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Barrierefreie Städte: München auf Platz 1, Hamburg ist Schlusslicht

Bayern

Barrierefreie Städte: München auf Platz 1, Hamburg ist Schlusslicht

80 Prozent der Befragten sehen ihre Stadt nicht als Vorbild für Barrierefreiheit. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage von Aktion Mensch.

München: Neues Rathaus und Marienplatz

Aus Sicht der Münchener ist die bayerische Hauptstadt die barrierefreiste Metropole in Deutschland, Schlusslicht ist Hamburg – das ergab eine repräsentative Umfrage der Aktion Mensch zum Thema „Wie barrierefrei ist meine Stadt?“.

Ob im Restaurant, in der Altstadt oder auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung: Immer wieder stoßen Bundesbürger mit und ohne Behinderung auf Hindernisse. So scheitert der Rollstuhlfahrer an einer Treppe ohne Rampe genauso wie die Mutter mit Kinderwagen oder der Radfahrer. Hürden wie diese hat die Aktion Mensch nun anhand von 15 Kriterien (z.B. öffentliche Infrastruktur oder öffentliche Einrichtungen) in den fünf deutschen Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main in ihrem Barriereindex ausgewertet.

München, Frankfurt, Berlin

Das Ergebnis: 80 Prozent der Befragten sehen ihre Stadt nicht als Vorbild für Barrierefreiheit. Dabei kommen die Münchener (hier geht es zu Ihrem Stadtmagazon: ROLLINGPLANET MÜNCHEN) mit den Barrieren in ihrer Stadt am besten zurecht. Danach folgen Frankfurt und fast gleichauf Berlin.

Defizite weisen in den Augen ihrer Bürger vor allem Köln und knapp dahinter Hamburg auf. Interessant dabei ist, dass die Kölner und Münchener Einwohner mit Behinderung ihrer Stadt bessere Noten geben, als Befragte ohne Behinderung.

Die Barriere-Fakten für München im Städtevergleich

Die Barriere-Fakten für München im Städtevergleich

– Freizeit:
In der Isarmetropole sehen die Münchener großen Handlungsbedarf bei der barrierefreien Gestaltung ihrer Freizeit, wie zum Beispiel beim Ausgehen (Berlin Platz 1, Frankfurt Platz 2, Köln Platz 3, Hamburg Platz 4).

+ Arbeit:
Auch wenn alle Städte mangelnde Gleichberechtigung bei den Arbeitsbedingungen beklagen, sehen die Münchener für Menschen mit und ohne Behinderung in ihrer Stadt noch die gleichberechtigsten Chancen auf einen Arbeitsplatz (Hamburg Platz 2, Berlin Platz 3, Frankfurt Platz 4, Köln Platz 5).

+ ÖPNV und Naherholungsgebiete:
Der Münchener Grüngürtel erhält im Städtevergleich die Bestnote für seine Barrierefreiheit (Frankfurt Platz 2, Berlin Platz 3, Köln Platz 4, Hamburg
Platz 5). Gut zu erreichen sind die Naherholungsgebiete für Menschen mit und ohne Behinderung mit Hilfe leicht zugänglicher Busse und Bahnen – so die Beurteilung der Münchener (Hamburg Platz 2, Berlin Platz 3, Frankfurt Platz 4, Köln Platz 5).

+ Sichtbarkeit:
Wie die Erstplatzierung der bayerischen Hauptstadt für ihre Barrierefreiheit bereits andeutet, sind für die Münchener Menschen mit Behinderung ein sichtbarer Teil des gesellschaftlichen Stadtlebens. Im Vergleich dazu stimmen die Hamburger dem in Bezug auf ihre Stadt am wenigsten zu.

Die Barriere-Fakten für Berlin im Städtevergleich

Die Barriere-Fakten für Berlin im Städtevergleich

+ Fernbahnhof:
In der Bundeshauptstadt erhält der Fernbahnhof im Städtevergleich die Bestnote für seine Barrierefreiheit (Frankfurt Platz 2, München Platz 3, Hamburg Platz 4, Köln Platz 5).

– Arbeit:
Für die unzureichende Anzahl an barrierefreien Arbeitsplätzen landet Berlin im Städtevergleich auf dem letzten Platz (München Platz 1, Frankfurt Platz 2, Köln Platz 3, Hamburg Platz 4).

– Kirchen:
Berliner kritisieren die mangelnde Barrierefreiheit ihrer Kirchen im Vergleich zu den anderen vier Großstädten am meisten (München Platz 1, Frankfurt Platz 2, Köln Platz 3, Hamburg Platz 4).

– Familienfreundlichkeit:
In der Spreemetropole wird aus Sicht ihrer Bewohner vergleichsweise wenig getan für Familien mit Kind. Als familienfreundlichste Stadt schneidet München ab.

+/– Insgesamt landet Berlin in den 15 Kriterien zum Barriereindex fast durchgehend im Mittelfeld.

Unterschiedliche Prioritäten

Gefragt nach dem Handlungsbedarf setzen die Befragten unterschiedliche Prioritäten. So sind sich Berliner, Hamburger und Münchner einig, dass vor allem die Zugänglichkeit öffentlicher Gebäude verbessert werden muss. In Köln liegt der größte Handlungsbedarf jedoch in der Nutzbarkeit von Wegen und öffentlichem Nahverkehr. In Frankfurt muss nach Einschätzung der Befragten insbesondere der barrierefreie Wohnungsbau ausgeweitet werden.

Insgesamt wünschen sich über zwei Drittel der Befragten in Bildungseinrichtungen (77 Prozent) und am Arbeitsplatz (75 Prozent) eine gleichberechtigte Teilhabe. 75 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen und gesellschaftlichen Minderheiten abgebaut werden müssen. Diese These stützen vor allem die Kölner und Hamburger, die Münchener sehen hier weniger Handlungsbedarf.

Kein Nischenthema mehr

Auf die Frage, wer grundsätzlich zum Abbau von räumlichen Barrieren und Vorurteilen beitragen kann, antworten die Bundesbürger durchaus selbstkritisch: Zwei Drittel sehen hier jeden Menschen in der Verantwortung. Wichtige Impulse werden von der Kommunalpolitik (46 Prozent), der Bundespolitik (40 Prozent) sowie den Unternehmen (35 Prozent) erwartet.

„Die Umfrage in den Großstädten macht deutlich, dass Barrierefreiheit kein Nischenthema der Behindertenhilfe- und Selbsthilfe mehr ist, sondern längst in den Köpfen aller angekommen ist“, kommentiert Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch, die Ergebnisse der Studie. Wie viele Menschen befragt wurden und wer die Umfrage durchführte, teilte Aktion Mensch nicht mit.

Jede Barriere ist eine zu viel

Motiv

Plakative Aktionstafel von Aktion Mensch

Anlass der Umfrage ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der sich am 5. Mai 2012 zum 20. Mal jährt. Unter dem Motto „Jede Barriere ist eine zu viel“ starten Organisationen der Behinderten- und Selbsthilfe mit Unterstützung der Aktion Mensch bundesweit über 600 Aktionen auf den Straßen und Plätzen der Republik.

„Mit den Aktionen am 5. Mai machen wir Barrieren sichtbar, die zahlreiche Menschen daran hindern, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, erklärt Georgi. „Die hohe Anzahl an Barrieren können wir nicht weiter hinnehmen, wenn wir eine inklusive Gesellschaft in Deutschland wollen.“

Foto: Wikipedia/Diliff> GNU Free Documentation License

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Erbse

    3. Mai 2012 um 19:14

    Mich ernsthaft frage wie es Berlin auf Platz 3 geschafft haben soll. Straßenpflaster der für Rollis Scheiße ist, viele U-Bahn-Stationen die nicht zugänglich sind und vieles mehr.

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