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Blinde Kundin rausgeworfen: So unverschämt war Discounter Netto

Alltag

Blinde Kundin rausgeworfen: So unverschämt war Discounter Netto

ROLLINGPLANET exklusiv: Statt Markenprodukten gab es Diskriminierung. Das Unternehmen schließt trotzdem personelle Konsequenzen aus.

Netto – Lass Dich überraschen!

Wie ROLLINGPLANET berichtete, warf am Samstag im Koblenzer Stadtteil Lützel ein Lebensmitteldiscounter eine blinde Kundin wegen ihres Blindenhundes raus, obwohl EU-weit die Vorschrift gilt, dass Fürhunde auch in Geschäfte, die nicht verpackte Lebensmittel anbieten, mit hinein dürfen. Bei dem in den Agenturmeldungen nicht namentlich genannten Unternehmen handelt es sich, wie ROLLINGPLANET-Recherchen ergaben, um Netto, eine Tochterfirma der Edeka-Gruppe. Der Discounter hat mit dieser Aktion sein Versprechen gehalten: „Lass Dich überraschen!“ lautet der Werbeslogan von Netto.

Die Kundin, die keine sein durfte, ist die 54-jährige Astrid Uhlig, die aufgrund einer Glaukom-Erkrankung erblindet ist. Die Touristin aus Warendorf (Nordrhein-Westfalen) erlebte die böse Überraschung, als sie gegen Mittag gemeinsam mit ihrem Ehemann Reinhard und Schäferhund Lasso den Supermarkt betrat: „Sofort kam eine sehr unfreundliche Dame auf uns zu und forderte uns auf, das Geschäft zu verlassen“, so Reinhard Uhlig (65) im Gespräch mit ROLLINGPLANET. Man habe mit der Verkäuferin, die sich später als Filialleiterin entpuppte, diskutieren wollen – vergebens. Er könne seine Frau mit dem Hund hinausschicken und alleine einkaufen, entgegnete die leitende Netto-Mitarbeiterin. Vielleicht heißt es ja demnächst bei Netto: „Willst Du einen Joghurt, kriegst Du Zynismus.“

Auch die Polizei hat keinen Erfolg

Das Ehepaar tat das aus ROLLINGPLANET-Sicht einzig Richtige: Man suchte die Polizei auf. Dort sei man „richtig verärgert“ über das Verhalten von Netto gewesen. Eine Solidarität, die den Uhligs gut getan hat. Mit zwei Beamten kehrten sie wieder zum Discounter zurück. Dort habe man vor dem Eingang gewartet, während die Polizisten in den Verkaufsräumlichkeiten das Gespräch mit der Filialleiterin suchten und sie über die rechtlichen Bestimmungen aufklärten – erneut vergebens: Sie bestand auf ihr Hausrecht, das Ehepaar Uhlig durfte nicht mehr gemeinsam herein. Nach 20 Minuten war das Gespräch mit den Beamten beendet.

Bis zur Stunde hat sich Netto bei Astrid Uhlig nicht entschuldigt. Auf ROLLINGPLANET-Anfrage teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit, man müsse den Fall erst noch prüfen und werde sich bald mit einer Stellungnahme melden. Diese wird ROLLINGPLANET Ihnen nicht vorenthalten, sobald sie bei uns eingetroffen ist. Die Sprecherin schloss aber bereits jetzt personelle Konsequenzen aus, in solch einem Fall sei nur eine „Nachschulung“ üblich. ROLLINGPLANET fragt sich: Wird der nicht-diskriminierende Umgang mit behinderten Menschen überhaupt geschult – oder immer erst nachträglich? Wir lassen uns überraschen.

Hier geht es zur Stellungnahme von Netto

(RP)


Wir haben den Netto-Markt in Lützel auf die ROLLINGPLANET-Watchlist gesetzt.


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17 Kommentare

17 Kommentare

  1. W.W.

    23. Juli 2012 um 16:41

    Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun. Ich finde auch nicht, dass das unverschämt war. Der Vorschlag war ja, dass der Mann einkauft. Das hätten das Ehepaar Uhlig alternativ auch gemeinsam machen können und den Hund derweil draussen lassen können. Aber nein – sie wollten Stunk. Kein Mitleid…

  2. Irmgard

    23. Juli 2012 um 16:53

    Hääää? Mitleid? Stunk? Was sind Sie für einer, W.W.??? Hier geht es um Recht!

  3. Gadi

    23. Juli 2012 um 17:09

    Aha, Behinderte die sich wehren, wollen nur Stunk! Ich gehöre nicht zu den „Behinderten“ die viel meckern, aber es macht mich traurig wenn ich Ihre Stellungnahme lese, Herr W.W. Unser größtes Problem sind nicht Treppen oder andere bauliche Schwierigkeiten, sondern ignorante Menschen!

    • W.W.

      23. Juli 2012 um 18:01

      Ich gehöre auch zu den „Gehandicapten“ und kann es nur wiederholen: Menschen wie die Uhligs tun damit nichts Gutes für die Akzeptanz und Integration von Menschen mit Handicap – ganz im Gegenteil.

  4. Sue

    23. Juli 2012 um 18:02

    ich fasse es nicht! Jetzt wird hier diskutiert, ob da jemand Stunk macht oder nicht… klar ist doch, dass Frau Uhlig eindeutig im Recht war und basta ! Alternativangebote von Netto oder wem auch immer sind indiskutabel.

  5. Puh

    23. Juli 2012 um 18:05

    Ich beschwere mich in Zukunft auch über die Geruchsbelästigung (ganz zu schweigen von der optischen Zumutung ) verschwitzer, adipöser Achselshirtträger beim Einkaufen und hoffe dann, dass das (angeblich) optimal geschulte Personal adäquat reagiert und dem Stein meines Anstoßes zumindest zum Kauf eines Deos rät…

  6. W.W.

    23. Juli 2012 um 18:13

    Und hier ist das „Recht“ eindeutig auf der Seite von Netto: Blindenhunde werden in die Geschäftsräume gelassen, wenn der Blinde allein unterwegs ist. Hier war der sehende Herr Uhlig als Begleitperson dabei und damit die Mitnahme des Hundes nicht notwendig. Vorschläge seitens der Filialleitung wurden ausgeschlagen und statt dessen die Polizei bemüht… das riecht nach Extrawurst und Stunk, mit Verlaub.

    Ihre ebenfalls aggressive Art mit übermässiger Verwendung von Satzzeichen zeigt aber leider auch ganz deutlich, wie Sie „Recht“ verstehen und dass Vernunftserklärungen in Ihre Richtung wohl sinnlos sind.

  7. X.X.

    23. Juli 2012 um 18:22

    Und Sie sind nicht zufällig der Ehemann der Filialleiterin, W.W.?

    • W.W.

      23. Juli 2012 um 19:04

      Nein, bin ich nicht – ich wohne auch nicht in Koblenz.
      Und wie ich oben schon schrieb, bin ich selbst gehandicapt.

      Und ich wiederhole es gern auch noch ein drittes Mal: Menschen wie die Uhligs tun mit solchem Verhalten nichts Gutes für die Akzeptanz und Integration von Menschen mit Handicap – ganz im Gegenteil.

  8. Andreas Korda

    23. Juli 2012 um 19:43

    Für mich als Rolli ist es schon ätzend genug wenn ich beim Flug o.ä. meinen Rollstuhl abgeben soll. Daran ändert auch nichts wenn ich in Begleitung bin. So wie der Rollstuhl für mich unverzichtbar ist muss es für einen blinden Menschen vermute ich noch sehr viel wichtiger sein, seinen Blindenhund dabei zu haben. Ich sollte mal in einer Diskothek nach langen Verhandlungen die „Sondererlaubnis“ bekommen mich auf einen Stuhl zu setzen und an einen Tisch Platz zu nehmen, während der Rollstuhl irgendwo in einer Abstellkammer untergebracht werden sollte wo er nicht auffällt. Ich habe dankend abgelehnt. Ich finde die Empörung in dem Fall hier absolut gerechtfertigt bzw. absolut zwingend.

  9. Leipnitz

    9. September 2012 um 19:11

    Rausschmeissen so ein Leiterin, das ist doch wohl das allerletzte.
    ich wünsche ihr auch ein Gleukom.

  10. Fee3331

    7. Januar 2013 um 15:40

    ich denke das man auch behinderte möglichst normal behandeln soll, wenn möglich und da der sehende mann dabei war, wäre es mit sicherheit auch ohne hund gegangen….es sei denn der hund kennt alle preise so gut , das er unverzichtbar ist…nun ja…wer weiss das schon…

  11. Netto Kunde

    26. Juli 2013 um 13:03

    Solche Zustände findet man auch bein Netto in Köthen (Anhalt), Geuzer Straße. 38. Da wird man mit Rollstuhl ebenso dikriminiert. Frau Schöbe hieß die nette Kassiererin, die nicht verstehen wollte, dass man mit Rollstohl keinen Einkaufskorb schieben kann. Bei dieser Netto-Filiale ist man eben so gar nicht nett. In Köthen gibt es noch einen 2. Netto-Markt, wo alle freundlich sind. Es liegt halt immer an der Filialleitung.

  12. Netto Kunde

    26. Juli 2013 um 13:15

    Ach ich vergaß zu erwähnen, dass sich ein anderer Kunde einmischen musste und dieser Kassiererin recht gab. Und zwar ohne zu verstehen worum es geht. Ein gesellschaftliches Problem, vermute ich…

  13. georg merklein

    26. Juli 2013 um 23:40

    ich frage mich, was ist hygienischer, ein blindenfuehrhund oder die vom geld bakterienverseuchten haende der kassierer(innen) , welche unter anderem auch offene lebensmittel ueber den scanner ziehen. dasselbe gilt auch fuer baeckerei und fleisch-/ wurstabteilung…

  14. Edeka Kunde

    4. Oktober 2013 um 14:34

    Im Edeka von Reinhilde Heyer, Am Wassersturm in Köthen, ist man mit einem Rollstuhl ebenso unerwünscht und wird diskriminiert. Angefangen von unpassierbaren Gängen, zu engem Kassenbereich bis hin zu empathielosen Verkäuferinnen…

    @georg merklein
    Vollkommen richtig, ich habe diesen Mißstand schon mal angesprochen, dass man doch Lebensmittelhandschuhe nehmen könnte, worauf man mich anmaulte, was ich denn wolle…

  15. Wolfsspitz

    4. April 2017 um 21:19

    Welcher Idioaber verlang das man einen Blindenführhund draußen vor dem laden anbindet. Mit etwas mehr nachdenkem sollte eienm Klar werden warum das ein NoGo ist. So ein Tier ist kein normales Haustier das ist ein sehr teuer Ausgebildetes Hilfsmittel und so einen Hund bindtet man bestimmt nicht vor einem Laden an. Da gbt es kein Wenn und Aber sondern eigendlich nur eines eine Geldstrafe für den Laden wegen Diskriminierung. Ach ich vergass, ich lebe im Rückständigen Deutschland. bei uns ist Inklusion nur ein Lippenbekenntnis ohne Konsequenzen .

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