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Deutscher Schulpreis 2018 vergeben: „Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich!“

Inklusion in Schulen

Deutscher Schulpreis 2018 vergeben: „Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich!“

Robert Bosch Stiftung und Heidehof Stiftung zeichnen sechs Bildungseinrichtungen aus, die zeigen, wie es geht.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek  (CDU) hielt die Festrede. (Foto: Max Lautenschläger)

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hielt die Festrede. (Foto: Max Lautenschläger)

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) gewinnt den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2018. Die Auszeichnung (siehe ROLLINGPLANET Info-Box) überreichte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek heute im ewerk in Berlin. Fünf weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhalten die Gesamtschule Bremen Ost, die Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen (Hessen), die Integrierte Gesamtschule Hannover-List (Niedersachsen), das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster (Nordrhein-Westfalen) und die Matthias-Claudius-Schule in Bochum (Nordrhein-Westfalen).

Anlässlich der Preisverleihung sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU): „Ich freue mich darüber, dass heute sechs Schulen mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Allen Beteiligten gratuliere ich herzlich zu ihren herausragenden Leistungen, von der Schulleitung über die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer bis hin zur engagierten Elternschaft. Sie geben in ganz Deutschland ein Beispiel dafür, wie gute Schule mit überzeugenden Konzepten gelingen kann. Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen die bestmöglichen Bildungschancen haben, damit sie ihre Talente und Fähigkeiten voll entwickeln können. Dafür brauchen wir ausgezeichnete Schulen. Gemeinsam mit den Ländern arbeite ich daran, die schulischen Rahmenbedingungen in Deutschland zu verbessern. Mit dem DigitalPakt Schule, der Errichtung eines Nationalen Bildungsrates und der Stärkung unserer Qualitätsoffensive Lehrerbildung können wir hier einen guten Schritt vorankommen.“

Nicht gescheitert

Am Evangelischen Schulzentrum Martinschule in Greifswald hat fast die Hälfte der 550 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf – ein Wert, der weit über dem mecklenburg-vorpommerischen Landesdurchschnitt von 10,8 Prozent für das Schuljahr 2015/16 liegt. Parallel sind an der Martinschule die Ergebnisse der VERA-Vergleichsarbeiten, der zentralen Abiturklausuren und die Abschlussergebnisse der mittleren Reife seit Jahren besser als der Landesdurchschnitt. Jede Schülerin und jeder Schüler verlässt die Martinschule mit einem Abschluss – für Jugendliche mit Handicap, die an anderen Schulen häufig kein Zeugnis erhalten, gibt es einen schulinternen „Abschluss“.

„Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich“,

sagt Professor Michael Schratz, Erziehungswissenschaftler von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises.

„Während manche die Inklusion für gescheitert erklären, beweist die Martinschule mit ihrem außergewöhnlichen Inklusionsmodell das Gegenteil: Hier lernen alle Kinder und Jugendlichen erfolgreich unter einem Dach – ganz gleich ob mit oder ohne Handicap, Förderbedarf oder besonderer Begabung. Dabei nimmt sich die Martinschule auch der schwierigen Fälle an, bei denen es durchaus körperlich zugehen kann. Wir brauchen solche Schulen, die davor nicht zurückschrecken und dieser Herausforderung mit guten Konzepten begegnen.“

Es begann als „Schule für geistig Behinderte“

Ministerin Anja Karliczek überreichte den Siegerpreis an das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald. (Foto: Max Lautenschläger)

Ministerin Anja Karliczek überreichte den Siegerpreis an das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald. (Foto: Max Lautenschläger)

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald liegt in Schönwalde I, einer klassischen Plattenbausiedlung mit günstigen Mieten, in der vor allem Rentner, Studenten, Geringverdiener und Menschen mit Migrationshintergrund leben. Hier öffnete vor 25 Jahren die „Schule für geistig Behinderte“, die sich zunächst zur inklusiven Grundschule entwickelte und dann erweitert wurde durch eine Integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.

An der Martinschule lernen Kinder bis zur siebten Klasse mit den gleichen Lehrkräften in einer kleinen Stammgruppe, auf Ziffernnoten wird bis zur neunten Klasse verzichtet. Daneben profitieren die Jugendlichen vom besonderen jahrgangsübergreifenden Lernkonzept, das sie zum Ende der Schulzeit auf einen möglichst autonomen Lebensalltag und eine berufliche Integration vorbereitet: In der Schülerfirma „Häppchen & Co“ lernen sie den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt „Wohnungstraining“ wird in einer angemieteten Wohnung für die eigene Selbstständigkeit geübt. Für die Jury lebt hinter den professionell reflektierten Alltagsroutinen des Kollegiums aber vor allem eines: der unbedingte Wille, das „Anderssein“ der Kinder und Jugendlichen radikal zu akzeptieren und wertzuschätzen.

Alle nominierten Schulen, die nicht mit Preisen ausgezeichnet wurden, erhalten Anerkennungspreise in Höhe von jeweils 5.000 Euro. Darüber hinaus profitieren die Schulen, die von der Jury besucht wurden und keinen Preis erhalten haben, vom Schulentwicklungsprogramm des Deutschen Schulpreises. Über zwei Jahre erhalten sie eine individuelle Prozessbegleitung und nehmen an Seminaren und Vernetzungsangeboten teil.

Neues Schulportal

Mit dem Deutschen Schulportal (www.deutsches-schulportal.de) ist vor wenigen Tagen eine neue Onlineplattform rund um das Thema Schule gestartet, die die erfolgreichen Konzepte der Preisträgerschulen vorstellt. Neben den Konzepten bietet das Schulportal aktuelle Informationen und Beiträge zu den Themen Schulpraxis, Bildungspolitik und Wissenschaft. Das Deutsche Schulportal ist eine Initiative der Robert Bosch Stiftung, der Deutschen Schulakademie und der Heidehof Stiftung in Kooperation mit der ZEIT Verlagsgruppe.

Für die ARD hat in diesem Jahr erstmals der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) die Preisverleihung übertragen – live im rbb Fernsehen und auf phoenix. Die Sendung steht in der rbb-Mediathek zum Nachsehen bereit (http://mediathek.rbb-online.de/tv).

Für mehr gute Schulen!

Unter dem Motto „Für mehr gute Schulen!“ haben es sich die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung zum Ziel gesetzt, die Qualität von Schule und Unterricht in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Die beiden Stiftungen unterstützen bundesweit Schulen bei ihrer Schulentwicklung und bieten dazu praxisorientierte Programme für alle Schularten an. Im Mittelpunkt steht dabei die hervorragende pädagogische Arbeit, die viele gute Schulen in Deutschland bereits leisten. Diese Leuchttürme zeichnen die beiden Stiftungen jährlich mit dem Deutschen Schulpreis aus und machen exzellente Praxis damit sichtbar. Die Deutsche Schulakademie, eine Tochter der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung, bereitet die Konzepte der ausgezeichneten Schulen auf und organisiert auf dieser Grundlage Fortbildungsmaßnahmen und Schulentwicklungsangebote, um mit dem Wissen aus den Preisträgerschulen anderen Schulen Impulse zu geben, die eigene Schulentwicklung in die Hand zu nehmen. Das Deutsche Schulportal stellt als Onlineplattform die erfolgreichen Konzepte der Preisträgerschulen einer breiten Öffentlichkeit vor.

Neue Preisträger gesucht

Die Ausschreibung für den Deutschen Schulpreis 2019 startet heute. Schulen können individuelle Schwerpunkte in der Bewerbung setzen und ihre Arbeit anhand einer zentralen Herausforderung ihres schulischen Alltags vorstellen. Grundlage des Wettbewerbs bilden die sechs Qualitätsbereiche des Deutschen Schulpreises. Zur Bewerbung eingeladen sind alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland sowie alle Deutschen Auslandsschulen.

(RP/PM)

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Der Deutsche Schulpreis

Die Robert Bosch Stiftung vergibt den Deutschen Schulpreis seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung. Er ist der bekannteste, anspruchsvollste und höchstdotierte Preis für gute Schulen im Land. Kooperationspartner sind die ARD und die ZEIT Verlagsgruppe. Seit dem Start des Programms haben sich rund 2.000 Schulen für den Preis beworben. Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: „Leistung“, „Umgang mit Vielfalt“, „Unterrichtsqualität“, „Verantwortung“, „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ und „Schule als lernende Institution“. Diese Merkmale sind inzwischen als Kennzeichen für gute Schulqualität allgemein anerkannt.