Kontaktieren Sie uns

Rollingplanet | Portal für Menschen mit Behinderung

GKV-Spitzenverband verhindert Inklusion

Gesellschaft & Politik

GKV-Spitzenverband verhindert Inklusion

Die Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e.V. sieht die Zukunft von ambulanten Wohnformen bedroht.

Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.

Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (Foto: Philipp Meinert)

Alle reden von Inklusion. Alle? Nein, der GKV-Spitzenverband, das ist der Spitzenverband der Kranken- und Pflegekassen, hat eine gegenteilige Richtlinie zur Auslegung des Pflegeversicherungsgesetzes entworfen, wie ISL berichtet.

„Sollte diese Richtlinie Gültigkeit erlangen, dann werden Kostenträger Menschen mit hohem Assistenzbedarf bald wieder vorschreiben, in Heimen statt in Wohngemeinschaften oder anderen ambulanten Wohnformen zu leben“,

kritisiert Dr. Sigrid Arnade, Geschäftsführerin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL. Anscheinend sollte der Entwurf ohne großes Aufhebens klammheimlich durchgewunken werden, vermutet Arnade, „denn der Deutsche Behindertenrat wurde in dieser entscheidenden Frage nicht beteiligt“.

Kostenvorteile von Wohngemeinschaften schmelzen

Zum Hintergrund erläutert die ISL-Geschäftsführerin, dass die Leistungen der Pflegeversicherung in Einrichtungen der Behindertenhilfe unabhängig vom tatsächlichen Pflegegrad auf 266 Euro monatlich gedeckelt sind. Dass dies ungerecht und nicht gerechtfertigt ist, habe bisher niemand bestritten, so Arnade.

„Aber gerade dadurch wurden bislang ambulante Wohnformen für die Sozialleistungsträger attraktiv, weil sich die Pflegekassen dort stärker an den Kosten beteiligen müssen als in Heimen,“ erläutert Arnade. Damit soll jetzt Schluss sein, wenn die Richtlinie in Kraft tritt. Künftig sollen die Pflegekassen nach dem Richtlinienentwurf auch bei Wohngemeinschaften und vergleichbaren Wohnformen nur maximal 266 Euro monatlich für die Pflegekosten zahlen.

„Wenn der bisherige Kostenvorteil der ambulanten Wohnformen zunichte gemacht wird, werden alle Sonntagsreden zur Inklusion endgültig als Lippenbekenntnisse entlarvt“,

so Arnade, die allerdings nicht versteht, dass auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe und die kommunalen Spitzenverbände den Richtlinienentwurf mittragen. „Diese haben doch erhöhte Kosten, aber vielleicht nehmen sie das billigend in Kauf, um zu verhindern, dass behinderte Menschen ihre Menschenrechte verwirklichen können?“ fragt sich die Geschäftsführerin ungläubig.

Wäre Letzteres der Fall, dann empfiehlt Arnade, mit allen Beteiligten entsprechend dem gallischen Vorbild nach der Methode Troubadix zu verfahren.

(RP/PM)

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiter(sc)rollen – Thema: Gesellschaft & Politik

Wir machen ROLLINGPLANET:

Neueste Beiträge

Top-Themen

Das Aufreger-Thema

Eine(r) von uns

Gesellschaft & Politik

Am häufigsten gelesen

Neueste Kommentare

Aufzug