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Behindertenbeauftragter Dusel fordert mehr Bücher für Blinde

Für blinde und sehbehinderte Menschen

Behindertenbeauftragter Dusel fordert mehr Bücher für Blinde

Appell beim Besuch der Frankfurter Buchmesse dürfte jedoch vermutlich verhallen.

Der seit Mai 2018 neue Behindertenbeauftragte der Bundesregierung,  Jürgen Dusel,(Foto: Soeren Stache/dpa)

Der seit Mai 2018 neue Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel,(Foto: Soeren Stache/dpa)

Blinden Menschen soll nach einer Forderung des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel, ein besserer Zugang zur Literatur ermöglicht werden. „Wichtig wäre vor allem eine langfristige und verlässliche Finanzierung der Blindenbibliotheken sowie deren Befreiung von urheberrechtlichen Vergütungspflichten“, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch der Frankfurter Buchmesse. Nach seinen Angaben sind derzeit nur rund fünf Prozent aller veröffentlichten Werke in Deutschland für blinde, sehbehinderte und lesebehinderte Menschen barrierefrei zugänglich.

Bundestag entscheidet

Voraussichtlich am Donnerstag nächster Woche entscheidet der Bundestag über einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Urheberrechts. Dieser sieht jedoch laut Dusel keine finanzielle Unterstützung für Bibliotheken vor, mit der diese mehr Bücher als Hörbücher oder in Blindenschrift anbieten könnten. Dusel (der selbst sehbehindert ist):

„Der bislang vorliegende Gesetzentwurf ist verbesserungsfähig, denn es besteht die Gefahr, dass sich die derzeitige Situation für die Betroffenen nicht verbessert, sondern aufgrund zusätzlicher Verpflichtungen für Blindenbibliotheken eher noch verschlechtert. Wir müssen die gleichberechtigte Teilhabe an schulischer und beruflicher Bildung, Kultur sowie Politik und Gesellschaft gewährleisten. Menschen mit Behinderungen müssen endlich die Chance haben, sich wie alle anderen auch aus Literatur, die der Allgemeinheit zugänglich ist, zu informieren.“

Hintergrund
Jürgen Dusel (2 v.r..) mit (v.l.n.r.) Elke Dittmer (Geschäftsführerin der Stiftung Centralbibliothek für Blinde), Thomas Kahlisch (Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde, DZB) und Sarah Bohnert (Mitarbeiterin DZB). (Foto:  Behindertenbeauftragter)

Jürgen Dusel (2 v.r..) mit (v.l.n.r.) Elke Dittmer (Geschäftsführerin der Stiftung Centralbibliothek für Blinde), Thomas Kahlisch (Direktor der Deutschen Zentralbücherei für Blinde, DZB) und Sarah Bohnert (Mitarbeiterin DZB). (Foto: Behindertenbeauftragter)

Deutschland ist verpflichtet, den Vertrag von Marrakesch beziehungsweise die entsprechende EU-Marrakesch-Richtlinie auf nationaler Ebene umzusetzen. Ziel des Vertrags von Marrakesch ist es, deutliche Verbesserungen beim Zugang für blinde und sehbehinderte Menschen zu bewirken. Anfang dieser Woche Montag (8. Oktober) fand bereits eine Anhörung im zuständigen Bundestagsausschuss für Recht und Verbraucherschutz statt.

Verlage sind nicht verpflichtet, Bücher und Hörbücher barrierefrei am Markt anzubieten. Daher haben es Blindenbibliotheken in Deutschland übernommen, Literatur für Menschen mit Sehbehinderungen barrierefrei aufzubereiten, zum Beispiel in Braille-Schrift oder als Hörbuchfassungen. Diese Bibliotheken finanzieren sich überwiegend aus Spenden der Nutzerinnen und Nutzer. Der bislang vorliegende Gesetzentwurf sieht keine konkrete finanzielle Unterstützung vor, damit deutlich mehr Literatur barrierefrei gemacht werden kann und der Vertrag von Marrakesch vollständig umgesetzt wird. Gefährdet wird die Arbeit der Blindenbibliotheken auch durch die urheberrechtlichen Vergütungspflichten gegenüber Verlagen und Verwertungsgesellschaften und die vorgesehenen bürokratischen Pflichten gegenüber dem Deutschen Patent- und Markenamt. Auch die von Deutschland umzusetzende UN-Behindertenrechtskonvention würde mit dem Gesetzesentwurf in Bezug auf den Zugang zu Informationen (Artikel 21) und Teilhabe am kulturellen Leben (Artikel 30) nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Internationale Bibliotheken Vereinigung (International Federation of Library Associations and Institutions IFLA) bewertet den Gesetzesentwurf in einem Bericht ebenfalls als unzureichend.

(RP/dpa)

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