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Hier ist endlich Deutschlands erste Ampel, die nett zu Senioren und Gehbehinderten ist

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Hier ist endlich Deutschlands erste Ampel, die nett zu Senioren und Gehbehinderten ist

In einem Pilotprojekt im oberbayerischen Ebersberg können etwas langsamere Fußgänger die Grünphase verlängern.

In Ebersberg Statt zehn Sekunden können Berechtigte die Grünphase von zehn auf 16 Sekunden verlängern. (Symbolfoto: Shutterstock)

In Ebersberg können Berechtigte die Grünphase von zehn auf 16 Sekunden verlängern. (Symbolfoto: Shutterstock)

Fußgängerampeln werden vielerorts immer kürzer geschaltet – mit dem Effekt, dass sie für große Personengruppen, unter ihnen vor allem ältere Menschen und Gehbehinderte, regelrechte Stress-Stationen sind. Vor sechs Jahren errechneten britische Wissenschaftler: 0,8 Meter pro Sekunde (2,88 km/h) beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit bei Frauen über 65 Jahren, bei Männern 0,9 Meter (3,24 km/h). Um eine Fußgängerampel zu überqueren, muss man jedoch mit rund 1,2 Meter pro Sekunde (4,32 km/h) unterwegs sein – was 85 Prozent der untersuchten Frauen und 76 Prozent Männer (jeweils ab 65 Jahren) nicht mehr schaffen.

Es kann auch anders gehen, selbst wenn jetzt viele ungeduldige Autofahrer maulen werden: In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt können Senioren und gehbehinderte Menschen im oberbayerischen Ebersberg mit einem Chip die Fußgänger-Grünphase an der Ampel verlängern. Statt zehn Sekunden bleiben dann 16 Sekunden, um die Straße zu überqueren, wie Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) am Donnerstag auf Anfrage erläuterte. Der „Münchner Merkur“ hatte zuerst über das Projekt berichtet.

Idee aus Singapur

Die Idee stammte aus Singapur. Der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Thomas John, war auf einer Reise darauf gestoßen – und brachte den Vorschlag mit ins heimische Oberbayern. „In Singapur ist das schon gang und gäbe. Da dachte ich mir, wenn ich nach Hause komme, hake ich mal nach“, sagte John. „Wir haben in Ebersberg eine extreme Verkehrssituation.» An die 14.000 Fahrzeuge rauschen laut John jeden Tag durch den Ort.

Im Rathaus kam die Idee gut an. Einerseits gebe es viel Verkehr, den man möglichst wenig behindern wolle, andererseits sollten die Bürger sicher über die Straße kommen, sagte Brilmayer. Bis zur Installation der beiden Ampeln – eine östlich und eine westlich des Rathauses an der Staatsstraße – dauerte es aber drei Jahre. Seit Freitag vergangener Woche können sich mobilitätseingeschränkte Bürger nun im Rathaus gegen zehn Euro Pfand den Chip holen. Ein knappes Dutzend habe davon schon Gebrauch gemacht – es gebe aber 380 registrierte gehbehinderte Bürger, sagt Bürgermeister Brilmayer. Das Pilotprojekt soll ein Jahr laufen.

(RP/dpa/lby)

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