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Einen Rollstuhlfahrer daten? Nein, danke!

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Einen Rollstuhlfahrer daten? Nein, danke!

Außerdem: Film über Comiczeichner John Callahan +++ Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Chefin von Behindertenwerkstatt +++ Arbeitsmarkt in Bayern +++ Rentner lustig entmündigt +++ Heilmittelausgaben und Stundenlöhne

(Symbolfoto: Shutterstock)

(Symbolfoto: Shutterstock)

Stefan sitzt im Rollstuhl. Er hatte noch nie eine Beziehung, keine Romanze, keinen Kuss. Und versuchte es deshalb mit Online-Dating. Doch was er da erleben musste, frustrierte ihn noch mehr. „Ich gehe einem geregelten Arbeitsleben nach, habe Pläne und viele Interessen – aber auf meinem Profilbild ist da nur ein Rollstuhl, zumindest für manche. Das ist traurig“, sagt Stefan. Er versuchte, den Frauen, mit denen er Kontakt aufnahm, klar zu machen, dass eine potenzielle Partnerin bei ihm nichts vermissen muss. Weder Spaziergänge noch Restaurantbesuche oder Sofa-Abende. Doch das glaubten ihm viele Frauen nicht. Das ist zumindest Stefans Eindruck.

In der oberflächlichen Welt des Online-Datings haben es Menschen mit Behinderung besonders schwer, bestätigt auch Richard Schaefer. Der Österreicher ist psychosozialer Krisenmanager, Sexualberater und seit 2005 querschnittsgelähmt. Heute berät er vor allem Menschen, die Ähnliches erlebt haben wie er und mit körperlichen Beeinträchtigungen leben. Bento

Comiczeichner John Callahan: Lachen, bis es nicht mehr wehtut

Die Zeichnungen nur vermeintlich simpel, die Textpointen treffend wie provokant: Ein Baby, das sich in den Armen einer Nonne wundert, ob seine Mama wohl ein Pinguin sei. Jesus am Kreuz, der sich bei Gott dafür bedankt, dass es endlich Freitag ist. Zwei Rollstuhlfahrer, die sich in Westernmanier duellieren, denn die Stadt ist nicht barrierefrei genug für zwei. Das sind nur drei – und als Bildbeschreibung natürlich nur unzulänglich wiedergegebene – Cartoons von John Callahan.

Weglaufen ist nicht: Gus Van Sant erzählt im Film „Don’t Worry“, der diese Woche in die Kinos gekommen ist, vom Leben und Spotten des querschnittsgelähmten Comic-Künstlers John Callahan (hier geht es zum ausführlichen Porträt auf ROLLINGPLANET). Ein Biopic mit Humor und Hellsicht. Spiegel Online

Verdacht der Untreue: Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Ex-Chefin von Behindertenwerkstatt

Wer ist Schuld an der Misere? Wer wusste von was? Wer muss haften? Im Fall der wegen zu hohen Gehalts entlassenen Chefin einer Behindertenwerkstatt in Duisburg ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Gegen die ehemalige Geschäftsführerin, Roselyne Rogg (ROLLINGPLANET berichtete: Höchststrafe für umstrittene Werkstatt-Chefin: Fristlose Kündigung und Hausverbot und Die 370.000-Euro-Frage), und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzendenden, Reinhold Spaniel, ist ein Verfahren eingeleitet worden, wie die Behörde mitteilte. Demnach bestehe der Verdacht der Untreue. RP Online

Inklusiver Arbeitsmarkt in Bayern

Der bayerische Arbeitsmarkt boomt – jetzt ist die richtige Zeit, um noch mehr Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Dazu hat der Ministerrat in seiner jünsten Sitzung am 8. August weitere Maßnahmen auf den Weg gebracht. Bayerns Arbeitsministerin Kerstin Schreyer: „Unser Ziel ist ein Bayern, in dem Menschen mit und ohne Behinderung miteinander leben, wohnen und vor allem auch arbeiten. Dazu müssen aber bestehende Barrieren in den Köpfen abgebaut werden – auch bei den Arbeitgebern. Deshalb werden wir einen Runden Tisch ins Leben rufen und gemeinsam mit der Wirtschaft nach Lösungen suchen, wie noch mehr Menschen mit Behinderung in Arbeit kommen. Außerdem haben wir bereits eine Infokampagne gestartet, die aufklären und mögliche Vorbehalte und Sorgen bei Arbeitgebern abbauen und Menschen mit Behinderung dazu animieren soll, sich mehr zuzutrauen.“

In den Jahren 2006 bis 2018 sei die Zahl der Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung um 26.000 gestiegen. Im gleichen Zeitraum ging die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung um rund 16 Prozent zurück. „Hier setzen wir weiter an. Deshalb haben wir bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes festgelegt, das sogenannte Budget für Arbeit besser auszustatten als vorgeschrieben. Der Lohnkostenzuschuss für die Arbeitgeber in Bayern ist um 20 Prozent höher als vom Gesetzgeber vorgesehen“, betonte die Ministerin.

„Um die Teilhabechancen von Menschen mit Behinderung zu verbessern, gehen wir als Arbeitgeber selbst mit gutem Beispiel voran. In der nächsten Legislaturperiode werden wir die Quote von Menschen mit Behinderung im staatlichen Bereich anheben. Wenn wir es schaffen, Menschen mit und ohne Behinderung zuerst als Menschen wahrzunehmen, haben wir den wichtigsten Schritt zu einer inklusiven Gesellschaft zurückgelegt“, ist sich Schreyer sicher. (RP/PM)

Rentner lustig entmündigt

Zwei Senioren besuchen nachts das Wacken-Festival. Die Polizei eskortiert sie ins Altersheim zurück. Ist das als selbstverständlich hinzunehmen? Nein – auch wenn sich viele Medien lustig über den Vorfall machen. taz

Heilmittelausgaben und Stundenlöhne

Die Krankenkassen haben im Jahr 2017 knapp drei Prozent ihrer Gesamtausgaben für Heilmittelausgaben verwendet, also für Leistungen von unter anderem Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden. Das schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (19/3749) auf eine Kleine Anfrage (19/3506) der Fraktion Die Linke. Aus der Antwort geht auch hervor, dass der durchschnittliche Bruttostundenverdienst ohne Sonderzahlungen in diesen Berufen im Jahr 2017 bei 18,92 Euro lag bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 39,7 Stunden. (hib/CHE)

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

7 Kommentare

7 Comments

  1. Sven Fiala

    16. August 2018 um 13:28

    Kommt mir bekannt vor, aber trotzdem muss man am Ball bleiben und darf nicht resignieren!!!

  2. Daniel Horneber

    16. August 2018 um 16:03

    ich finde Sonder Singlebörsen auch eher problematisch aber eher dann wenn Nichtbehindert keinen Zugang haben Amelos finde ich nur Problematsch wenn sie ein Nein nicht akzeptieren was ihnen gesagt wird

  3. Maik Tetonka Wolff

    16. August 2018 um 17:35

    Er hat doch nicht nur allein das Problem. Es diese Gesellschaft. Keine Verantwortung mehr über nehmen aber das muss keiner. Es ist ein Haufen voller Ego mahnen und narzischtes Menschen geworden. Und dann heulen die herrum Mütter stehen alleine da sind Alleinerziehende usw. Wir sind keine Monster nur eben anders. Und unterscheiden uns nur-körperlich-geistig -oder eben ander weitig. Aber denoch sind wir Menschen. Ich Frage mich nur warum es in anderen eu Staaten das total funktioniert.

  4. Heide Frirdich

    16. August 2018 um 17:35

    Ich hatte mit 5 Jahren Kinderlähmung und bin seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Meinen Mann lernte ich vor 9 Jahren im Internet kennen. Seit 7 Jahren sind wir glücklich verheiratet. Die Suche nach einem Partner hat mich zwei Jahre gekostet, was zeitweilig anstrengend war, sich aber gelohnt hat. Sicher ist es für Rollifahrer sehr viel schwieriger, jemanden zu finden, aber man darf nicht aufgeben.

  5. Holger Korten

    16. August 2018 um 20:31

    Ich finde Online Dating erbärmlich…egal ob für Fussgänger oder Rollstuhlfahrer ^^

  6. Andrea Bröker

    16. August 2018 um 23:29

    Wieso nicht!?

  7. Andrea Maeander Löher

    18. August 2018 um 23:39

    damit es Liebe werden kann, bedarf es echter Begegnung und Zeit, finde ich jedenfalls. auf Rädern und auf Füßen.

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