Zurück aus Rio: Die deutschen Behindertensportler sind gelandet

Und Paralympics-Sieger Sebastian Dietz bringt die Inklusionsfackel nach Frankfurt zurück.

Mathias Mester kommentierte: „Traumhaft geschlafen in unserem Siegerflieger der Lufthansa! ;-D Vielen Dank!“ (Foto: Facebook)

Mathias Mester kommentierte: „Traumhaft geschlafen in unserem Siegerflieger der Lufthansa! ;-D Vielen Dank!“ (Foto: Facebook)

Die deutsche Paralympics-Mannschaft ist heute in der Heimat gelandet. Die Stimmung während des Flugs war offensichtlich bestens, wenn man das Foto richtig interpretiert, das Mathias Mester auf Facebook postete. Der 29-jährige Speerwerfer hat zwar keine Medaille gewonnen, aber seine gute Laune nicht verloren. Er machte es sich im Gepäckfach bequem – es hat halt doch Vorteile, wenn man kleinwüchsig ist.

Im Sieger-Flieger kehrten die erfolgreichen Athleten (18 Mal Gold, 25 Mal Silber sowie 14 Mal Bronze, siehe auch unser Paralympics-Special) am Mittag aus Rio zurück. Straßenradfahrer Michael Teuber, der im Einzelzeitfahren über 20 Kilometer schon seine fünfte Goldmedaille gewonnen hatte, schwenkte nach der Landung in Frankfurt die deutsche Fahne aus dem Cockpit. Allerdings: Zwar waren viele Freunde und Angehörige da – aber weder der Frankfurter Oberbürgermeister noch andere Politiker waren erschienen, um, wie es üblich ist, einen würdigen Empfang zu bereiten. Oder hatte da der Deutsche Behindertensportverband (DBS) geschlafen? OB-Sprecher Ralph Klin­ken­borg: „Uns lagen über­haupt keine In­for­ma­tio­nen dar­über vor, dass die Sport­ler zu­rück­kom­men oder dass ein Emp­fang ge­wünscht wird. Wir wer­den die Frank­fur­ter Teil­neh­mer zur Sport­ga­la ein­la­den und aus­zeich­nen.“

Nur kurze Zeit nach der Ankunft hatte Sebastian Dietz bereits seinen ersten Termin. Der inkomplett Querschnittgelähmte, der erneut Paralympicssieger wurde (dieses Mal im Kugelstoßen) und spätestens seit seinem Heiratsantrag auf großer Bühne („Liebe muss man rausbrüllen“) ein ROLLINGPLANET-Liebling ist, brachte die Inklusionsfackel aus Rio zurück. Er war es auch, der die Fackel vor zwei Jahren zum Auftakt im Rahmen des Aktionstages „Inklusion & Diversity“ in Frankfurt entzündet hatte und mit ihr seither unter anderem schon zu einer Privataudienz beim Papst war.

Paralympics-Sieger Sebastian Dietz (l.), Initiatorin Alexandra Cremer und Rainer Braehler, der mit seinem Slow-to-the-Top-Team und der Inklusionsfackel den Kilimanjaro besteigen wird. (Foto: Netzwerk Inklusion Frankfurt)

Paralympics-Sieger Sebastian Dietz (l.), Initiatorin Alexandra Cremer und Rainer Braehler, der mit seinem Slow-to-the-Top-Team und der Inklusionsfackel den Kilimanjaro besteigen wird. (Foto: Netzwerk Inklusion Frankfurt)

Symbol für eine tolerantere Welt

Die Inklusionsfackel ist eine Aktion des Netzwerks Inklusion Deutschland e.V. (NID). 2015 besuchte sie zunächst über drei Monate hinweg alle deutschen Landeshauptstädte und machte sich anschließend auf den Weg via Rom zu den Paralympics in Rio. Dort wurde sie am 16. September 2016 im Deutschen Haus an DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher übergeben. Nächste Etappe: Am 23. Oktober besteigt sie den Kilimanjaro.

„Dass die Fackel noch so viele Kilometer zurücklegen würde, konnte bei der ersten Idee niemand ahnen!“ freut sich Initiatorin des Projekts, Alexandra Cremer, Vorstand des Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. „Und nun gibt es auch noch das Wiesbadener Slow-to-the-Top-Team mit Rainer Braehler, seiner Ehefrau Birgit und Christian Hofferbert, die sich beim Fackellauf in 2015 kennenlernten und nun mit der Fackel den Kilimanjaro besteigen werden! Das nenne ich mal nachhaltig!“

Die Inklusionsfackel hat das Ziel, Menschen zum Thema Inklusion zu vernetzen und zu informieren. Sie soll nicht nur ein Symbol für Menschen mit Beeinträchtigung sein, sondern ebenso für Menschen, die benachteiligt werden aufgrund von Alter, Geschlecht, Weltanschauung, Religion, ihrer sexuellen Identität oder ihrer Herkunft. „Inklusion ist neben Flüchtlingsdebatte und Eurorettung das Zukunftsthema für Deutschland. Da gibt es noch einiges zu tun!“, so Alexandra Cremer.

(RP/PM)

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