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Cochlea Implantat – wie würden Realitäten ohne Zwang aussehen?

Für gehörlose und schwerhörige Menschen

Cochlea Implantat – wie würden Realitäten ohne Zwang aussehen?

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. veranstaltet am 28. November eine Fachtagung zu einem brisanten Thema.

Im Mai 2013 traf der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Rahmen seines Wahlkampfes im Hörzentrum der Medizinischen Hochschule (MHH) in Hannover den 10-jährigen Julius, der ein Cochlea-Implantat zum Hören trägt. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Im Mai 2013 traf der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Rahmen seines Wahlkampfes im Hörzentrum der Medizinischen Hochschule (MHH) in Hannover den 10-jährigen Julius, der ein Cochlea-Implantat zum Hören trägt. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Seit November 2017 entwickelt sich ein erster juristischer Präzedenzfall in Deutschland, wonach einem gehörlosen Kleinkind gegen den Willen seiner gehörlosen Eltern ein Cochlea-Implantat (CI) eingesetzt werden soll. Dieses Thema verfolgt der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. bereits seit vielen Jahren mit großer Sorge, insbesondere die derzeitigen Auseinandersetzungen um die Cochlea-Implantationen.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. veranstaltet die Fachtagung „Cochlea Implantat – Realitäten ohne Zwang“ in Kooperation mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Diese Tagung findet am Mittwoch, 28. November 2018 im Kleisthaus, Mauerstraße 53, in 10117 Berlin statt. Für die Fachtagung sind Einladungen an Mitgliedsverbände des DGB, verschiedene Verbände und Einrichtungen sowie Experten verschickt worden. Zudem ist der vorhandene Raum auf maximal 90 Personen begrenzt. Deswegen können keine weiteren Anmeldungen mehr entgegengenommen werden. Allerdings wird die Fachtagung gefilmt und danach für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, übernimmt die Schirmherrschaft für die Fachtagung.

Wer spricht und berichtet?

Zur Eröffnung der Fachtagung werden Vanessa Ahuja, Leiterin der Abteilung V im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Jürgen Dusel, Prof. Dr. Ulrich Hase, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände e. V., sowie Helmut Vogel, Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bund e. V., die Grußworte halten.

Dann werden sechs Betroffene, Tanja Wolters mit ihrer Tochter Isea, Nadine von Deetzen mit ihrer Tochter Jette, Tina Ehmann und Julia Probst über ihre Erfahrungen mit CI berichten.

Dr. Ulrike Gotthardt, Präsidiumsmitglied des Deutschen Gehörlosen-Bundes, wird den Einführungsvortrag über das Thema „CI-Versorgung aus Sicht des DGBs und Ergebnisse der Umfrage“ präsentieren. Dann wird Prof. Dr. Christian Rathmann seinen Vortrag „Kognitive, psychosoziale und sprachliche Risiken im Fall eines Sprachentzugs bei Kindern mit Hörbehinderung (‚language deprivation‘)“ halten. Danach wird Prof. Dr. Claudia Becker über „Chancen und Formen der bilingualen Sprachbildung mit Laut- und Gebärdensprache bei Kindern mit einer Hörbehinderung“ referieren. Über „Ethische Aspekte der CI-Versorgung“ wird anschließend Dr. Katrin Bentele einen Vortrag halten.

Nach der Mittagspause gibt es vier Vorträge in dieser Reihenfolge: Prof. Dr. Gisela Szagun spricht über „Zweisprachigkeit – der sicherste Weg zur Sprache: empirische Evidenz von Kindern mit CI“, Karin Kestner über „Diagnose gehörlos – was Ärzte Eltern raten“, Simone Bräunlich über „Beratungsqualität und deren Informationsmöglichkeiten für Eltern von hörbehinderten Kindern – aus erfahrungsbasierter Perspektive der betroffenen Eltern“ sowie
Dr. Karen Jahn über „CI-Versorgung bei Kindern und Jugendlichen aus psychologischer Sicht – im Spannungsfeld von Individuum, Familie und Gesellschaft“.

Podiumsdiskussion mit Politikern

An der anschließenden Podiumsdiskussion „Der Weg zu einem risikominimierten, gesicherteren Langzeiterfolg auf der Grundlage einer bimodal-bilingualen Erziehung mit Gebärdensprache für hörbehinderte Kinder mit und ohne CI“ nehmen die behindertenpolitischen Sprecher und Sprecherinnen Angelika Glöckner (SPD-Bundestagsfraktion), Jens Beeck (FDP-Bundestagsfraktion), Corinna Rüffer (Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion) und Sören Pellmann (DIE LINKE-Bundestagsfraktion) sowie Prof. Dr. Christian Rathmann, Prof. Dr. Gisela Szagun und Dr. Ulrike Gotthardt teil. In dieser Runde werden die Problematik, die Chancen und Risiken von CIs, die Wahrung der Autonomie der Eltern einschließlich der Frage nach der Kindeswohlgefährdung, die gleichberechtigte Einbeziehung der Gebärdensprache sowie betroffener Gehörloser als Experten in eigener Sache in die Vor- und Nachsorge erörtert.

Danach wird es eine Abschlussdiskussion mit dem Publikum geben. Beendet wird die Fachtagung mit einem Schlusswort des Präsidenten des DGB, Helmut Vogel.

Die Veranstaltung wird in Deutscher Gebärdensprache und in gesprochener und geschriebener Sprache abgehalten, dem entsprechend wird von sechs Dolmetscherinnen übersetzt.

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. stellt in Bezug auf CI die Forderungen nach

• einer verpflichtenden Festschreibung von Angeboten zum Erlernen der Gebärdensprache sowie zur Beratung und Begleitung durch gehörlose gebärdensprachkompetente Erwachsene mit Gebärdensprachkompetenz im Rahmen der Implantationsvorsorge und -nachsorge für die CI-Zentren und Reha-Einrichtungen,
• der Unterstützung für gehörlose Eltern, die in der Ausübung des Sorgerechts über die Implantation und über die weitere Behandlung selbst bestimmen dürfen,
• der öffentlichen Ausschreibung eines Forschungsauftrags zur Untersuchung der physisch-kognitiven, psychischen und psychosozialen Entwicklung von nach Schule und Ausbildung im Berufs- und Familienleben stehenden erwachsenen CI-Träger/-innen, denen das CI im Kindesalter implantiert wurde. Dieser Forschungsauftrag sollte durch eine unabhängige, im gleichen Verhältnis mit hörenden und gehörlosen Experten besetzte Kommission an eine unabhängige und neutrale Universität bzw. Forschungseinrichtung vergeben werden und im weiteren Verlauf von dieser Kommission kontrolliert werden.

(RP/PM)

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Roswitha Rother

    19. November 2018 um 12:21

    Ist das Unterlassen einer Implantation nicht auch ein Zwang der Eltern ggü. ihrem Kind lebenslang in einer stillen Welt zu leben?

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