Kontaktieren Sie uns

Rollingplanet | Portal für Menschen mit Behinderung

Bedarf an Intensivpflege zuhause wächst – aber es fehlen Personal und Standards

Gesundheit & Medizin

Bedarf an Intensivpflege zuhause wächst – aber es fehlen Personal und Standards

Auf dem Markt für darauf spezialisierte Pflegedienste gibt es viel Wildwuchs. Auf der REHAB wollen Experten für eine Professionalisierung werben.

(Foto: Shutterstock)

(Foto: Shutterstock)

Der Bedarf an ambulanten Pflegediensten, die Intensivpflege anbieten, wächst bundesweit. Die Branche verzeichne Wachstumsraten zwischen zehn und 15 Prozent jährlich, sagte der Geschäftsführer des Ambulanten Intensivpflegeverbands Deutschland (IPV), Stephan Kroneder. Einheitliche Qualitätsstandards fehlten jedoch. Der Markt sei in den vergangenen fünf Jahren regelrecht explodiert, berichtete auch Sven Kübler vom Competenz Netzwerk Außerklinische Intensivversorgung (CNI) vor der am Donnerstag beginnenden Pflege- und Inklusionsmesse REHAB in Karlsruhe (Baden-Württemberg).

Dort wollen die Experten für eine Professionalisierung in diesem Segment werben. Sie fordern vor allem eine einheitliche gesetzliche Regelung für die Zulassung. „Wir brauchen eine eigene Zulassung, die auch die Qualitätsstandards festlegt“, sagte Kübler. „Der Markt ist zu ungeregelt, führt zu Wildwuchs und bringt gute Intensivpflegedienste in Verruf.“

Personalnot bei ambulanter Intensivpflege

In Baden-Württemberg stieg unterdessen nach Angaben des Sozialministeriums auch die Zahl der Wohngemeinschaften für Menschen mit intensivpflegerischem Bedarf. Im Jahr 2018 waren im Land bereits 37 von insgesamt 166 gemeldeten, ambulant betreuten Wohngruppen auf diese Klientel eingerichtet. Im Vergleich zu den Erhebungen davor ist dies nach Worten des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg ein deutlicher Anstieg.

Die Personalnot bei der ambulanten Intensivpflege sei „aufgrund der speziellen Anforderungen an die Fachkräfte deutlich größer, als in der Pflege allgemein“, betonte der Geschäftsführer des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Tews. „Wir werden älter und kränker und die Zahl der intensiv- und pflegebedürftigen Menschen wächst schneller, als potenzielle Fachkräfte geboren werden.“

Viele Intensivpatienten nicht versorgt

Vor allem die etwa 15.000 Menschen, die in Deutschland künstlich beatmet würden, benötigen laut bpa Intensivpflege. Die genaue Zahl der Schwerstpflegebedürftigen sei jedoch unbekannt. Gegenwärtig sei es für Intensivpflegedienste kaum möglich, neue Patienten aufzunehmen. „Das Resultat sind zahlreiche Intensivpatienten, die nicht versorgt werden können beziehungsweise im Krankenhaus verbleiben müssen.“

Einheitliche, für alle Kassenarten verbindliche Standards für ambulante Intensivpflegedienste gebe es bisher nicht, monierten Tews wie auch der Verband IPV. Letzterer verhandelt dazu nach eigenen Angaben gerade mit acht Kassen. Der bpa hat zumindest mit den Ersatzkassen einen bundeseinheitlichen Vertrag ausgehandelt.

Der Verband schätzt die Zahl der auf Intensivpflege spezialisierten Pflegedienste auf bundesweit etwa 650; der IPV spricht von rund 800. Beziehe man jene mit ein, die einzelne Intensivpatienten versorgten, dürften es zwischen 1.000 und 1.400 sein. Die Zahl der „normalen“ Pflegedienste bewegt sich unterschiedlichen Angaben zufolge zwischen 11.500 und 15.000.

(RP/dpa)

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiter(sc)rollen – Thema: Gesundheit & Medizin

Wir machen ROLLINGPLANET:

Neueste Beiträge

Top-Themen

Das Aufreger-Thema

Eine(r) von uns

Kristina Vogel bei der Verleihung der "Sport Bild"-Awards in Hamburg.

Eine(r) von uns

„Geht raus, traut euch!“

Von 21. August 2019

Gesellschaft & Politik

Am häufigsten gelesen

Neueste Kommentare

Aufzug