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Deutschsprachiges Netzwerk zu Disability Studies geplant

Berlin

Deutschsprachiges Netzwerk zu Disability Studies geplant

Mehr als 200 Teilnehmende bringen auf der „DisKo18“ innovative Forschung zum Thema Behinderung und Inklusion zusammen – es ist die größte Konferenz zu „Disability Studies“ seit 15 Jahren.

Sie wird eine der Rednerinnen sein: Universitätsprofessorin für Soziologie und Politik der Rehabilitation Prof. Dr. Anne Waldschmidt (Foto: TUM)

Sie wird eine der Rednerinnen sein: Universitätsprofessorin für Soziologie und Politik der Rehabilitation Prof. Dr. Anne Waldschmidt (Foto: TUM)

„Zwischen Emanzipation und Vereinnahmung – Disability Studies im deutschsprachigen Raum“ – so lautet das Thema der Disability Studies Konferenz, die am 19.-21. Oktober 2018 an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Alice Salomon Hochschule Berlin stattfindet.

Die „DisKo18“-Konferenz wird aktuelle Forschungsarbeiten der Disability Studies zusammenführen und dadurch die Innovationskraft dieses Ansatzes zeigen. Rund 200 Teilnehmende aus allen deutschsprachigen europäischen Ländern kommen am Freitagabend im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin und am Sonnabend und Sonntag in den Räumen der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen.

Neben Redebeiträgen von führenden Vertreter_innen der Disability Studies sowie der Deaf und Mad Studies – unter anderem Prof. Dr. Anne Waldschmidt, Prof. Dr. Theresia Degener und Prof. Dr. Christian Rathmann – steht ein umfangreiches Workshop-Programm bereit. Themen sind Geschlecht und Behinderung, literaturwissenschaftliche Zugänge in den Disability Studies, Disability History, Ableism, Behinderung und Flucht, Behinderung und Inklusion im Bildungssystem und viele weitere.

Die letzte große Veranstaltung zu den Disability Studies im deutschsprachigen Raum fand im Jahr 2003 an der Universität Bremen statt. „Nicht nur deswegen stellt die „DisKo18“-Konferenz eine lang überfällige Gesamtschau aktueller Forschungsergebnisse und Diskurse dar“, so die Initiatoren. Im Anschluss an die Konferenz ist die Gründung eines deutschsprachigen Netzwerks der Disability Studies geplant.

Hintergrund

Behinderung ist kein individuelles Schicksal, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe – dafür streitet die Behindertenbewegung seit Ende der 1960er Jahre. Ihr Credo: „Nichts über uns ohne uns!“ Seit 2009 stärkt die UN-Behindertenrechtskonvention ihr Recht auf Teilhabe, zum Beispiel auf ein selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft, auf gute Bildung oder auf Bewegungsfreiheit.

Darauf bauen die Disability-Studies auf: Sie üben Kritik an einem verengten, rein medizinisch-pädagogischen Blick auf Behinderung und beziehen sich stattdessen auf ein soziales, kulturelles bzw. menschenrechtliches Modell: Nicht die „Behinderung an sich“ steht im Fokus, sondern die Konstruktion von Normalität aus dem Blickwinkel verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Besonders wichtig ist dabei das Erfahrungswissen selbst von Behinderung betroffener Forscher_innen und außerakademischer Akteur_innen. Mit transdisziplinärer Ausgestaltung und partizipatorischen Forschungsansätzen stellen die Disability-Studies somit einen Gegenentwurf zu traditionellen Forschungsansätzen wie etwa der Sonderpädagogik oder der Rehabilitationswissenschaften dar.

Der Beitrag behinderter Wissenschaftler_innen ist für die Disability Studies besonders relevant. Im Kontext der Behindertenbewegungen der 1970er Jahre hatten sie damit begonnen, wissenschaftliche und politische Entwicklungen im Hinblick auf ihre Bedeutung für behinderte Menschen zu analysieren. Diese kritische Auseinandersetzung bildete in den 1980er Jahren zunächst in den USA und Großbritannien die Grundlage für die Disability Studies. Trotz unterschiedlicher theoretischer Hintergründe sind sich alle Vertreter_innen der Disability Studies darin einig, dass es sich bei Behinderung nicht um ein naturgegebenes, überhistorisches Phänomen handelt, sondern um eine gesellschaftlich negativ bewertete körperliche Differenz, die im jeweiligen historischen und kulturellen Kontext betrachtet werden muss.

Die Disability Studies Konferenz 2018 ist eine multilaterale Kooperationsveranstaltung der Humboldt-Universität zu Berlin, der Alice Salomon Hochschule Berlin, der Hochschule Bremen, der Hochschule Emden/Leer, der Hochschule Zittau/Görlitz, der Hochschule Magdeburg/Stendal und dem Verein Disability Studies Deutschland e.V. Weitere Informationen zu Hintergrund, Tagungsorten und Programm unter https://disko18.de

Auf Social Media ist die Veranstaltung unter #disko18 zu finden.

(RP/PM)

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