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Das war die REHACARE 2018

Nordrhein-Westfalen

Das war die REHACARE 2018

50.600 Besucher kamen zur internationalen Fachmesse für Rehabilitation und Pflege in Düsseldorf. Für einen Blogger wurde es ungemütlich – auf der Heimfahrt.

Innovationen rund um Rehabilitation und Pflege sorgten bei der REHACARE 2018, die am Samstag, 29. September, nach vier Tagen in Düsseldorf endete, für volle Messehallen. 50.600 Betroffene, ihre Angehörigen sowie internationale Branchenexperten informierten sich bei der Rekordzahl von 967 Ausstellern aus 42 Ländern über Hilfen, die Menschen mit Behinderung, Pflegebedarf und im Alter ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Damit verzeichnet die Fachmesse auch bei der Besucherzahl ein Spitzenergebnis. Einer der am häufigsten angesprochenen Gäste war Samuel Koch (siehe Video oben).

„Wie man mit Behinderung, bei Pflegebedarf und auch im Alter seinen Alltag aktiv und eigenständig bewältigen kann, zählt zu den zentralen Fragen unserer Zeit. Die demografische Entwicklung, die damit verbundene Pflegeproblematik, aber auch die wachsenden Ansprüche der Betroffenen an Autonomie und Teilhabe treiben den Markt dazu an, immer leistungsfähigere Hilfen für nahezu jedes Handicap und jede Zielgruppe anzubieten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Digitalisierung, die die Entwicklung barrierefreier Produkte fördert und damit mehr Inklusion möglich macht,“ kommentiert Horst Giesen, Global Portfolio Director Health and Medical Technologies, Messe Düsseldorf, das Ergebnis der REHACARE 2018.

Die Aussteller aus dem In- und Ausland zeigten bei der REHACARE 2018 eine Fülle von Neuheiten und Weiterentwicklungen, darunter viele hochindividuelle Lösungen von Startups, hinter denen oft die Idee stand, eigenen Angehörigen das Leben zu erleichtern.

Dr. Martin Danner, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, lobte die Vielfalt und Qualität des Angebots in den Messehallen. „Wer sich einen Überblick über die Hilfen verschaffen möchte, die Menschen mit Behinderung heute zur Verfügung stehen, kommt an der REHACARE nicht vorbei. Hier wird alles geboten, von der Alltagshilfe bis zum Hightech-Produkt. Wir als Selbsthilfe-Vereinigung begrüßen es sehr, dass der Gesetzgeber die Weichen für eine schnellere Aktualisierung des Hilfsmittelverzeichnisses der Gesetzlichen Krankenkassen gestellt hat. Betroffene werden dadurch künftig stärker vom technischen Fortschritt profitieren als in der Vergangenheit.“ Die BAG Selbsthilfe vertritt als bundesweiter Zusammenschluss von 120 Organisationen die Interessen behinderter und chronisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen.

Mobilität für Menschen mit Behinderung war auch in diesem Jahr wieder das große Thema der REHACARE. Das Angebot reichte von intelligenten Gehhilfen bis zu komplexen Assistenzsystemen wie computergesteuerten Orthesen, Rollstühlen mit Augensteuerungen und Exoskeletten. Fast jeder zweite Besucher wollte sich über Neuheiten in diesem Bereich informieren. Das gilt auch für das Produktsegment Alltagshilfen.

Jeder Dritte interessierte sich für Pflegehilfsmittel, die Orthopädietechnik und technische Hilfen für Kommunikation und Information. Rund 25 Prozent suchten die Stände in der Autoschau der REHACARE auf.

Einige digitale Highlihts der REHACARE
(Foto: Messe Düsseldorf)

(Foto: Messe Düsseldorf)

Äußerlich unterscheidet sich der Gehstock nicht von anderen. Doch er hat es buchstäblich in sich: In den Aluminium-Stock, der auf der Rehacare vorgestellt wurde, ist eine GPS-Funktion und ein Notrufsystem eingebaut. Der Nutzer kann damit Alarm auslösen, aber auch überall in Deutschland und Europa von Angehörigen oder Pflegern geortet werden.
Viele Angebote betreffen die Mobilität und Kommunikation im Alltag oder im Urlaub – zum Beispiel ein faltbarer Autositz für behinderte Kinder oder eine „Zitter-App“ für Parkinson-Kranke. Die Digitalisierung ist Motor vieler Neuerungen, aber manche Produkte gehören auch in die Kategorie Lifestyle.
Dazu gehört ein Elektromobil für Senioren im Vintage-Look. Das niedliche Modell ist einem Ford-T-Modell aus den 1920er Jahren nachempfunden. Es sieht aus wie ein Kirmes-Fahrzeug, ist aber für Fahrten im Außenbereich und im Straßenverkehr geeignet. Zielgruppe sind Senioren, die sich nur eingeschränkt bewegen können.
Menschen mit Zitterbewegungen der Hand können Touchscreens von Smartphones oder Tablets meist nicht gezielt bedienen. Speziell für sie wurde ein Maus-Adapter entwickelt. Aus den Zitterbewegungen kann die gewünschte Aktion errechnet werden. Die Betroffenen können dann nach Angaben der Messe marktübliche Geräte benutzen.
Eine intelligente Matratze mit eingebauten Sensoren kann Angehörige bei der Pflege entlasten. Die Sensoren erfassen Körperfunktionen und Bewegungen des Liegenden und übermitteln sie auf das Smartphone eines Angehörigen.
(dpa)

Intensiv genutzt wurden auch die vielfältigen Informations- und Beratungsangebote in den Foren und Themenparks der REHACARE. Im Mittelpunkt stand dabei das REHACARE-Forum mit seinen Vorträgen und Podiumsdiskussionen zu Themen wie Wohnen im Alter und den Auswirkungen des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes auf die Betroffenen. Rund 400 Wundexperten, Pflegefachkräfte und Fachleute aus spezialisierten Bereichen der stationären Pflege wie der Palliativ-Versorgung besuchten das Fortbildungs- und Informationsprogramm, das die Pflegeakademie Niederrhein aus Willich im Forum Leben mit Pflege@home anbot.

Aussteller hoffen auf gutes Geschäft

Top-Noten holte sich die REHACARE 2018 bei ihren Ausstellern ab. Gut 90 Prozent waren repräsentativen Befragungen zufolge mit dem Messeverlauf zufrieden, für 83 Prozent war die Messe bereits ein geschäftlicher Erfolg. 88 Prozent rechnen mit einem guten Nachmessegeschäft.

„Die REHACARE ist für uns die wichtigste internationale Messe, um Endkunden zu erreichen,“ so Philipp Hoefer, Leiter Vertrieb und Marketing bei der Otto Bock HealthCare Deutschland GmbH, Duderstadt. „Wir registrieren einen deutlichen Besucheranstieg und sind mit den Resultaten in diesem Jahr hoch zufrieden. Mit unseren Produkten und Services in den Bereichen Mobilität, Prothesen und Orthesen decken wir ein breites Spektrum ab. Im Fokus standen bei uns die erste elektronische Beinorthese C-Brace sowie Bandagen mit individuell programmierbaren Elektroden zur Nervenstimulation.“

Sabine Tonye, Leiterin Marketing von ReWalk Robotics schätzt es vor allem, dass die REHACARE sowohl Informationsplattform für Betroffene als auch für internationale Fachbesucher ist. „Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal den Soft Exosuit vorgestellt, der bei Schlaganfall-Patienten mit Fußheberschwäche in der frühen Rehabilitation eingesetzt werden soll. Wir sind mit der Resonanz auf unsere Präsentation sehr zufrieden und konnten viele bestehende Kontakte vertiefen, aber auch neue Kunden gewinnen.“

Rund 9.000 Fachbesucher aus Vertrieb, Import und Einkauf kamen in diesem Jahr aus dem Ausland zur REHACARE. Sie reisten aus über 80 Ländern an und sind vor allem für die exportorientierte Hilfsmittelindustrie unverzichtbar.

Premiere für M-Enabling Forum

Der Kongress „Wir fürs Quartier“ zum Thema „Leben im Quartier digital gestalten“ begleitete die REHACARE 2018 am 28. September. 170 Sozialdienstleister, Vertreter aus Kommunen, Wohnwirtschaft und organisierter Bürgerschaft nutzten die Gelegenheit, von bereits erprobten Quartierskonzepten zu lernen, die digitale Angebote einbeziehen. Im Mittelpunkt standen dabei telemedizinische Anwendungen für die Gesundheitsvorsorge, Smart Home-Lösungen und Online-Plattformen, die Menschen an ihrem Wohnort mit Nachbarn und lokalen Dienstleistern vernetzen.

Eine gelungene Premiere feierte das erste europäische M-Enabling Forum in Düsseldorf. Die Tagung mit begleitender Ausstellung informierte am 27. September über barrierefreie Kommunikationstechnologien und digitale Hilfen für Senioren und Menschen mit Einschränkungen. Regine Gessner, Managing Director Germany des Veranstalters von E.J. Krause & Associates, zeigte sich „überaus zufrieden“ mit der ersten Ausgabe der Veranstaltung. 150 internationale Teilnehmer verfolgten die Vorträge von 30 Gastrednern und besuchten die Stände von 18 Ausstellern im Foyer des Düsseldorfer Congress Centers CCD Süd. „Der Austausch zwischen Kongressbesuchern, Rednern und Ausstellern war überaus rege. Wir haben durchweg positive Rückmeldungen erhalten und bereits erste Zusagen für die Teilnahme am zweiten M-Enabling Forum während der REHACARE 2019,“ so die Geschäftsführerin.

Im Gesamturteil ihrer Besucher schließt die REHACARE 2018 hervorragend ab: 94 Prozent waren mit der Messe und ihren Angeboten zufrieden.

Die nächste REHACARE findet in Düsseldorf vom 18. bis 21. September 2019 statt.

Wenn die DB bei der Evakuierung nicht auf Rollstuhlfahrer eingerichtet ist
Zu schmal für Rollstühle: Das Rettungssystem der Deutschen Bahn. (Foto: Krauthausen)

Zu schmal für Rollstühle: Das Rettungssystem der Deutschen Bahn. (Foto: Krauthausen)

Behindertenaktivist und Blogger Raúl Krauthausen erlebte auf der Rückreise von Düsseldorf nach Berlin eine Horrorfahrt mit der Deutschen Bahn. Mit vielen Stunden Verspätung kam er in der Hauptstadt an: „Der Gashebel an der vorderen Lok ist kaputt. Alle bereits evakuiert in einen anderen Zug. Behinderte bleiben zurück im kaputten Zug,“ twitterte Krauthausen. Grund: Die Rettungsbrücken waren zu schmal für Rollstühle. „Ich bin alleine & gleich werden viele Leute um den Zug herumwuseln. Sie werden mich überzeugen wollen mich zu tragen. Ich werde ,Nein!‘ sagen. Denn ich habe Glasknochen und es darf mich nicht jeder heben. (…) Ich hasse es, jedes Mal zu hören, dass ich ,der erste Mensch im Rollstuhl, der evakuiert werden muss‘ bin. Es ist für mich bereits das 2. Mal. In 12 Monaten. Ich wiederhole mich… @DB_Bahn please pay attention!“

(RP/PM)

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