Zustimmung kostet ja nichts: Angeblich jeder zweite Deutsche an Paralympics interessiert

Der Deutsche Behindertensportverband und Telekom veröffentlichen eine Umfrage, die das Gewissen beruhigt.

Oliver Kahn und Paralympics-Athleten-Sprecherin Manuela Schmermund 2009 beim Sportpresseball (Foto: Privat/manuela-schmermund.de)

Mehr als zwei Drittel aller Deutschen sind laut einer heute veröffentlichten Studie an den Paralympischen Spielen interessiert. Im Auftrag des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und der Telekom befragte das Marktforschungsinstitut Sport + Markt 1.012 sportinteressierte Menschen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren. 58 Prozent gaben demnach an, die Spiele in London verfolgen zu wollen. „Der Behindertensport besitzt eine hohe gesellschaftliche Relevanz“, sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher bei der Präsentation der Zahlen im Deutschen Haus in London.

Wie weit Umfrageergebnisse und Realität manchmal auseinander liegen können, beweisen laut ROLLINGPLANET die TV-Quoten von gestern Abend: Zwar sahen 1,8 Millionen Menschen bei der ARD-Übertragung der Eröffnungsfeier zu. Das entspricht einem Marktanteil von 12,6 Prozent – aber 12,8 Prozent sind eben keine 58 Prozent. ROLLINGPLANET könnte auch eine Umfrage in Auftrag geben, deren Frage lautet: „Finden Sie, dass man behinderte Menschen auf die Straße lassen und nett zu ihnen sein sollte?“ 98 Prozent würden dies bejahen. Wie viele Barrieren würden deshalb abgebaut werden?

Dennoch wollen wir Ihnen nicht die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie vorenthalten: Besonders hoch bewertet wurde von den Befragten die Vorbildfunktion paralympischer Athleten für die Gesellschaft, 76 Prozent glauben an eine verbesserte Integrationsfunktion für das Zusammenleben von Behinderten mit Nichtbehinderten. Außerdem leisten die Paralympier nach Meinung von 54 Prozent der Befragten einen wichtigen Beitrag zur positiven Außendarstellung von Deutschland in der Welt.

Manuela Schmermund appelliert

Noch nicht optimal sei allerdings die Berichterstattung in den Medien. 69 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass das öffentliche Interesse mit erweiterter Berichterstattung ansteigen würde. Athletensprecherin Manuela Schmermund – die heute Silber und die erste deutsche Medaille holte und am kommenden Donnerstag (6.9.) ihren nächsten großen Wettkampftag hat – sieht nicht nur ihre persönliche Zielscheibe. „Es ist enorm wichtig, den Spitzenleistungen auch außerhalb der Paralympics eine Bühne zu geben und sie ins Bewusstsein der Menschen zu rufen“, sagte die paralympische Sportschützin.

Ebenfalls verbesserungsfähig ist nach Meinung von über drei Viertel der Befragten das Engagement von Unternehmen und Politik im Behindertensport, 76 Prozent wünschen sich eine gleichberechtigte Förderung mit nichtbehinderten Sportlern. „Die Resultate unterstreichen unser Engagement für Chancengleichheit und Respekt für Menschen mit Handicap“, sah sich Marion Schick in der Unterstützung des DBS bestätigt. Die Personalchefin der Telekom verkündete am Rande der Pressekonferenz die Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem DBS bis 2014.

(dapd/RP)


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