeführt, um junge Behinderte an den Sport heranzuführen. Mittelfristiges Ziel ist die Teilnahme an dem Wettbewerb „Jugend trainiert für Paralympics“. Langfristig wird ein Start bei internationalen Wettkämpfen bis hin zu den Paralympics angestrebt. Zum Trainerstab der behinderten Jugendlichen gehört die Speerwurf-Weltmeisterin und Diplom-Sportlehrerin Steffi Nerius.

Rollstuhlsport in Kaiserslautern
Der „1. FC Kaiserslautern-Rolling Devils“ kümmert sich intensiv und erfolgreich um Aufbau und Ligabetrieb einer Rollstuhl-Sportgruppe für behinderte Kinder und Jugendliche. Drei Sportrollstühle werden für sie gekauft.

Vorhaben der Frankfurter Sportstiftung
Von den Spenden, die an die Frankfurter Sportstiftung gehen, werden insgesamt vier Projekte gefördert: ein Sprachkurs für Gehörlose im GTSV Frankfurt, Fußball in der Victor-Frankl-Schule sowie Reiten und Leichtathletik in der Schule für Praktisch Bildbare in Nied.

Nachwuchs-Eliteförderung Gehörlosensport
Das Projekt „Gehörlosensport Nachwuchs-Eliteförderung“ für elf junge Talente aus den Sportarten Badminton, Leichtathletik, Schach, Schwimmen und Tennis wird fortgesetzt. Auf Basis einer dualen Laufbahnplanung erhalten die Athletinnen und Athleten unterschiedliche individuelle Förderungen zur Unterstützung ihrer sportlichen Laufbahn und schulisch-beruflichen Ausbildung in Höhe von jeweils 3.000 Euro.

Integrierte Projekte in Sportinternaten
Seit 1969 fördert die Sporthilfe Schülerinnen und Schüler in Sportinternaten. Eine der ersten Institutionen, die in die Förderung aufgenommen wurden, ist die Christophorusschule in Berchtes¬gaden, wo 60 bis 70 Schüler Hilfe erhalten. Dort werden zur Integrationsförderung seit einiger Zeit gemeinsame Wohngruppen behinderter und nicht-behinderter Jugendlichen eingerichtet.

Internatsförderung von C/D- und D-Kaderathleten
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützt seit vielen Jahren über ihren eigentlichen Aufgaben¬bereich der Förderung von A-, B-, C-Bundeskadern auch hochtalentierte Landes- bzw. D-Kaderathleten, um den jungen Schülern über einen Kostenzuschuss zu den Gebühren den Besuch eines Sportinternats zu ermöglichen.

Kanuprojekt für geistig behinderte Jugendliche
Das gelungene Kanuprojekt in Castrop-Rauxel, Erkenschwick, Waltrop wird fortgesetzt. Die Gruppe ist stabil. Zum Programm 2012 gehören ein Sicherheitstraining im Schulschwimmbad, Grundkurse Kanu und Kajak, eine Gepäckwanderfahrt und ein integrativer Grundkurs für Jugendliche mit und ohne Behinderung.

(dpa/lhe/RP/Übersicht Projekte: J.P.Morgan)

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