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Zwickau-Insolvenz überschattet Rollstuhlbasketball-Bundesliga

Anreise „eher nicht direkt im Rollstuhl“: Für einen Bus scheint das Geld der Sachsen noch zu reichen.

Zwickau-Spieler im Sturzflug: Duell zwischen Adam Erben (RSC-Rollis Zwickau) und Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill) aus dem Vorjahr. (Foto: Armin Diekmann).

Zwickau-Spieler im Sturzflug: Duell zwischen Adam Erben (RSC-Rollis Zwickau) und Thomas Böhme (RSV Lahn-Dill) aus dem Vorjahr. (Foto: Armin Diekmann).

Der 65. Klassiker zwischen dem gastgebenden Abonnementmeister RSV Lahn-Dill und seinem Dauerrivalen RSC-Rollis Zwickau am Samstag zeigt einen gänzlich neuen Aspekt in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga. Oft waren die Duelle der beiden europäischen Topklubs Endspiele um Meisterschaft oder Pokal, auch international standen sich beide Platzhirsche oft gegenüber. Dieses Mal wird der Sport allerdings eher ein Randthema sein – der RSC-Rollis Zwickau hat Insolvenz angemeldet.

Dass das Spiel tatsächlich stattfindet und die Sachsen anreisen, daran besteht für RSV-Manager Andreas Joneck kein Zweifel: „Sie kommen. Das ist schon mal klar. Meines Wissens hat Zwickau alle Logistikkosten bis Ende der Saison drin. Von daher werden sie wohl mit einem motorisierten Fahrzeug anreisen. Eher nicht direkt im Rollstuhl.“

Zwickauer Sumpf

Der Zwickauer Rollstuhlbasketball steckt in seiner tiefsten Krise. Noch vor einigen Wochen wunderte sich die Basketballszene, dass die Sachsen sich erstmals nicht für die internationalen Wettbewerbe angemeldet hatten. Anfang Oktober kam dann der Paukenschlag: Das Rumpfpräsidium stellte einen Insolvenzantrag. Mario Pecher (52), seit fünf Jahren Präsident des RSC-Rollis Zwickau, betonte: „Das musste ich machen“. Seinen Angaben zufolge hatte der Verein 200.000 Euro an Sponsorengeldern in Aussicht, was knapp zwei Drittel des Saisonetats abdecken würde. Nach Berichten über Untreue-Vorwürfe hätten sich jedoch mehrere große Geldgeber zurückgezogen. „Der Verein ist ruiniert“.

Die Zwickauer Staatsanwaltschaft prüft ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden RSC-Präsidiumsmitglieder und Landtagsabgeordneten Kerstin Nicolaus (CDU) und eben jenen Mario Pecher (SPD). Der mit einer Strafanzeige untermauerte Vorwurf lautet: Untreue im Zusammenhang mit dem Vereinsvermögen. Nicolaus (53) hatte vor drei Wochen ihren Rücktritt als Vizepräsidentin erklärt, weil sie sich intensiv um ihren kranken Sohn kümmern müsse. Ihr Lebensgefährte Pecher hatte zugleich seinen Rückzug als Präsident für November angekündigt, weil sein Landtagsmandat angeblich mehr Zeit beanspruche.

Auch wenn der Spielbetrieb nach Zwickauer Angaben für diese Saison abgesichert ist, wird wohl erst im November eine Entscheidung darüber fallen, unter welchen Rahmenbedingungen es auf dem Scheffelberg weitergehen wird. Aktuell hat eine Faninitiative unter dem Titel „Unser Verein lebt weiter“ für das logistische und finanzielle Weiterleben des zweifachen Deutschen Meisters gesorgt.

Zwickau hatte sich vor der Saison mit fünf Neuzugängen verstärkt, darunter Nationalspieler André Bienek vom italienischen Meister Briantea ’84 Cantu.

(RP)

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