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Bundesweite Bewegung gegen drohenden Therapienotstand

Gesellschaft & Politik

Bundesweite Bewegung gegen drohenden Therapienotstand

„Therapeuten am Limit“: Wissenschaftler warnen die Politik davor, die vom Physiotherapeuten Heiko Schneider angestoßene Diskussion zu ignorieren.

Post für Gesundheitsminister Jens Spahn. (Foto: IWN)

Post für Gesundheitsminister Jens Spahn. (Foto: IWN)

Mehr als 1.300 Brandbriefe an Gesundheitsminister Jens Spahn werden zurzeit von zwei Forscherinnen der Alice Salomon Hochschule Berlin ausgewertet. In ihnen beschreiben Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und andere Heilmittelerbringer die Missstände in ihrem Arbeitsfeld und unterbreiten der Politik Lösungsvorschläge. Der Tenor: Gibt es kein Umdenken, wird auf den Pflegenotstand ein Therapienotstand folgen.

Die ersten Schritte nach einem schweren Unfall, die ersten Worte nach einem Schlaganfall, den eigenen Alltag in den Griff bekommen – Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und andere sogenannte „Heilmittelerbringer“ sind essentiell für die gesundheitliche Versorgung der Gesellschaft. Ihre Arbeitssituation ist hingegen prekär: Fachkräftemangel, eine teure Ausbildung mit veralteten Inhalten, eine zu geringe Vergütung durch die Krankenkassen und fehlende Wertschätzung.

Prof. Dr. Heidi Höppner, Professorin für Physiotherapie an der Alice Salomon Hochschule Berlin: „In den Briefen wird deutlich, dass die anhaltend schlechten Rahmenbedingungen zunehmend zur ‚Flucht‘ aus den Berufen führen. Eine flächendeckende Versorgung von Patienten ist damit ernsthaft gefährdet – eine Entwicklung, die sich eine alternde Gesellschaft nicht leisten kann.“

In einem Zwischenbericht vom Juli 2018 wiesen die Forscherinnen bereits darauf hin, dass insbesondere im Hinblick auf die Patientenversorgung drastische Missstände erkennbar sind: Neben Hinweisen auf Fehl- oder Unterversorgung werde in den Briefen von teils lebensbedrohlichen Situationen, z.B. in der Schlaganfallversorgung, berichtet. Ziel der Auswertung ist es, die Situation der Therapeuten in Deutschland detailliert darzulegen und Veränderungs- und Lösungsvorschläge aus der Praxis zu systematisieren, um so einen wertvollen Beitrag für die gesundheitspolitische Diskussion zu leisten.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, die Therapeutenverbände Mitte September zum Krisengespräch zu treffen.

Angestoßen wurde die Bewegung im Sommer 2018 von Physiotherapeut Heiko Schneider, der seinem Ärger mit einem Brandbrief an Jens Spahn und einer anschließenden Fahrradtour von Frankfurt am Main bis zum Bundesgesundheitsministerium Luft machte. Deutschlandweit folgten tausende Therapeuten seinem Beispiel, sehr häufig unterstützt vom eigenen Patientenstamm. Sie berichteten unter den Hashtags #therapeutenamlimit und #ohnemeinenphysiotherapeuten von ihrem Alltag, sammelten Stimmen in einer Online-Petition, übermittelten eigene Brandbriefe an das Gesundheitsministerium und protestierten am 25.8.2018 bundesweit in mehr als 240 Städten unter dem Schlagwort #kreideaktion für bessere Arbeitsbedingungen.

(RP/PM)

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