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Elternverbände sehen Inklusions-Gesetz in NRW als gescheitert an

Gesellschaft & Politik

Elternverbände sehen Inklusions-Gesetz in NRW als gescheitert an

Bündnis fordert: „Rettet die Inklusion!“ Ist das weise oder ein Schritt zurück in die Vergangenheit?

Elternverbände kritisieren „Gießkannen“-Inklusion. (Foto: hauku/pixelio.de)

Elternverbände kritisieren „Gießkannen“-Inklusion. (Foto: hauku/pixelio.de)

Ein Bündnis von Elternverbänden (Landesverband NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher, Elternverein NRW, Katholische Elternschaft Deutschlands in NRW, Landeselternschaften der Realschulen NRW sowie der Gymnasien NRW) hat das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern an den nordrhein-westfälischen Schulen in der jetzigen Form für gescheitert erklärt. Statt einer flächendeckenden „Gießkannen“-Inklusion in den Regelschulen solle der gemeinsame Unterricht auf wenige, regional verteilte Schulen begrenzt werden. Das forderte das Bündnis „Rettet die Inklusion!“ am Dienstag in Düsseldorf.

Seit dem Schuljahr 2014/15 greift in NRW ein Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Unterricht in Regelschulen. Das Gesetz habe jedoch zu einer Verschlechterung der Förderung von Kindern mit Handicap geführt, sagte Bündnissprecher Jochen-Peter Wirths. Die Klassen seien zu groß, es gebe zu wenige Sonderpädagogen. Zugleich drohten die Regelschulen ihr Niveau zu verlieren. Auch die Qualität der Förderschulen verschlechtere sich, weil viele Lehrer an Regelschulen abgeordnet würden. Eltern hätten weniger Wahlmöglichkeiten, weil Förderschulen geschlossen würden.

Von fast 128.000 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in diesem Schuljahr laut einer Prognose des Schulministeriums gut 42 Prozent in der Primar- und Sekundarstufe I unterrichtet. Im vergangenen Schuljahr lag die Quote bei 38 Prozent. Die Zahl der Förderschulen ist seit 2002 in NRW von 726 auf 571 gesunken.

Kommentar: Protest wird zu recht lauter

(RP/dpa/lnw)

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14 Kommentare

14 Kommentare

  1. Elisabeth Wirthensohn

    7. Februar 2017 um 14:32

    Das kommt dabei heraus, wenn Elternverbände, Eltern kontra Sonderschulen poltern. Nun gibt es nicht einmal Wahlfreiheit für Eltern, weil Sonderschulen abgebaut wurden. Denn nicht Elternverbände haben Erziehungsrecht, sondern Eltern.

    • Ingrid Gerber

      7. Februar 2017 um 19:58

      es gab Jahrzehnte lang kein Recht auf Integration für Kinder mit Behinderungen, erst recht kein Wahlrecht! Wir hatten nicht einmal Mitspracherechte bei der Schulwahl… und dieses sog Wahlrecht jetzt mit dem Argument aus der UN BRK zu begründen, nach der inklusive Bildung als Recht für ALLE Kinder besteht, ist einigermaßen widersinnig

    • Jo Paul-Roemer

      7. Februar 2017 um 21:37

      Liebe Elisabeth, auch da irrst Du. Inklusion ist ein Recht des Kindes an sich! Nicht die unwissenden Eltern entscheiden, sondern notfalls das Jugendamt im Interesse des Kindes zur Inanspruchnahme seines Menschenrechts.

    • Ingrid Gerber

      8. Februar 2017 um 11:43

      Liebe Elisabeth Wirthenson, da stimmen die Fakten nicht ganz, denn zunächst werden Sonderschulen mit Lehrern versorgt, und erst danach die Regelschulen, die inklusiv arbeiten, so die Maßgabe des MSW. Dann laufen nur diejenigen Sonderschulen aus, die unter die Mindestgröße von 144 Kindern fallen, hier ist es dann nur legitim zu sagen, dass der weitere Betrieb der Sonderschule zu kostspielig ist.

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Februar 2017 um 11:45

      Ändert nichts daran, dass Eltern, die das Erziehungsrecht haben ihre behinderten Kinder in Förderschulen als gut versorgt sehen würden.

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Februar 2017 um 11:46

      Es kann ja nicht stimmen, dass Förderschulen nur schlecht sind.

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Februar 2017 um 11:47

      In 16 verschiedenen Bundesländer gibt es jeweils ein anderes Bildungskonzept. Dazu gehören auch Förderschulen.

    • Jo Paul-Roemer

      8. Februar 2017 um 12:48

      tatsächlich gibt es auch gute Arbeit in Sonderschulen, aber sie werden weniger nachgefragt und müssen daher zugunsten der Inklusion aufgelöst werden. Warum soll denn die vermeintlich gute Arbeit nicht in Regelschulen zum Einsatz kommen? Da scheint doch was nicht zu stimmen? Es ist geht also um Ideologie des Sonderschulwesens (auch des gegliederten Schulsystems) welches von Lobbyisten massiv verteidigt wird. Diese Vereinigungen sind uns gut bekannt.

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Februar 2017 um 13:01

      Jo Paul-Roemer Weil Inklusion ein Prozess ist, ein Bundesland sieht es so, ein anderes anders. Deswegen tritt das Artikelgesetz Bundesteilhabegesetz erst nach und nach 2018, 2019,20120,2023 in Kraft. Und es gibt in jedem Bundesland mehr oder weniger viele Elternverbände die sich der Inklusion mit Herz und Verstand verschrieben haben.–Man kann ja nicht bundesweit plötzlich alle Förderschulen dicht machen, weil das alles genau sogut mit geeignetem Peronal an Regelschulen zu schaffen sei.

    • Elisabeth Wirthensohn

      8. Februar 2017 um 13:04

      Es gibt auch Eltern, die aus welchen Gründen auch immer meinen, deren nicht behinderten Kinder blieben unterfördert, wenn behinderte Kinder in Regelschulen gehen. Dann kommt noch die politische Einsstellung der Schulentscheider dazu. Mit Brechstange geht gar nichts.

  2. Eva-Maria Thoms

    7. Februar 2017 um 20:15

    Mit Eurem Zweifel ob das weise ist seid ihr schon auf der richtigen Spur. Die Landeselternschaft der Gymnasien als Retter der Inklusion? Da wurde heute ganz dreist unter falscher Flagge gesegelt…

    • Jo Paul-Roemer

      7. Februar 2017 um 21:46

      der Philologenverband hat sich nur getarnt, er steht ja unter Beobachtung. 😉

  3. Jo Paul-Roemer

    7. Februar 2017 um 21:48

    ich hasse diese Lobbyisten und Inklusionsverweigerer mit ihren gesetzwidrigen Meinungen.
    Recht und Gesetz ist postfaktisch, danke Trump.

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