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Hirnforscher Birbaumer kritisiert Untersuchungskommission

Gesundheit & Medizin

Hirnforscher Birbaumer kritisiert Untersuchungskommission

Der Professor sieht sich verunglimpft. Über eine Art Gedankenlesemaschine wollte er mit gelähmten Patienten kommuniziert haben. Jetzt wirft ihm seine Universität Datenverfälschung vor.

Niels Birbaumer, Hirnforscher aus Tübingen

Niels Birbaumer, Hirnforscher aus Tübingen (Foto: Horst Haas/dpa)

Der renommierte Tübinger Hirnforscher Niels Birbaumer hat seine Untersuchungen gegenüber dem Vorwurf der Datenverfälschung verteidigt. Eine Kommission der Universität Tübingen hatte ihm zuvor wissenschaftliches Fehlverhalten angelastet – laut Birbaumer sind die Beschlüsse des Gremiums falsch.

Erste Zweifel an der Studie bereits 2018

Birbaumer hatte 2014 mit einer Forschergruppe Untersuchungen an Patienten der Nervenkrankheit ALS (Amyothrophe Lateralsklerose) durchgeführt und die Ergebnisse 2017 im Fachmagazin „Plos Biology” veröffentlicht. Sie galten als Sensation: Die vollständig gelähmten und sprachunfähigen Menschen sollten Fragen in Gedanken beantworten, während die Wissenschaftler mit einer speziellen Kopfhaube und Computern ihre Hirnaktivität maßen. Laut Birbaumer ist auf diese Weise eine Kommunikation möglich.

2018 meldete ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Tübingen Zweifel an der Studie an. Anfang 2019 leitete die universitäre Kommission zur Untersuchung für Fehlverhalten in der Wissenschaft ein Prüfverfahren ein. Wie die Universität in der vergangenen Woche bekannt gab, stellte das Gremium massive Verstöße in Birbaumers Publikation fest. Unter anderem warf es dem Hirnforscher vor, Daten nicht offengelegt oder zugunsten gewünschter Ergebnisse zurückbehalten zu haben.

Kritik am Sachverständnis der Prüfer

Birbaumer widersprach in einer Stellungnahme. Seinen Angaben nach ist sämtliches Datenmaterial veröffentlicht, sonst sei es ja nicht nachzurechnen gewesen. Der Neurobiologe und Psychologe hat zur Auswertung der Kommunikationsversuche EDV-Systeme und Algorithmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz verwendet. Er kritisiert unter anderem ein mangelndes Sachverständnis der Prüfer. 

„Die Fachkompetenz der Kommission besteht nicht”,

teilte Birbaumer mit. Eine Literaturwissenschaftlerin könne maschinelles Lernen nicht beurteilen, so Birbaumer. Laut Universität besteht die Untersuchungskommission aus fünf Mitgliedern. Ihr sollen auch jeweils ein Professor aus den Geisteswissenschaften, den Naturwissenschaften und der Medizin angehören.

Birbaumer hat an der Universität Tübingen derzeit eine Seniorprofessur. Die Kommission hat dem Rektor unter anderem vorgeschlagen, diesen Status zu überprüfen. „Bevor die Universität Konsequenzen zieht, bekommt der Betroffene noch einmal Gelegenheit zur Stellungnahme”, sagte eine Sprecherin am Dienstag.

(RP/dpa/lsw)

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