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Anbieter zocken ab – Warnung vor Delfintherapie

Gesundheit & Medizin

Anbieter zocken ab – Warnung vor Delfintherapie

Eltern von Kindern mit Behinderung gehören zu den Opfern von dubiosen Geschäftsmethoden.

Umstritten: Tierschützer kritisieren Delfintherapie. (Foto: Wal- und Delfinschutz-Forum [WDSF]/Copyright WDSF)

Umstritten: Tierschützer kritisieren Delfintherapie. (Foto: Wal- und Delfinschutz-Forum [WDSF]/Copyright WDSF)

Das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) hat auf seiner Homepage nach jahrelangen Recherchen seine Ergebnisse über Delfintherapieanbieter und -vermittler veröffentlicht. Es wird über Betrüger aus der Branche, die Gefahren einer Delfintherapie und über Tierquälerei der Delfine berichtet.

Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF: „Eine Delfintherapie birgt große gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier. Inzwischen hat sich diese medizinisch und wissenschaftlich nicht anerkannte Pseudotherapie zu einem Millionengeschäft für Anbieter und Vermittler entwickelt. Die kommerzielle Delfintherapie ist in Deutschland verboten, sodass dubiose Anbieter wie in der Türkei, in Ägypten und in Übersee Eltern betroffener Kinder das Geld aus der Tasche ziehen.“

Nur ein Teil der Spenden kommt an

Beliebt ist die Delfintherapie bei Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen – beispielsweise Down-Sydnrom, körperliche Behinderung, geistige Behinderung, Autismus – im Alter von fünf bis zehn Jahren (ROLLINGPLANET berichtete). „Die Interaktionsmöglichkeiten mit den Delfinen sind aufgrund ihrer hohen Lernfähigkeit und guten Steuerbarkeit durch Handzeichen der Delfintrainer äußerst vielfältig. Dadurch ergeben sich auch für den Therapeuten vielfältige therapeutische Handlungsmöglichkeiten, die gezielt und systematisch eingesetzt werden können“, zeigt sich Diplom-Psychologe Prof. Dr. Erwin Breitenbach von der Humboldt-Universität in Berlin als Fürsprecher.

Unabhängig davon, ob die Therapie sinnvoll ist oder nicht: Der Bundesverband „autismus Deutschland e.V.“ und Eltern von behinderten Kindern berichteten dem WDSF, dass durch Spendenaktionen oft nur ein Teil der Kosten von bis zu 15.000 Euro für eine Delfintherapie zusammen kommen würde und der Rest dann teilweise durch Darlehn von den Eltern finanziert werden müsse.

Für Spendengelder, die in Deutschland bei gemeinnützigen Vereinen für personenbezogene Delfintherapien eingehen, dürfen Spendenbescheinigungen für das Finanzamt ausgestellt werden. Ortmüller: „Die Vereine kassieren die Spenden, erheben eigene Kostenerstattungen, haben manchmal gut bezahltes Personal und leiten den Rest an kommerzielle Delfintherapieanbieter im Ausland weiter. Dort sitzen dann oft Verbindungsleute, die an den Spendenaktionen partizipieren.“

Juristische Auseinandersetzungen

Der Düsseldorfer Delfintherapievermittler „dolphin aid e.V.“ verklagte das WDSF aufgrund seiner kritischen Berichterstattung über den „fragwürdigen Verein“ vor dem Landgericht Köln. Dort wurden jedoch 20 Klagepunkte mit Urteil vom 25.10.2017 (AZ 28 O 368/16) abgewiesen. Der vorsitzende Richter des LG Köln wies darauf hin, dass „dolphin aid“ sich Kritik gefallen lassen müsse und dass Inhalte der WDSF-Homepage über den Delfintherapievermittler bewiesen zutreffend seien. Über die Berufung von „dolphin aid“ entscheidet das Oberlandesgericht Köln am 5. Juli 2018 (AZ 15 U 170/17). In der mündlichen Berufungsverhandlung wies der Senat des OLG Köln bereits darauf hin, dass er voraussichtlich dem erstinstanzlichen Urteil des LG Köln im Wesentlichen folgen wird.

Während des Gerichtsverfahrens hatte sich herausgestellt, dass die „dolphin aid“-Gründerin Kirsten Kuhnert ihren Vorstandsposten bei dem Verein aufgegeben hatte und als bezahlte Managerin in das Delfintherapiezentrum CDTC auf Curacao gewechselt war. Ortmüller: „Vereine wie ,dolphin aid‘ betreiben bei Spendensammelaktionen ihre Abzocke. Gründer von solch fragwürdigen Vereinen wechseln dann, nachdem Millionen Euro Spendengelder alljährlich in die Vereinskasse gespült werden, zum Beispiel als bezahlte Mitarbeiter wie bei ,dolphin aid‘ in das selbst ernannte Delfintherapiezentrum. Das Leid der Delfine in Gefangenschaft ist offenbar allen Beteiligten egal.“

Gibt es Alternativen?

Im Jahr 2016 waren die Gründer des Delfintherapieanbieters „Dolphin Kids“ wegen Veruntreuung von Spendengeldern zu einer Zahlung von fast 190.000 Euro verurteilt worden, weil sie sich „hemmungslos an den Spendengeldern bedient hatten“, wie das Gericht formulierte, berichtet das WDSF.

Das WDSF warnt vor einer Teilnahme an einer Delfintherapie und beschreibt Alternativmöglichkeiten. „Ein Sonnenurlaub ohne Delfintherapie bringt in entspannter Atmosphäre den betroffenen Kindern mit ihren Eltern meist mehr als der Stress einer langen Anreise und der Angst der Kinder vor den Delfinen in Gefangenschaft“, meint WDSF-Geschäftsführer Ortmüller.

(RP/PM)

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2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Maik Tetonka Wolff

    29. Juni 2018 um 02:22

    Es ist mit jeder anderen Sache auch das gleiche. Egal ob schwerst Kranke oder scherbehinderte. Wir werten besonders abgezogt.

  2. Wolfsspitz

    29. Juni 2018 um 22:15

    Ich halte diese Delfintherapie für Tierquälerei und frage mich warum bei so etwas nicht Hunde oder anderen Haustieren genutzt werden. Ich würde nicht einen Euro für so einen Unsinn spenden.

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